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Amazonas: Rinderzucht vernichtet den Urwald

Der weltweit steigende Fleischkonsum hat dramatische Auswirkungen auf die brasilianischen Urwälder im Amazonasgebiet. Das zeigt der aktuelle Geenpeace-Report über die Rinderproduktion im Bundesstaat Mato Grosso. Das Ausmaß der Zerstörung durch die Rodung des Regenwaldes für die Rinderzucht ist jetzt auch auf Google Earth zu sehen.

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Brasilien besitzt mit knapp 200 Millionen Tieren die größte kommerzielle Rinderherde der Welt. Und die Regierung ist weiterhin auf Expansionskurs: Bis 2018 soll der Anteil der Fleischexporte verdoppelt werden. Das Land im Amazonasgebiet ist billig für die Züchter. Rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen dienen inzwischen als Rinderweiden. Zwischen 1996 und 2006 wurden dort 10 Millionen Hektar Urwald für die Rinderproduktion vernichtet. Das entspricht ungefähr der gesamten Waldfläche Deutschlands.

"Die Satellitenbilder zeigen, wie der Urwald von den Rindern regelrecht aufgefressen wird", sagt Tobias Riedl, Waldexperte von Greenpeace. "Dieser Wahnsinn muss sofort gestoppt werden, andernfalls hat es katastrophale Folgen für das weltweite Klima und den Erhalt der Artenvielfalt."

Nach Schätzungen von Wissenschaftlern sind in den Wäldern des Amazonasgebietes 80 bis 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Die Zerstörung des Waldes würde dem 400-fachen Jahresausstoß an Treibhausgasen in Deutschland entsprechen. Schon jetzt ist Brasilien der viertgrößte Klimaverschmutzer der Welt. Rund 75 Prozent der brasilianischen Treibhausgasemissionen stammen aus der Zerstörung der Wälder.

Allerhöchste Zeit also, die Notbremse zu ziehen. Die einmalige Chance dazu gibt es auf der Klimakonferenz in Kopenhagen. Politiker aus der ganzen Welt werden dort im Dezember 2009 über Maßnahmen zum Klimaschutz verhandeln. Eine wichtige Rolle auf dieser Konferenz spielt die Debatte darüber, wie der Schutz der Wälder finanziert werden kann.

Nach Schätzungen der Weltnaturschutzunion (IUCN) werden für den Erhalt der Urwälder 30 Milliarden Euro jährlich benötigt. Greenpeace fordert daher die Einrichtung eines internationalen Urwaldschutzfonds, der von den Industrienationen gespeist werden soll.

"Bundeskanzlerin Angela Merkel muss die von ihr angekündigten Gelder sofort in den Urwaldschutz investieren und zudem massiv erhöhen", so Riedl. Auf der Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD) in Bonn im Mai 2008 hat die Kanzlerin versprochen, bis 2012 zusätzlich 500 Millionen Euro für den Urwaldschutz bereitzustellen.

Um sich die Internetkarte ansehen zu können, benötigen Sie Google Earth. Eine Gratisversion zum Herunterladen finden Sie auf der Google Earth-Startseite.

Slaughtering the Amazon from Greenpeace UK on Vimeo.

 

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