Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Adidas: Ein Streifen Hoffnung für den Regenwald

Vor einer Woche erst hatte der Sportschuhhersteller Nike angekündigt, auf Leder aus Urwaldzerstörung zukünftig zu verzichten. Jetzt setzt auch Adidas nach. Allerdings nicht ganz so konsequent wie der Konkurrent. Immerhin: Ein Schritt in die richtige Richtung ist getan.

  • /

Bereits in den vergangenen Wochen berichteten wir über das schlimme Geschäft mit dem günstigen Leder aus Brasilien. Hier wird Tag für Tag Urwald zerstört, um daraus Weideland für Rinder zu machen. Brasilien ist der größte Fleischexporteur der Welt. Alleine zwischen 2002 und 2006 stieg die Anzahl der Tiere im Amazonasgebiet um 14,5 Millionen. Im restlichen Teil Brasiliens dagegen nur um 6 Millionen.

Das hat einen einfachen Grund. Häufig wird der Urwald nämlich illegal, also heimlich, zerstört - nach dem Motto: So viel Wald, das merkt doch keiner! Doch schon im letzten Sommer waren 20 Prozent der ursprünglichen Regenwaldfläche im Amazonasbecken zerstört. Eine Fläche die doppelt so groß ist wie Deutschland!

Neben der Fleischindustrie verdient auch die Schuhindustrie an dem günstigen Neu-Weideland mit. Greenpeace brachte im Juni den Report Slaughtering the Amazon heraus, was übersetzt so viel bedeutet wie Der abgeschlachtete Amazonas. Der Bericht zeigt auf, wie die Kette der Verantwortlichkeit funktioniert: Schuhhersteller wie Timberland oder Clarks, kaufen ihr Leder bei Lieferanten ein, die wiederum mit Schlachthäusern und Gerbereien zusammenarbeiten, die den Amazonas für ihre Rinderweiden abroden.

Nike und Geox sind aus diesem Geschäft schon ausgestiegen und kaufen ihr Leder jetzt woanders.

Auch Adidas will jetzt kein Leder mehr aus Urwaldzerstörung einkaufen. Doch diese Ankündigung alleine bringt nicht so viel, wie Oliver Salge, Waldexperte bei Greenpeace erklärt:

Greenpeace begrüßt zwar den Schritt von Adidas, Lederprodukte abzulehnen, die mit der Zerstörung des Regenwaldes in Verbindung gebracht werden. Dennoch greift die neue Richtlinie in einem wichtigen Punkt zu kurz: Adidas setzt seinen Lieferanten keine Frist zur Beendigung der Urwaldzerstörung. Es ist möglich, dass Adidas immer noch Leder für Sportschuhe von Lieferanten kauft, die die Urwälder für neue Rinderweiden zerstören und einfach bloß Adidas mit Rindsleder aus anderen Gebieten beliefern.

Publikationen

Factsheet: Amazonien - Leder oder Natur

Die Rinderzucht ist mit Abstand der größte Regenwaldvernichter im brasilianischen Teil Amazoniens.Einige riesige Unternehmen sind dabei ausschlaggebend: sie betreiben Schlachthäuser und Gerbereies innmitten des Regenwaldes.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Eye On The Taiga

Wie die angeblich "nachhaltige Forstwirtschaft" der Industrie in Russland die großen Wälder des Nordens zerstört. (Englischsprachiger Report.)

Mehr zum Thema

Kontrolle ist besser

Palmöl des Konzerns Wilmar steckt in etlichen Süßigkeiten. In Zukunft will das Unternehmen garantieren können, dass seine Ware nicht aus Regenwaldzerstörung stammt – dank Technik.

Alle Maschinen auf Stopp

Seit Jahren kämpft Greenpeace für den Schutz des Bialowieza-Urwalds in Polen, nun der Erfolg: Der Europäische Gerichtshof entschied, dass die Abholzungen in dem Wald illegal waren.

Macht der Einbildung

Ein Greenpeace-Report aus Brasilien zeigt, wie fiktive Baumbestände, von der Industrie ausgedacht, illegalen Holzhandel verdecken. Ein Systemfehler, der das Amazonasgebiet bedroht.