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UN-Konferenz: Gute Maßnahmen, kein Geld

Die UN-Artenschutzkonferenz in Kuala Lumpur ist am Freitag mit einem halben Erfolg zu Ende gegangen: Wichtige Maßnahmen zum Schutz der Arten sind beschlossen worden, Umsetzung und Finanzierung bleiben offen. Die dringend notwendigen finanziellen Zusagen der Industrieländer blieben aus.

Derzeit sterben täglich weltweit 150 Tier- und Pflanzenarten aus. Diese beängstigende Entwicklung bis zum Jahr 2010 aufzuhalten, waren die Vertragsstaaten der Konvention über Biologische Vielfalt (CBD) in der malaysischen Hauptstadt angetreten. Was sie beschlossen haben, wird trotz großer Verhandlungserfolge nicht ausreichen, um das Artensterben "deutlich zu verringern".

Die guten Nachrichten zuerst:

Ein Netz von Schutzgebieten soll bis 2010 an Land und bis 2012 in den Meeren eingerichtet werden. Bereits bestehende Schutzgebiete sollen zukünftig besser verwaltet werden. Zwölf Prozent der globalen Landfläche stehen bereits unter Schutz. In zwei Dritteln dieser Schutzgebiete wird immer noch Holz eingeschlagen und gewildert. Illegaler Holzeinschlag und Holzhandel sollen nun unterbunden werden.

Wichtig: Die Beschlüsse der CBD gelten auch für Hochseegebiete außerhalb staatlicher Oberhoheit. Das betrifft 40 Prozent der Erdoberfläche. Die hohe See birgt die besonders artenreichen Kaltwasser-Korallenriffe und Tiefseeberge. Die unterseeischen Lebensräume sind durch die industrielle und oft illegale Fischerei massiv bedroht. Bisher sind nur 0,5 Prozent der globalen Meeresfläche geschützt.

Indigene Völker und lokale Gemeinden sollen nach dem Willen der Delegierten an allen Entscheidungen zur Auswahl und Einrichtung von Schutzgebieten beteiligt werden. Die reichen Industriestaaten sind aufgefordert, ihre Gelder für Entwicklungszusammenarbeit mehr als bisher zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der Arten einzusetzen.

Wermutstropfen

Die meisten Schutzgebiete liegen auf dem Gebiet von Schwellen- und Entwicklungsländern - und die können die Kosten für die beschlossenen Maßnahmen nicht aufbringen. Experten gehen davon aus, dass jährlich zusätzlich 20 Milliarden Euro für Schutzgebiete erforderlich sind. Die Industrieländer, auch die EU, weigern sich aber zu zahlen.

Weitere Minuspunkte: Die Staaten konnten sich nicht auf die volle Anerkennung traditioneller Land- und Nutzungsrechte einigen wie Greenpeace sie gefordert hatte. Und eine verbindliche Verpflichtung, die beschlossenen Maßnahmen umzusetzen, steht aus.

Fazit

"Die Zukunft vieler bedrohter Pflanzen und Tiere steht weiter auf Messers Schneide", so die Bilanz des Greenpeace-Waldexperten Martin Kaiser, der die zweiwöchigen Verhandlungen in Kuala Lumpur verfolgt hat. "Was hier beschlossen wurde, ist eine gut gefüllte Werkzeugkiste zum Schutz der Arten. Wenn die Länder aber kein Geld auf den Tisch legen, bleibt die Kiste zu, dann sind die Beschlüsse wertlos."

Greenpeace fordert die deutsche Regierung auf, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Die Bundesrepublik muss ihre Entwicklungspolitik neu ausrichten und ihren Beitrag für den UN-Umweltfonds (GEF) massiv erhöhen. Die Schwellen- und Entwicklungsländer brauchen Hilfe. Deutschland sollte sich nicht mit einer halben Milliarde Euro pro Jahrzehnt, sondern mit einer Milliarde pro Jahr am Artenschutz beteiligen.

Lesen Sie auch unser Tagebuch für den Urwaldschutz mit Berichten aus Indonesien, Tasmanien und Kuala Lumpur/Malaysia.

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