Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Waldtagebuch vom 29.1. bis 9.2.04

Greenpeace arbeitet in vielen Ländern zum Schutz der Urwälder. Auch im Jahre 2004 waren Aktivisten aus Deutschland in verschiedenen Ecken der Welt aktiv.

 

9. Februar, Kuala Lumpur, Malaysia

Nach einem fast 12-Stunden-Flug sind Steffi, Markus und ich amSonntag früh in Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias gelandet. DerFlughafen hätte überall auf der Welt sein können. Aber bereits als wirnach draußen traten, war es gleich heiß und schwül. Ja, wir sindwirklich angekommen in Malaysia, nur ein paar Breitengrade vom Äquatorentfernt.

Im Zug auf dem Weg zu unserem Hotel konnte man sehr schön sehen,dass überall Palmenplantagen angebaut sind, wo früher mal Urwald war.Auch wenn Palmen für mich etwas besonderes sind, es ist absolut nichtvergleichbar mit einem wirklichen tropischen Urwald.

Nach einem kurzen Nickerchen habe ich Omanie, einen Indigenen ausPapua-Neuguinea, getroffen und kennen gelernt. Er lebt mit seinerFamilie in Werio, einem kleinen Dorf in den Urwäldern. Seit 15 Jahrenschlägt ein fremdländisches Holzunternehmen die Bäume in seinem Waldab. Deswegen hat er sich entschieden, nach Kuala Lumpur zu kommen.Damit die Politik endlich die Urwälder und damit sein Zuhause unterSchutz stellt.

Sonntag Nachmittag haben wir dann im Hotel zusammen gesessen undgemeinsam überlegt, was uns auf dem Herzen liegt, was wir denPolitikern mit auf den Weg geben wollen fü die Konferenz. Ich denke,dass wir ziemlich gut den Gegensatz zwischen den reichenIndustrienationen, die überall auf der Welt Urwälder abholzen und dieMeere leer fischen, und den indigenen Völkern, die im Einklang mit derNatur leben, aufzeigen.

Heute wurde die Konferenz eröffnet und den ganzen Tag saßenDelegierte aller Staaten der Welt zusammen und haben sich erzählt, wasjeder auch so Tolles die letzten zwei Jahre getan hat. Die redeten denganzen Tag und die Hälfte nur, damit man mal etwas gesagt hat. Aber wirkamen und kamen mit unserer Rede für die Kids for Forests nicht dran.Immer wieder wurde unser Termin verschoben bis zum Schluss. SiebenStunden saßen wir in diesem riesigen klimatisierten Raum. Währenddessensind 35 Arten auf dieser Welt ausgestorben. Das kann doch nicht derSinn und Zweck sein.

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Wahrscheinlich werden wirmorgen die Möglichkeit haben, unsere Rede zu halten. Und vielleichtkönnen die Länder sich ja dieses Mal zusammen raffen, so dass doch malangefangen wird, Schutzgebiete für Urwälder und Meere einzurichten.Hoffentlich kann ich euch morgen berichten, wie die Delegierten aufunsere Rede reagiert haben. Drückt uns die Daumen.

Clara

8. Februar, Jakarta, Indonesien

Gelandet. Nach 18 Stunden Flug endlich wieder fester Boden unter denFüssen. Am Flughafen von Jakarta: totales Chaos. Es wimmelt vorMenschen, alle paar Sekunden zupft mich jemand Ärmel- "Taksi"?

Wie soll ich hier Agus finden, der mich und mein ganzes Gepäckabholt? Ich bin mal wieder schwer beladen. Außer den heiß ersehntenGummibärchen für die Schiffscrew, und meinem persönlichen Gepäck, istauch das Videofon dabei - ein Satellitentelefon, mit dem auch Bilderübertragen werden können. Mit dieser Ausrüstung kann ich von Bord derRainbow Warrior, mitten im Pazifik, fernab jeglicher Zivilisation,Life-Interviews geben.

Die Rainbow Warrior ist unterwegs in Südostasien - wir kämpfen fürden Erhalt des drittgrößten tropischen Regenwaldes, einem der siebennoch existierenden Urwälder der Erde. Er ist Lebensgrundlage für 50Millionen Menschen, Heimat für Orang-Utan und Königstiger.

Doch die Wälder in Südostasien sind bedroht. Auch hier treibt dieHolzindustrie ihr Unwesen, ist komplett außer Kontrolle geraten. Rund80 Prozent des Holzes werden illegal eingeschlagen. Keines der großenindonesischen Schutzgebiete ist frei von illegalem Holzeinschlag. Esist gefährlich für Greenpeace, sich in dieser Gegend auf zu halten. Diepure Präsenz des Greenpeace Schiffes provoziert die Holzindustrie.

Endlich sehe ich Agus im Gewimmel. Hatte schon gedacht, er kommtnicht mehr. Als wir aus dem Flughafengebäude kommen, hängen schwere,schwarze Wolken am Himmel. Wir schaffen es gerade noch zum Auto, danngeht es los. Blitze zerreißen hell leuchtend den Himmel, einNaturschauspiel über der Zehn-Millionenstadt Jakarta.

Wir stecken im Verkehr fest, brauchen über eine Stunde in die Stadt.Keine Seltenheit in Jakarta, wie ich in den nächsten Tagen feststelle.Mir fallen die vielen großen, neuen Autos auf, fast alles Minibusse -wie in den USA. Es gibt kaum alte verrottete Autos, die vollgepackt mitMenschen wären. Als ich nachfrage sagt Agus: "Jakarta ist eine Stadtder Gegensätze. Die Reichen sind ganzreich und die Armen können sichkein Auto leisten, nicht einmal ein altes."

Seit gut zwei Wochen ist die Rainbow Warrior, das Wahrzeichen vonGreenpeace, im Pazifik unterwegs. Es geht um den Schutz des Urwaldes inIndonesien, Malaysia, Papua Neuguinea, den Salomoninseln. An Bord: Rund25 Greenpeacer aus 15 verschiedenen Ländern, Fotograf, Kameramann,Journalisten, Vertreter lokaler Umwelt- undMenschenrechtsorganisationen.

Ziel der Expedition ist es, illegalen Holzeinschlag auf zu decken,den Menschen, die vom Wald leben zu zuhören und den lokalenOrganisationen eine Stimme zu geben. Aktionen im klassischen Stil sindhier kaum drin. Eine Aktivistin, die seit vielen Jahren in Indonesienlebt, sagt, dass diese Tour ein Meilenstein ist. Greenpeace ist zumersten Mal in dieser Region mit einem internationalen Team präsent, wirmüssen vorsichtig sein, die Holzfäller kennen keine Skrupel, einMenschenleben ist billig.

Ich bekomme einen Anruf: mein Kollege, Martin Kaiser, ist in KualaLumpur, Malaysia, angekommen. Er wird in den nächsten zwei Wochen miteiner internationalen Greenpeace Delegation auf der Konferenz zumSchutz der Wälder und Meere für den Erhalt der letzten Urwälder dieserErde kämpfen. Auf der 7. Vertragsstaatenkonferenz der CBD (Conventionon Biological Diversity) treffen sich die Regierungen der Welt, um überder Erhalt der Artenvielfalt zu reden.

Unsere Delegation wird sich dafür einsetzen, dass nicht nur geredetwird, sondern dass die Regierungen endlich wirksame Maßnahmenergreifen, um den Trend des Artensterbens auf zu halten: Wir brauchenein funktionierendes Netzwerk von Schutzgebieten, es darf nicht mehrüber die Köpfe derer, die im und vom Wald leben hinweg entschiedenwerden. Um die Wälder und Meere als Lebensraum zu erhalten, brauchenwir aber vor allem Geld - 25 Milliarden Euro weltweit, jedes Jahr. Dassmuss der Erhalt des Lebens auf diesem Planeten auch der deutschenBundesregierung wert sein.

Sandra

8. Februar, Global Rescue Station, Tasmanien

Hejho... ich liege gerade in unserer Hängematte und schwinge voneiner Seite zur anderen, während ich mein Weblog schreibe. Die Sonnescheint und Scott sowie der Rest, versuchen das Banner für die CBD(Conference of bioversity) zu hängen. Sie fängt Morgen an und geht biszum 20. Februar. Hoffentlich mit positiven Ergebnissen für denweltweiten Schutz unserer Urwälder und Meere!

Bannerhängen ist heute kein leichter Job. Es herrscht starker Wind,der immer wieder auffrischt, wenn sie versuchen das Banner zu hängen.Doch jetzt sieht es ganz gut aus und wir können gleich ein paar guteFotos machen.

Es ist jetzt halb Fünf und wir hatten heute viele Besucher am Boden,wie jedes Wochenende. Wir können sie nur von oben sehen. Sie schauenwie Ameisen aus, die kommen und gehen.

Es tut gut, dass sich so viele Menschen aufmachen den Wald undunseren Treesit zu besuchen. Und dass sie sich unserer Forderunganschließen, dass wir jetzt Handeln müssen, da es sonst zu spät ist.

Montag hat sich ein deutsches Filmteam angekündigt. Sie werden zuuns auf den Baum kommen und wollen auf Film festhalten, was hierpassiert. Sie werden unseren Widerstand zu euch nach draussen in dieWelt hinaus tragen. Hoffentlich ist es Morgen nicht so sürmisch undweiterhin gutes Wetter.

Es fühlt sich so gut an, wie der Baum sich mit dem Wind bewegt. Ganzruhig, wie mit einem Boot in hoher Dünung auf See. Der richtige Tag, umin der Hängematte den Wind zu spüren und Gedanken in die Welt hinaus zuschicken...

Jannik

5. Februar, Kids for Forests bei Bundesumweltminister Jürgen Trittin in seinem Ministerium

Wir erzählten ihm, warum wir ihn besuchen und stellten ihm dasProblem dar: ein Drittel toter, unnützer Beifang bei der Fischerei undalle zwei Sekunden ein zerstörtes Urwaldstück in der Größe einesFußballfeldes - das ist einfach zu viel!

Herr Trittin stimmte uns bei und zählte uns auf, was dieBundesregierung schon alles getan habe - komisch nur, dass dasArtensterben dann immer noch nicht gestoppt ist. Und täglich sterbenimmer noch zig Tierarten aus. Er versprach uns, dass er sich für einweltweites Netzwerk von Schutzgebieten einsetzen werde und das Geldkein Problem sei.

Hoffen wir mal, dass es nicht wieder bei Versprechungen bleibt unddass es auch einen konkreten Fahrplan geben wird, wann was zum Schutzder letzen Urwälder und relevanten Meeresgebiete getan wird. Denn Zielekann sich jeder setzen, sie müssen mit Inhalten gefüllt werden!

Alles in allem ist der Besuch also durchaus positiv zu werten,obwohl er leider noch nicht in allem Punkten mit uns übereinstimmt.Aber wir werden ihn in Malaysia an seine Pflicht erinnern.

Justus

4. Februar, Global Rescue Station Tasmanien

Hej ihr alle da draussen, heute war so ein schöner Tag. Wir hattendie ganze Zeit blauen Himmel und Sonne. Adam meinte, es war der wärmsteTag, seit sie die Plattform gebaut haben...

Gestern habe ich mit Sakyo die Notfall-Verpflegungsbox (oder wie mansie auch immer nennen will?!) auf den neuesten Stand gebracht, um zugucken, ob wir wirklich einen ganzen Monat ohne andere Unterstützungleben können. Wir kamen zu dem Fazit, dass bis auf ein paarKleinigkeiten eigentlich alles da ist und glaubt mir, es war ganz schönschwierig, bei all den leckeren Dingen nicht gleich ein großesAbendessen zu zaubern... Aber Spaß beiseite, wir sind hier wirklich sogut vorbereitet, dass, wenn die Motorsaegen wirklich kommen sollten,wir einen ganzen Monat ausharren könnten und wenn nötig auch länger!

Während ich das hier schreibe sehe ich den Mond in seiner ganzenGestalt. Vollmond, klarer Himmel. Wenn ich mich umdrehe sehe ich, wodie Sonne hinter den Bergen untergegangen ist... Lila... Dunkelrot...Orange und nach oben viele Blautoene. Im Vordergrund diesesunglaubliche Grün vom Urwald, aus dem an vielen Stellen die Gigantenvon Bäumen rausschauen. Dazu diese leicht geschwungenen Bergkonturen umdas ganze Styx-Tal...

Ich sitze mal wieder in meinem Schlafsack, aber diesmal imKrähennest, einer kleinen Plattform aus starken Hölzern mit einem Netzdazwischen. Diese Plattform ist über der eigentlichen GRS in der Spitzedes Baumes verankert, in ~70 Metern Höhe. Habe gerade ein paarLangzeitbelichtungen mit meiner Kamera gemacht, vom Mond und dem Tal.Jetzt hat eine leichte Brise angefangen zu wehen und der Baum bewegtsich leicht dazu... Ich kann das Eukalyptusöl in den Blättern nebenmeinem Gesicht riechen. Im Hintergrund fangen irgendwo im Wald dieOpossums an zu schreien und ein paar Kakadus sind noch wach und ichdenke, dass wir einfach genug Energie haben müssen, diesen Ort vor denMotorsägen zu schützen... Helft uns und erzählt jedem, den ihr trefft,von diesen Verbrechen an der Natur, die hier begangen werden!

Jannik

1. Februar, Global Rescue Station, Tasmanien

Moin, ja jetzt bin ich wirklich angekommen. Nach vier Tagen im Baum mit Regen, Gewitter und Sonne fühle ich mich wie zu hause.

Gestern war ein guter Tag, wir starteten mit Frenchtoast am Morgen(von Sakyo gezaubert) und hatten dann ein paar Besucher auf'm Baum. Wiezum einen Neo, ein Kletterer von 'The Wilderness Society' vomaustralischen Festland. Er war mit auf der Fähre, auf der fünfDletterer den Namen der Betreibergesellschaft (Spirit of Tasmania) mitHilfe eines Banners in 'Woodshipping the Spirit of Tasmania'veränderten. War interessant die Story aus erster Hand zu hören.

Wir können außerdem einen neuen Kletterer in unserem Kreis begrüßen,Scott. Er ist Australier und arbeitet sonst als Baumpfleger auf'mFestland und ist unser neuer Sicherheitsspezialist. Er kam als Ersatzfür Will, der wieder zurück auf's Festland gefahren ist. Will war seitAnfang November im Styx Valley und hat mitgeholfen die Plattform zubauen.

Scott scheint ein ziemlich guter Kletterer zu sein. Wir habengestern zusammen alle Knoten und Ankerpunkte kontrolliert, um diePlattformen weiterhin sicher zu halten. Hat Spass gemacht mit ihm zuarbeiten, netter Mensch, wie alle hier. Außerdem war das Wetterziemlich gut, die Sonne schien und es war so warm, dass ich den starkenRegen heute gar nicht fühle, fast nicht.

Der gestrige Tag verabschiedete sich dann noch mit meinem erstenrichtigen:) Sonnenuntergang. Der ganze Himmel fing an zu brennen ...und danach zauberte ein kurzes Gewitter weiter entfernt, kleine Blitzean den vom Mond beschienen Himmel ...

keep on fighting

Jannik

30. Januar 2004, Styx Valley, Tasmanien

Jannik's erster Tag im Baum

Regentropfen fallen auf meinen Helm, ...plop, plop, plop, ... alsich das erste Mal zur "Global Rescue Station" hochklettere. Hier binich nun auf 65 Metern über dem Boden, auf einem der größten Bäume derWelt.

Ich kann das ganze Styx Valley sehen, wenn ich mich um mich selbstdrehe, gigantisch. Überall diese großen Bäume, im Hintergrund fliegenweisse und schwarze Kakadus vorbei. Und die eigentlich metergroßenFarne erscheinen von hier oben, wie geschrumpft und klitzeklein.

Doch kann man von hier auch die Kahlschlagflächen sehen,niedergebrannte Stücke von diesem so einzigartigen Urwald ... das machtmich traurig und wütend zur selben Zeit.

Dann erinnere ich mich aber an alle diese guten Menschen, die ichseit meiner Ankunft kennengelernt habe und das tut gut. Ich bingespannt, was die nächste Zeit bringt.

Es beginnt langsam dunkel zu werden ... knipse meine Stirnlampe an.Nur ein kleines Licht auf einem großen Baum in Tasmanien. Ihr könnt esnicht sehen, aber ich erzähle es euch, wie so Vieles in der kommendenZeit.

Jetzt krabbele ich aber erstmal in meinen Schlafsack. Träumt was Gutes.

Jannik

No compromises in defense of mother earth!

29. Januar 2004, Hamburg/Tasmanien

Wir haben Florian ein paar Fragen zu seiner Zeit in Tasmaniengestellt. Er hat die "Global Rescue Station" im Januar 2004 verlassen.

Wie bist du nach Tasmanien gekommen?

Greenpeace Australia Pacific hat sich in einer bisher einmaligenKampagne mit der australischen Umweltschutzorganisation 'The WildernessSociety' zusammengeschlossen. Ziel ist es, dass dem unverantwortlichenUmgang mit Tasmaniens letzten Urwäldern international Beachtunggeschenkt wird.

Die letzten 13 Prozent dieser Urwälder sind zur Rodung freigegeben.Deren Holz wird vorwiegend für Holzchips zur Papierherstellung für diejapanischen Firmen Oji, Nippon und Mitsubishi verwendet. Und das,obwohl es Alternativen wie Plantagen und FSC-zertifizierte Holznutzunggibt.

Um diese Tatsachen bekannt zu machen, haben Greenpeace AustraliaPacific und The Wilderness Society in einem der bedrohten Waldstückedie "Global Rescue Station" aufgebaut. Auf einem der ältesten Baume -der Art Eucalyptus regnans - wurde Anfang November 2003 auf 65 MeterHöhe eine Plattform errichtet. Mittels Satellitentelefon undInternet-Tagebuch berichten Aktivisten internationalen Interessentenund Pressevertretern fast täglich von ihrem Leben und ihrer Arbeit imWald.

Wie war deine Ankunft in Styx Valley?

Ich hatte schon viel von der Schönheit Tasmaniens und dessen Wälderngehört und hatte Fotos von dort gesehen. Doch die Wirklichkeit übertrafjede Vorstellung. Als ich ankam und von der Landstrasse in den Waldeinbog, erschlug mich der Wald förmlich. Von der Straße hatte ich nichtden Eindruck, mich durch etwas derart Einzigartiges zu bewegen. Nichtweit von dort ist der Wald als Unesco-Weltnaturerbe anerkannt.

Aber sobald ich die Straße verliess, mich auf einem kleinenTrampelpfad in das sprichwörtliche Dunkel des Waldes hineinbegab, wurdedie Schönheit und Einzigartikeit offensichtlich. Ich musste mich unterriesigen Baumwurzeln durchbücken, über umgefallenen Bäume klettern,bewegte mich unter zwei Meter hohen Farnbäumen hindurch. Und immerwieder stieß ich auf einen dieser letzten riesigen Eukalyptus-Bäume:Bis zu 90 Meter hoch, einem unteren Stammdurchmesser von vier Metern.Riesig, gewaltig und beeindruckend und bis zu 400 Jahre alt. Und alleslebte.

Aus umgefallenen Bäumen sprießen neue Pflanzen, junge Bäume reckensich auf entstandenen Lichtungen nach der Sonne. Selbst aus Astgabelnhoch oben wachsen kleine Bäume. In den Astlöchern der alten, teilweisemorschen Bäume brüten Vögel und Kakadus, welche sich anderswo nichtniederlassen würden.

Was hast du als erstes gemacht als du im Camp ankamst?

Im Basecamp, am Fuße "unseres" Baumes begrüsste ich die anderenAktivisten. Fünf Australier und natürlich Sakyo, ein Japaner, der schonseit November dort ist. Gleich darauf musste ich jedoch aus Neugier aufdie Plattformen der "Gobal Rescue Station" hinaufklettern, welche wirmeist einfach nur "Station" genannt haben.

65 Meter sind schon sehr hoch. Trotz einer Kletterausbildung kostetes einige Überwindung, sich oben auf der Station zu bewegen. Undbesonders beim ersten Mal muss man sich schon überwinden um wiederherunterzukommen und sich abzuseilen. Die Aussicht ist wunderschön, imLaufe des Aufstiegs bin ich aus der ersten niederen Walddeckeherausgeklettert. Dort oben sind dann nur noch diese riesigen Bäume.Doch trotz ihrer gewaltigen Grösse schaukeln sie im Wind. Es dauerteseine Zeit, bis ich mich an dieses mulmige Gefühl gewöhnt hatte.

Wie sah dein Alltag in 65 Metern Höhe aus?

Jeden Tag gab es eine Menge verschiedener Aufgaben zu erledigen. Ichhabe mich insbesondere um die Sicherheit der Plattformen und derKletterer gekümmert. Also wurden regelmäßig die Befestigung allerPlattformen und Seile geprüft, nachgebessert und bisweilen ausgetauscht.

Mehrmals täglich kamen Touristen aus ganz Australien und Tasmanienin den Wald. Sie wollten sich umschauen, informieren und erfahren, wiees mit dem Wald weitergeht. Und wie es uns dort so ergeht. Wir bautenalso einen Informationstand für Touristen mitten im Wald auf, der immerbesetzt werden musste. Außerdem musste immer jemand in der Nähe desSatellitentelefons sein, falls die Presse anrief.

Rund um die Uhr war jemand auf der Station. Wir konnten ja nichtwissen, ob plötzlich die Holzfäller und die Polizei kommen würden, umuns zu räumen und um die Bäume zu fällen.

Oben auf der Plattform schrieben wir jeden Tag Internet-Tagebuch.Außerdem verbrachten wir viel Zeit damit, mit Hilfe unserer Solarpaneleund des kleinen Generators unsere Technikausrüstung funktionsfähig zuhalten.

Im Basecamp wurden zusätzlich die alltäglichen Aufgaben erledigt:Essen gekocht, die Trampelpfade überarbeitet, Schilder aufgehängt,Touristen herumgeführt, Vorräte besorgt und Wasser aus demnaheliegenden Fluss geholt. Häufig blieben Menschen für einige Tage beiuns im Wald, halfen uns bei der Erfüllung der Aufgaben oder brachtenuns - wie an Weihnachten - Kuchen und Obst.

Gibt es etwas, was dich besonders beeindruckt hat?

Die Nähe zu den Menschen und deren Unterstützung, die täglichenE-Mails von Unterstützern aus der ganzen Welt bedeuteten uns sehr viel.Jeden Tag vermittelten uns die Menschen das Gefühl etwas Wichtiges zutun. Besonders wichtig war das für uns an kalten und regnerischen Tagen- von denen es auch sehr viele gab.

Gab es Freizeit und wie sah sie aus?

Immer mal wieder gab es einige Stunden, in denen es keine dringendenArbeiten zu erledigen gab. Manchmal nutzten wir die Zeit, um wenigerErfahrenen und Neuen Klettern beizubringen oder selber neue Technikenzu lernen. Oft jedoch saßen wir gemeinsam im Basecamp oderzurückgezogen in unseren Zelten, um zu lesen oder Briefe zu schreiben.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Eye On The Taiga

Wie die angeblich "nachhaltige Forstwirtschaft" der Industrie in Russland die großen Wälder des Nordens zerstört. (Englischsprachiger Report.)

Mehr zum Thema

Alle Maschinen auf Stopp

Seit Jahren kämpft Greenpeace für den Schutz des Bialowieza-Urwalds in Polen, nun der Erfolg: Der Europäische Gerichtshof entschied, dass die Abholzungen in dem Wald illegal waren.

Macht der Einbildung

Ein Greenpeace-Report aus Brasilien zeigt, wie fiktive Baumbestände, von der Industrie ausgedacht, illegalen Holzhandel verdecken. Ein Systemfehler, der das Amazonasgebiet bedroht.

Mit dem Leben bezahlt

Holz aus dem Amazonas ist begehrt – so sehr, dass Firmen dafür buchstäblich über Leichen gehen. Ein aktueller Greenpeace-Report zeigt: Das blutige Holz landet sogar in Deutschland.