Waldschutzgebiete

Die Wälder brauchen unseren Schutz

Jährlich werden etwa 150.000 Quadratkilometer Urwald zerstört - eine Fläche, rund dreimal so groß wie die Schweiz. Schutzgebiete sind dringend erforderlich.

Papier statt Wald?

Ob tropischer Regenwald am Amazonas, Urwald in Indonesien oder die schier endlosen Naturwälder der nördlichen Hemisphäre: Sie alle sind gefährdet.

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Durch die erhöhte Nachfrage nach Ackerland sowie den steigenden Papierverbrauch werden jährlich Hunderttausende Quadratkilometer Urwald dem Erdboden gleich gemacht. Aber auch andere natürliche Wälder – wie etwa die jahrhundertealten Buchenwälder in Deutschland – sind so gefährdete wie schützenswerte Lebensräume. 

Wildnis bewahren, Artenvielfalt und Klima schützen

Es ist höchste Zeit, die kostbarsten Wälder der Erde zukünftig zu verschonen und die übrigen ausschließlich ökologisch nachhaltig zu nutzen sowie das Anpflanzen von Baumplantagen und Monokulturen zu verhindern. Dafür kämpft Greenpeace seit Jahren – und mit Erfolg. Der Einsatz für den Urwaldschutz lohnt sich in vielerlei Hinsicht. Neben eher emotionalen gibt es auch rationale und existenzielle Gründe:

1. Zwei Drittel aller an Land lebenden Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind in Urwäldern versammelt. Besonders die tropische Pflanzenwelt ist eine „Naturapotheke“ von unschätzbarem Wert. Viele Heilmittel wurden bereits entdeckt, die meisten vermutlich noch nicht. Pflanzenwirkstoffe sind auch für die Kosmetikindustrie interessant. Ebenso birgt die Tierwelt noch viele spannende Erkenntnisse für die Wissenschaft.

2. Große intakte Waldlandschaften beeinflussen das Klima lokal und global: Sie mildern extreme Wetterlagen wie Hitze, Frost, Dürre und Sturm, außerdem reinigen sie Luft und Wasser und verhindern Bodenerosion. Reich an Biomasse, nehmen Urwälder besonders viel Kohlendioxid (CO2) aus der Luft auf und erzeugen via Photosynthese Glukose und Sauerstoff. Bei Abholzung oder Brandrodung gelangt ein Großteil des gebundenen Kohlenstoffs als CO2 zurück in die Atmosphäre. Und wo hinterher Wald fehlt, kann kein klimaschädliches Treibhausgas mehr gespeichert werden. Ein Teufelskreis.

Greenpeace-Erfolge im Urwaldschutz

Seit 1991 engagiert sich Greenpeace als Anwalt der Urwälder, protestiert gegen den Raubbau durch verantwortungslose Konzerne, gegen kurzsichtige Politik. Und: präsentiert Lösungen. Eine Auswahl wichtiger Erfolge:

2006 unterzeichneten führende Sojahändler ein Moratorium, zwei Jahre keine Soja von neu gerodeten Urwaldflächen in Amazonien zu kaufen. Das Moratorium wurde seither immer wieder verlängert. In Indonesien weichen Regenwälder für Ölpalmenplantagen. Dort richteten Greenpeace-Aktivisten 2007 und 2009 ein Klima- und Urwaldschutzcamp ein. 2010, nach einer Kampagne gegen den indonesischen Palmöl-Giganten Sinar Mas und seinen Kunden Nestlé kam es zum Bruch der Partner: Nestlé kündigte seine Verträge. Im selben Jahr konnten im finnischen Lappland fast 100.000 Hektar Urwald vor der Säge gerettet werden: Der Lohn für zehn Jahre Hartnäckigkeit. Seit 2016 sind nach fast 20 Jahren Kampagnenarbeit 85 Prozent der bewaldeten Fläche des Great Bear-Regenwaldes vor industriellem Holzeinschlag sicher. 

Deutschland – zurück zum Buchenland

Von Natur aus wäre Deutschland ein Buchenland. Doch Buchenwälder machen nur noch 15 Prozent der Waldfläche aus, und nur rund drei Prozent von ihnen sind geschützt. Seit 2004 gehört der Nationalpark Kellerwald-Edersee dazu. Jahrelang hatten sich Greenpeace und andere Umweltgruppen für das „Reich der urigen Buchen“ eingesetzt. Greenpeace fordert ein Netzwerk von Schutzgebieten mit natürlicher Waldentwicklung, das zehn Prozent der öffentlichen Wälder Deutschlands umfasst.

Urwaldschutz im Alltag

Bewusster Konsum kann Urwälder schützen. Der wichtigste Grundsatz ist, Papier zu sparen. Danach ist Recylingpapier die erste Wahl, auch Hygienepapiere wie Taschentücher und Küchenrolle gibt es aus recyceltem Material. Holzprodukte sollten langlebig sein und das Siegel des FSC (Forest Stewardship Council) tragen – dann stammen sie aus ökologischer, sozial gerechter Waldwirtschaft. Für neue Rinderweiden in Südamerika werden Urwälder gerodet, für den Futtermittelanbau ebenfalls. Also, weniger Fleisch auf dem Tisch schont den Urwald ebenfalls.

 

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Häufig gestellte Fragen

  • Was ist besser: Wald schützen oder Wald nützen?

    Beides ist wichtig und notwendig – hier darf es kein Entweder-Oder geben. Die Nutzung des umweltfreundlichen Rohstoffs Holz ist zwar sinnvoll, forstwirtschaftlich genutzte Wälder können allerdings nicht die gleichen Funktionen erfüllen wie geschützte Wälder, die ihren natürlichen Prozessen überlassen werden. Diese Flächen sind auch als Lernflächen wichtig: Wir sehen dort, wie sich der Wald ohne menschlichen Einfluss entwickelt.

  • Ist Waldschutz möglich? Lohnt sich das Engagement für den Schutz des Waldes?

    Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass der Schutz des Waldes möglich ist - in Deutschland oder anderswo. In Finnland setzte sich Greenpeace mit den Sami-Ureinwohnern beispielsweise über zehn Jahre dafür ein, dass die letzten größeren Urwälder im nordfinnischen Lappland geschützt werden. Erfolgreich. Ende 2010 einigten sich die Sami mit der Regierung auf den Schutz von über 100.000 Hektar Wald.

  • Welches Ziel verfolgt Greenpeace beim Waldschutz?

    Greenpeace setzt sich dafür ein, dass die Waldzerstörung weltweit bis 2020 gestoppt wird, in den Regenwäldern Indonesiens und Brasiliens bis 2015.
    Als Schutzgebiete eignen sich besonders große, intakte Waldgebiete, z.B. im Amazonasgebiet und im Kongobecken: Diese von industrieller Nutzung noch völlig verschonten Gebiete sind besonders wertvoll als Lebensraum für Tiere und Pflanzen und für den Klimaschutz.

  • Waldschutz ist auch in Deutschland Klimaschutz: warum?

    Mit dem Holz wird Biomasse entnommen, die CO2 in Form von Kohlenstoff enthält - der CO2-Speicher wird abgebaut. Da unsere Wälder im Durchschnitt nicht einmal die Hälfte der natürlichen Biomasse aufgebaut haben, kann der Schutz auf 10 % sowie die ökologische Waldnutzung auf 90 % der öffentlichen Wälder zu einer erheblichen Entlastung unserer Atmosphäre führen. Senken wir die Nutzung auf das Niveau von 1990 ab, könnten unsere Wälder bis zu 10 % der industriellen Emissionen kompensieren.

  • Wo stehen wir beim Waldschutz in Deutschland?

    Derzeit sind nur 1,9 Prozent unserer Wälder in Deutschland geschützt: viel zu wenig. Die Bundesregierung hat sich in internationalen Konventionen zu mehr Waldschutz verpflichtet und bereits 2007 mit der Nationalen Biodiversitätsstrategie beschlossen, bis 2020 zehn Prozent der öffentlichen Wälder unter Schutz zu stellen. Seitdem ist wenig passiert, obwohl dies dringend nötig ist: Ökologisch besonders wertvolle, alte Laubwälder sind in Deutschland selten.

  • Forderungen

    • Ein europäisches Urwaldschutzgesetz, das Besitz und Handel von Produkten aus illegalem und nicht-nachhaltigem Holzeinschlag sofort verbietet
    • Abschaffung der gesetzlich vorgeschriebenen Biospritbeimischung in Deutschland
    • Verbot von deutschen Geldern, die – auch indirekt –in Urwaldzerstörung fließen

    Veröffentlichungen zu diesem Thema

    Bahnbrechendes Schutzabkommen

    85 Prozent der bewaldeten Fläche des Great-Bear-Regenwalds sollen in Zukunft vor industriellem Holzeinschlag geschützt werden.