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Streitgespräch: Illegaler Holzhandel

Am Anfang steht der Baum - am Ende oft nicht vielmehr als Toilettenpapier. Und dazwischen? Dazwischen finanziert die Abholzung der letzten Urwälder häufig ein anderes, schmutziges Geschäft: den Waffenhandel. Etwa in Liberia, das als Drahtzieher hinter den Bürgerkriegen angrenzender Länder gilt. Der UN-Sicherheitsrat verhängte deshalb am 6. Mai ein Exportverbot für Holz über den westafrikanische Staat.

Fakten, mit denen sich am Dienstag in Bonn-Bad Godesberg eine siebenköpfige Expertenrunde in einem Streitgespräch auseinandersetzte - im Rahmen der Konferenz Rural Livelihoods, Forests and Biodiversity und auf Einladung von CIFOR (Center for International Forestry Research) und Greenpeace.

Handel, eröffnete Dr. Rudolf Luers vom Gesamtverband Holzhandel das Gespräch, ist nur dort möglich, wo Frieden herrscht. Und auch man selbst - als Verband - wolle keine Situation, in der man sich fühlen müsse wie bei der spanischen Inquisition. Gleichwohl hatte Luers am Dienstag einen schweren Stand (Ich bin schlecht vorbereitet). So hatte er zuletzt den fundierten Argumenten von Greenpeace-Waldexpertin Sandra Pfotenhauer wenig entgegenzusetzen.

Pfotenhauer nannte die Fakten: 80 Prozent der Urwälder wurden bereits zerstört, der Rest ist extrem bedroht - vor allem durch den zumeist illegalen Handel mit Tropenholz. Daraus leiten sich die grundsätzlichen Forderungen ab: langfristige Schutzkonzepte, nachhaltige Forstwirtschaft sowie ein Verzicht der Abnehmerländer auf Handelsbeziehungen mit solchen Produzenten, die in illegale Aktivitäten verstrickt sind. Sei es Waffenhandel, seien es Verstöße gegen Grundsätze der Ökologie oder der Menschenrechte. Im Falle Liberias treffen sämtliche Vorwürfe zu, gehen Urwaldzerstörung und Waffenhandel Hand in Hand.

Dass derlei Verstrickungen existieren, wies auch Jean-Jacques Landrot vom Internationalen Tropenholz-Verband ATIBT nicht zurück. Man müsse jedoch "zwischen bad und good guys unterscheiden und letztere gezielt unterstützen, statt alle zu boykottieren. In Liberia etwa seien lediglich fünf von rund 20 Firmen bekannt dafür, dass sie mit den Waffenhändlern zu tun haben. Und: In anderen Teilen Afrikas ist das nicht viel anders - sollen wir etwa alle afrikanischen Produkte verbannen? Die jüngsten Sanktionen gegen Liberia werde ATIBT zwar unterstützen, auch, wenn etwa die bekanntermaßen illegal arbeitende Oriental Timber Corporation (OTC) gar nicht zu den eigenen Mitgliedern zähle. Doch das Problem an sich muss an den Wurzeln und in den Ländern vor Ort angefasst werden.

Dort - darin waren sich alle Teilnehmer einig - sei jedoch beispielsweise die Einführung von Zertifikaten nach Vorbild des FSC-Labels kaum realistisch. Dr. David Kaimowitz (CIFOR): Der größte Teil der verbliebenen Regenwälder befindet sich in von Bürgerkriegen zerrütteten Ländern. Und wo es keine stabile Regierung gibt, können auch keine Zertifikate greifen.

Sanktionen, der Eingriff von außen, resümierte auch Hans Peter Schipulle (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit), sind folglich das einzige Mittel, das bleibt. Doch es seien zu viele Interessen eingebunden - auch die von 240 Millionen Menschen, die mittlerweile in den Waldregionen leben - als dass sich eine schnelle Lösung für das Problem des illegalen Holzhandels finden ließe: Wir haben schon vor 17 Jahren nach Möglichkeiten gesucht, die Fragestellung anzugehen. Längst also sind die Hintergünde offenbar auf allen Ebenen bekannt. Oder, um es mit den Worten Landrots zu sagen: Einige unserer Mitglieder importieren natürlich seit langem Holz aus Liberia - das bestreiten wir gar nicht.

Ein Skandal, resümiert Sandra Pfotenhauer. Es kann nicht sein, dass ATIBT good und bad guys weiterhin mischt und es dabei toleriert, dass das Holz zuvor durch die Hände von Waffenhändlern gegangen ist. Was für eine Art von Verantwortung ist das? Das Anfang Mai verhängte UN-Embargo müsse zum Präzedenzfall werden: Nur so lässt sich etwas ändern - vor Ort und in den Konsumentenländern.

Dem stimmte auch Silas Kpanan'Ayoung Siakor (SAMFU/ Save my Future Foundation, Liberia) zu: Solange der Bedarf besteht, wird in Liberia auch gefällt und exportiert. Ich habe Informationen, nach denen in den vergangenen Wochen - und trotz des Embargos - mehr als 200.000 Kubikmeter Holz ausgeführt wurden.

Glaubt man den Angaben Rudolf Luers, dann endet nur ein geringer Teil dieser Stämme bei deutschen Abnehmern: Wir importieren alles in allem nur einen kleinen Teil tropischer Hölzer und davon lediglich 21 Prozent aus Liberia. Deren Wert: nur 42.000 Euro, sagt Luers. Längst sei der Gesamtverband an einer Zusammenarbeit mit Greenpeace und anderen NGOs interessiert. Dazu ist es aber notwendig, dass diese verstehen, dass auch wir mitunter die Ursprungsländer der Hölzer nicht kennen, die etwa in Nordenham ankommen.

Wo jedoch Luers offenbar den Wald vor lauter Stämmen nicht erkennt, konnte Greenpeace bereits umfangreiche Beweise sammeln und - zuletzt am 5. Mai - eindeutig belegen, dass die ins niedersächsische Nordenham und zum Midgard-Hafen verschifften Hölzer vorwiegend aus Liberia, Kamerun, Gabun oder der Republik Kongo stammen. Eingebunden sind beinahe alle großen deutschen Tropenholz-Importeure: Feldmeyer, Danzer, Wijma, Offermann oder Treemex.

Doch wie schon eingangs erwähnt: Luers war schlecht vorbereitet. Und die Diskussion hat eines mehr als deutlich gezeigt - Handel ist auch sehr wohl dort möglich, wo kein Frieden herrscht.

Ein ausführliches Interview mit Silas Kpanan'Ayoung Siakor (SAMFU/ Save my Future Foundation, Liberia) können Sie hier im Laufe der Woche noch lesen.

Weitere Hintergrundinformationen finden Sie in unseren Factsheets:

Beispiel Liberia: Kalaschnikows gegen Tropenholz (PDF, 210 kb).

Midgard - Deutschlands Tor zur Urwaldzerstörung in Afrika (PDF, 31 kb).

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