Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Amazonien: Anbaustopp für Soja bewährt sich

Es bleibt dabei: Die großen brasilianischen Sojahändler kaufen kein Soja von neu gerodeten Amazonas-Urwaldflächen. Das haben sie anlässlich des aktuellen Berichts der Soja-Arbeitsgruppe (GTS) noch einmal bekräftigt. Dem Bericht zufolge haben einige Farmer in der Saison 2008/2009 das Sojamoratorium gebrochen. Sie könnten jetzt auf ihrer Ernte sitzen bleiben.

  • /

Paulo Adario, langjähriger Koordinator der Greenpeace-Urwaldkampagne in Brasilien, begrüßte auf einer Pressekonferenz die Entscheidung. Die Sojahändler stünden zu ihrer Verpflichtung, sowohl was den Anbaustopp betreffe als auch ihren Kunden und den Verbrauchern gegenüber. Sie alle wollten nicht mit Urwaldzerstörung in Verbindung gebracht werden.

Die Händler hätten ein klares Signal an die Betrüger ausgesandt, sagte Adario. Wer das Moratorium missachtet hat, bezahlt jetzt dafür: durch Einkommensverlust und erschwerten Marktzugang. Jetzt gilt es, diese Leute ausfindig zu machen und von ihrer Versorgungskette abzuschneiden.

Sojaanbau und Urwaldzerstörung hängen eng zusammen. Soja spielt vor allem in Europa eine Rolle als Tierfutter in der Massentierhaltung. Entsprechend groß ist die Nachfrage, entsprechend groß auch der Profit. Um neue Anbauflächen zu gewinnen, wurde daher in Amazonien immer mehr Urwald gerodet.

2006 gab Greenpeace eine Untersuchung heraus, die den Zusammenhang zwischen Sojaanbau und Urwaldrodung direkt beleuchtete. Sie brachte den Durchbruch für eine langjährige Kampagne zum Schutz des Urwalds. Der Verband der brasilianischen Sojahändler (Abiove) stimmte einem Moratorium zu. Zwei Jahre lang nahmen sie keine Soja mehr ab, die auf neu gerodeten Urwaldflächen gewachsen war. Die brasilianische Regierung unterstützte den Anbaustopp. Im Juni 2008 wurde er um ein weiteres Jahr verlängert.

Die Soja-Arbeitsgruppe (GTS) überprüft, ob das Moratorium eingehalten wird. In ihr sind die großen Sojahändler ebenso vertreten wie Nichtregierungsorganisationen (NGO). Vertreter der Unternehmen Bunge, Cargill, ADM and Amaggi sitzen neben Vertretern von Greenpeace, Conservation International, TNC, IPAM und WWF. Die Kontrolle erfolgt über ein satellitengestütztes System. Für die Anbausaison 2008/2009 ergab sie, dass 12 von 630 neu entwaldeten Gebieten für den Sojaanbau genutzt wurden.

Die Zerstörung der tropischen Regenwälder ist nicht nur ein immenses Problem für die Artenvielfalt auf der Erde. Auch der Klimawandel wird durch die Entwaldung - oft in Form von Brandrodung - angeheizt. Fast 20 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes gehen auf Urwaldzerstörung zurück. Brasilien ist allein durch die Entwaldung des Amazonasurwalds zum viertgrößten CO2-Verursacher der Welt aufgestiegen.

Mehr zum Thema

Indigene in Gefahr

Greenpeace dokumentiert die Rodung im Amazonas in Brasilien. Die Zerstörung in Indigenen-Gebieten hat um 60 Prozent zugenommen. Besonders betroffen ist das Land der Ituna-Itatá.

„Dramatische Lage in Manaus“

In Brasiliens Urwaldstadt Manaus sterben die Menschen wie die Fliegen, der Amazonas wird trotzdem gerodet. Naturschützer Thomas Gernot gibt Einblicke in ein verzweifeltes Land.

Gen-Soja gegen Gürteltier

Der Cerrado ist die artenreichste Savanne der Welt. Noch. Denn riesige Agrarbetriebe zerstören das brasilianische Ökosystem für ihre Profite, zeigt ein neuer Greenpeace-Report.