Vernachlässigte Schönheit

Rumäniens wilde Wälder

Raubbau und Missmanagement bedrohen Teile der letzten Urwälder Europas

Am Scheideweg

Schwache Gesetze und lukrative Geschäfte setzen den Wäldern Rumäniens zu. Um den Lebensraum vorm weiteren Schwinden zu bewahren, haben staatliche Vertreter, Experten und Umweltschützer zu Beginn des Jahres eine Deklaration unterschrieben. Sie weist Rumäniens Forstsektor den Weg in die Zukunft: Raubbau und illegale Abholzung sollen endlich der Vergangenheit angehören.

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Im Herzen des Karpatengebirges findet man sie noch, große Teile der verbliebenen Urwälder Europas. Darunter auch einzigartige Buchenurwaldgebiete die von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichnet werden sollen. Diese atemberaubenden Wälder beherbergen eine Artenvielfalt, die weit über die Landesgrenzen hinweg von Bedeutung ist. Mehr als 3000 Tierarten sind auf diese nahezu unangetasteten Wälder angewiesen. Sie sind beispielsweise Lebensraum der größten Braunbärenpopulation Europas. Auch für die Menschen sind diese Wälder unverzichtbar. Jedoch schrumpfen sie seit Jahren – aufgrund lukrativer Geschäfte mit dem Rohstoff Holz. 

Wo es überall hapert

Zu schwache gesetzliche Regelungen, unzureichende Kontrollen und weit verbreitete Korruption bieten den Nährboden  für eine – vielfach illegale – Ausbeutung der Wälder.

Die teils viel zu schwachen Gesetze in Rumänien werden nicht konsequent angewendet, und nicht nur sie. Auch auf Gesetze auf europäischer Ebene trifft das zu, wie die EU-Holzhandelsverordnung.  Die schwache Implementierung in vielen Mitgliedstaaten trägt zusätzlich dazu bei, dass das Raubbauholz vielfach ungeahndet geschlagen und weltweit verkauft werden kann.

Diese illegalen Rodungen stellen ein gewaltiges Problem für Rumänien dar. 2013 und 2014 verschwand unrechtmäßig mindestens eine Million Kubikmeter Holz aus den Wäldern – so viel registrierten zumindest die zuständigen Behörden, die Dunkelziffer liegt sehr wahrscheinlich höher.

Auch neueste Untersuchungen von Greenpeace zeigen, dass die Situation weiterhin dramatisch ist: Offiziell werden mittlerweile rund 100 Fälle von illegalem Einschlag pro Tag registriert. Dennoch gibt es kaum Kontrollen, und selbst wenn ein Verstoß aufgedeckt wird, fallen die Strafen gering aus. Ausländische Unternehmen wie der österreichische Konzern Schweighofer, der größte Nadelholzverarbeiter in Rumänien, werden immer wieder mit illegaler Abholzung in Verbindung gebracht, beispielsweise durch Investigativrecherchen der amerikanischen Umweltschutzorganisation EIA

Dazu kommt, dass selbst Schutzgebiete wie Nationalparks nicht vor Raubbau sicher sind. Oft fehlen Pläne, die sicherstellen, dass zumindest die ökologisch wertvollsten Wälder vor Holzeinschlag geschützt sind. Auch für die Wälder, die im europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 liegen, fehlen vielfach Managementpläne, die die Holznutzung in diesen Gebieten regulieren und dazu beitragen sollen, den ökologischen Zustand dieser Lebensräume zu erhalten.

Runter vom Holzweg

Greenpeace hat eine Vision für Rumänien: Das Land braucht vernetzte Schutzgebiete und Wälder, die schonend und verantwortungsvoll genutzt werden – sowohl in ökologischer als auch in sozialer Hinsicht. Die Waldpolitik in Rumänien darf nicht bleiben, wie sie ist. Die Regierung muss unter anderem

  • verstärkt Aufmerksamkeit auf Naturschutzbelange lenken und insbesondere die verbliebenen Urwälder wirksam schützen,
  • durch abschreckende Strafen und systematische Kontrollen den illegalen Raubbau an den Wäldern beenden,
  • Entwicklungsperspektiven schaffen, insbesondere für die Bevölkerung in ländlichen Regionen.

Behörden müssen die Maßnahmen konsequent und zeitnah umsetzen und endlich Verantwortung für den Erhalt der Wälder Rumäniens übernehmen. Auch Unternehmen sind hier in der Pflicht.

Wie sieht die Zukunft aus?

Ende Februar 2016 fand in Rumänien ein Waldforum statt, bei dem staatliche Vertreter, Umweltverbände, Wissenschaftler, Unternehmen und Journalisten einen gemeinsamen Weg für eine Reform des Forstsektors entworfen haben. Die unterschriebene Deklaration formuliert klare Maßnahmen, wie der Raubbau an Rumäniens Wäldern durch schärfere Gesetze und verbessertes Management schrittweise und systematisch beendet werden kann.

Greenpeace wird die Umsetzung der Deklaration genau beobachten und sich weiterhin für den Schutz der rumänischen Wälder einsetzen – damit auch in Zukunft dieses einzigartige Naturerbe im Herzen der Karpaten erhalten bleibt.

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Häufig gestellte Fragen

  • Was steht in Rumänien auf dem Spiel?

    In den rumänischen Karpaten wachsen große Teile der noch verbliebenen Buchenurwälder Europas. Doch auch wenn sie auf dem Papier geschützt sein sollten, sieht die Realität anders aus. Statt sie wirksam für zukünftige Generationen zu bewahren, werden sie durch das Anlegen von Forststraßen und Holzeinschlag systematisch ökologisch verschlechtert oder gar komplett zerstört.

  • Wie sieht es mit den übrigen Wäldern in Rumänien aus?

    Nicht nur die Urwälder, die nur einen kleinen Teil der Waldfläche Rumäniens ausmachen, sind bedroht. Viele Waldgebiete des Landes werden durch verantwortungslose Forstwirtschaft und unrechtmäßige Fällungen gefährdet. Der illegale Holzeinschlag ist eines der gravierendsten Probleme im Forstsektor – auch in Rumänien.

  • Warum wird der illegale Einschlag in Rumänien nicht verhindert?

    Die Möglichkeiten, illegal Holz einzuschlagen sind vielfältig. So kann Betrug bereits auf dem Papier entstehen, in dem beispielsweise Einschlagsplanungen verfälscht oder nicht aktualisiert werden. Darüber hinaus werden im Wald dann oft mehr Bäume gefällt als die Genehmigung vorsieht. Derzeit fehlen systematische Kontrollen und somit ein Abgleich des erlaubten und tatsächlich erfolgten Einschlages, also bleiben diese Vergehen vielfach ungeahndet.

  • Wie wirkt sich illegale Abholzung aus?

    Die Anzahl der behördlich bekannten Fälle illegaler Abholzung nimmt seit 2009 rapide zu. Sie betrug 2009 noch rund 30 Fälle pro Tag, nach aktuellen Auswertungen behördlicher Daten wurden 2015 täglich knapp 100 Fälle von illegalem Einschlag registriert. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm: Dies zeigt die gigantische Menge von mehr als einer Million Kubikmeter illegal geschlagenen Holzes, die 2013 und 2014 registriert wurde. Betrachtet man nur den Verkaufswert, so entspricht der etwa 52,1 Millionen Euro. Doch viel schwerer wiegt die weitgreifende Zerstörung eines für Mensch und Tier wertvollen Ökosystems. 

  • Forderungen

    • Strenger Schutz der noch verbliebenen Urwälder Rumäniens
    • Konsequente Maßnahmen zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags
    • Umsetzung der Greenpeace-Vision zu Schutz und ökologischer Waldnutzung