Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Ein Sieg für die Deni-Indianer

Im Herzen des Amazonas-Regenwalds hat die offizielle Demarkierung des Deni-Landes durch die brasilianischen Behörden begonnen. Eine sichtbare Grenze mit klarer Kennzeichnung wird 1500 Quadratkilometer des Indianerlands umfassen und soll es so vor den zerstörerischen Machenschaften der Holzindustrie schützen. Für die Markierung ihrer Grenzen haben die Deni lange gekämpft. Seit etlichen Jahren unterstützt Greenpeace ihr Anliegen.

Das Deni-Land umfasst rund 1,5 Millionen Hektar im Südwesten Brasiliens. Die knapp 700 Menschen leben weitab von der Außenwelt in Gruppen oder Clans im und vom Regenwald, ohne ihm zu schaden. Sie vermeiden jede Zerstörung der Umwelt und pflegen eine nachhaltige Lebensweise.

Ihr Kampf um den Regenwald begann in den achtziger Jahren. Die ständig wachsende Gefahr, die den indigenen Völkern von den internationalen Holzkonzernen drohte, bewog die Deni damals zu ersten Demarkierungsmaßnahmen. Um allerdings staatlich anerkannt zu werden, mussten die Grenzen sowohl aus der Luft als auch von Land und Wasser aus klar erkennbar sein. Die brasilianische Regierung aber ließ die Deni im Stich. Fast 20 Jahre lang warteten sie vergeblich auf Anerkennung und Hilfe.

Mittlerweile war ein Teil des Deni-Landes ohne ihr Wissen von dem lokalen Patron Mario Moraes an das malaysische Holzunternehmen WTK verkauft worden. Die Abholzung des Waldes für Sperrholz konnte tagtäglich beginnen. Greenpeace erfuhr 1999 von dem illegalen Verkauf und benachrichtigte die Deni.

Zwei Jahre lang hielten die Deni und Greenpeace Kontakt, dann starteten sie ein gemeinsames Markierungsprojekt. Im September und Oktober 2001 schlugen die Indianer und ein Team mit Greenpeace-Aktivisten aus acht Ländern eine 53 Kilometer lange Schneise als Grenzstreifen in den Dschungel. Zusätzlich wurden 218 Kilometer Grenze an Bächen und Flüssen mit Schildern markiert: Betreten verboten - Deni Land.

Greenpeace forderte außerdem WTK auf, ihr Abholzungsprojekt einzustellen und die Rechte der Indianer anzuerkannen. Die Kampagne gegen das malaysische Unternehmen hatte Erfolg. Die britischen Importeure, Hauptabnehmer des Amazonas-Sperrholzes, kündigten die Verträge auf. Damit war der britische Markt für WTK geschlossen. Das Unternehmen willigte ein, das Deni-Territorium zu respektieren und den Demarkationsprozess nicht anzufechten.

Am 9. Oktober 2001 erkannte die brasilianische Regierung das Recht der Deni auf ihren Wald an und verpflichtete sich, die begonnene Markierung abzuschließen. Nach weiteren zwei Jahren macht sie damit jetzt endlich Ernst. Der Beginn der offiziellen Demarkation ist ein historischer Moment für Greenpeace und für die Deni, sagte Greenpeace-Waldexperte Paulo Adario. Wir sind glücklich - und die gesamte Organisation kann stolz sein auf das, was erreicht worden ist. Wir danken allen, die dabei geholfen haben!

Weiterführende Publikationen zum Thema

Factsheet: Palmöl aus Indonesien

Palmöl steckt in etwa jedem zweiten Produkt, das man im Supermarkt kaufen kann. Das fettige Gold findet sich in zahlreichen Haushalts- und Pflegemitteln, in Seifen und Kerzen. Doch die Produktion dieses Alleskönners hat einen hohen Preis.

Mehr zum Thema

Eiscreme ohne Urwaldzerstörung

Hinter vielen Alltagsprodukten stecken Kinderarbeit, Ausbeutung oder gerodete Wälder. Damit muss Schluss sein, fordert Greenpeace als Teil der Initiative Lieferkettengesetz.

Gen-Soja gegen Gürteltier

Der Cerrado ist die artenreichste Savanne der Welt. Noch. Denn riesige Agrarbetriebe zerstören das brasilianische Ökosystem für ihre Profite.

Die Welt hält den Atem an

Über 70.000 Brände wüten derzeit in Brasilien. Besonders schwer betroffen ist Amazonien. Unser Kollege Oliver Salge hat mit uns direkt aus São Paulo gesprochen.