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Drei Fliegen mit einer Klappe: Wald-, Klima- und Karibuschutz

Fleißige Greenpeace-Aktivisten haben im Juli 2009 in Quebec/Kanada dem Ministerium für Naturschutz einen Riegel vorgeschoben. Zunächst statteten sie Kanadas zerstörerischstem Holzhändler AbitibiBowater einen Besuch ab. Dort liehen sie sich einige Holzpfähle aus, mit diesen wurden dann kurzerhand die Türen des Ministeriums dicht gemacht. Damit protestieren sie gegen ein Gesetz, dass zur weiteren Zerstörung der kanadischen borealen Urwälder betragen würde.

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Es hat einen Grund, dass die Pflöcke mit denen die Türen des Ministeriums verriegelt wurden, gerade von der Firma AbitibiBowater geliehen wurden. AbitibiBowater ist die größte und damit auch gleichzeitig zerstörerischste Holzeinschlagfirma Kanadas. Damit ist der Konzern wesentlich an der Zerstörung der borealen Wälder beteiligt.

Ebenso begründet ist der Zeitpunkt der Aktion. Beim Ministerium für Naturschutz liegt ein neues Gesetz zur Prüfung auf dem Tisch. Das brisante Papier sieht eine intensivere Waldnutzung vor. Auf Deutsch: Wird das Gesetz wie geplant im Herbst verabschiedet, wird auch der Rest des noch intakten Waldes platt gemacht. Das hätte fatale Folgen - für die borealen Wälder, das Klima, unzählige Tierarten und vor allem das Waldkaribu.

Diese Rentierart ist akut vom Aussterben bedroht. Bisher konnte es mit der Rodung noch einigermaßen mithalten. Das heißt, die Tiere siedelten in noch intakte Waldgebiete um. Doch nun wird es eng. Werden auch die letzten noch intakten borealen Wälder zerstört, gibt es für das Waldkaribu keine Fluchtmöglichkeit mehr. Dann können wir uns glücklich schätzen, wenn wir das schöne Tier vielleicht noch in irgendeinem Zoo bewundern dürfen.

So sollte Kanada die Urwälder schützen, statt ihre weitere Zestörung zu genehmigen. Mit dem Schutz könnte Kanada eine Voreiterrolle einnehmen. Denn auch in anderen Teilen der Erde bedroht die Entwaldung unser Klima und damit uns alle.

Greenpeace-Waldexperte Oliver Salge: "Die weltweite Entwaldung muss endlich gestoppt werden. Ob Kanada, Indonesien oder Brasilien: Unsere letzten Urwälder speichern viele Milliarden Tonnen CO2. Mit ihrer Zerstörung vernichten wir auch gleichzeitig unsere Chancen, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen."

Kanadas boreale Urwälder stellen den größten terrestrische Kohlenstoffspeicher der Erde dar. Während profitgierige Holzfirmen diese Wälder zerstören, wird mehr und mehr CO2 frei. Damit ist ein gefährlicher Kreislauf in Gang gesetzt. Das CO2 heizt den Klimawandel weiter an und der Klimawandel setzt den weltweiten Urwäldern neben der Rodung weiter zu.

Bleibt zu hoffen dass Kanada sich noch einmal überlegt welche Rolle es bei der Bekämpfung des Klimawandels einnehmen möchte. Mit einem Schutz der borealen Wälder statt dem Freibrief für ihre Zerstörung ließen sich mindestens drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Der Wald, das Klima und das Karibu würden geschützt.

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