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Stuttgarter Linienbusse verheizen Urwald

Die Fahrgäste der Stuttgarter Buslinie 42 staunten nicht schlecht: Jugendliche in Orang-Utan-Kostümen unterhielten sich lautstark über den Diesel aus Urwaldzerstörung, der den Bus antreibt. Die Greenpeace-Jugend protestierte damit gegen ein als klimafreundlich propagiertes Pilotprojekt der Stuttgarter Straßenbahnen: Dort fahren vier Busse ausschließlich mit Diesel aus 100 Prozent Palmöl.

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Die wenigsten Stuttgarter wussten von dem Palmöl in den Bustanks, aber erstaunlich viele waren interessiert, berichtet Ivo Bantel von der Greenpeace-Jugend. An zwei Haltestellen konnten sich Passanten an Greenpeace-Ständen über die Folgen des Pilotprojekts für das Klima informieren und eine Protest-Petition unterschreiben.

Wer dann an der Station Olgaeck in den Bus einstieg, wusste beim Anblick der Affen-Kostüme bereits Bescheid – die ahnungslosen Mitfahrer waren durch das Belauschen der Orang-Utans spätestens bis zum nächsten Stop im Bilde.

Das Palmöl stammt aus Indonesien und Malaysia. Dort rodet die Palmölindustrie riesige Urwaldflächen und kohlenstoffreiche Torfmoore, die bei der Umwandlung in Plantagen gigantische Mengen CO2 freisetzen. Die Landrechte der lokalen Bevölkerung werden kaum beachtet, unmenschliche Arbeitsbedingungen sind an der Tagesordnung.

Hersteller des Palmöl-Diesels ist der finnische Mineralölkonzern Neste Oil. Diese Firma behauptet, nachhaltiges Palmöl zu beziehen, obwohl ihr Lieferant IOI nachweislich in illegalen Holzeinschlag, Brandrodungen und Vernichtung von Orang-Utan-Gebieten verwickelt ist. Neste Oil baut aktuell neben seiner Raffinerie in Finnland zwei weitere Großanlagen in Rotterdam und Singapur.

Damit setzt sich Neste Oil mit einem Bedarf von 2,5 Millionen Tonnen an die Weltspitze der größten Palmöl-Abnehmer. Der weltweite Bedarf an Palmöl steigt rapide an, das billige Pflanzenöl wird verwendet für Lebensmittel, Kosmetika, Waschmittel, zur Strom- und Wärmegewinnung und - als Treibstoff.

Palmöl gehört nicht in den Tank, betont Ivo. Wir werden alle Protest-Unterschriften an den Stuttgarter Oberbürgermeister übermitteln und fordern ihn auf, sich für den Klimaschutz und den Erhalt der letzten Urwälder einzusetzen. Das Pilotprojekt Palmöl-Diesel muss gestoppt werden.

Die busfahrenden Orang-Utans und Infostände der Greenpeace-Jugend bilden den Auftakt der Kampagne gegen Palmöl-Diesel. An diesem Tag wurden Unterschriften im dreistelligen Bereich gesammelt. Wer das klimafeindliche Pilotprojekt der Stuttgarter Straßenbahnen stoppen möchte, kann auf der Greenpeace-Homepage weiterhin seine virtuelle Unterschrift abgeben. Die Erfahrung zeigt, dass der Protest Wirkung zeigt: Ein ähnliches Projekt wie in Stuttgart von Neste Oil und einer schwedischen Fährschiff-Gesellschaft musste 2008 aufgrund öffentlicher Proteste abgebrochen werden.

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