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Rettet Rudi - Rentiere on Tour

Im Kellerwald sind am Mittwoch Rentiere gesichtet worden. Augenzeugenberichten zufolge sind sie unterwegs in Richtung Frankfurt/Main. Es handelt sich um verkleidete Greenpeacer der Gruppen Marburg und Frankfurt, die vom 8. bis 15. Dezember zu Fuß quer durch Hessen laufen. Ziel der Ren-Tour ist das finnische Honorarkonsulat in Frankfurt, wo die Aktivisten gegen den Kahlschlag an den finnischen Urwäldern protestieren wollen.

Der Protestlauf steht unter dem Motto Rettet Rudi Rentier. Er wird vom Nationalpark Kellerwald-Edersee über Marburg, Gießen und Friedberg bis zum 160 Kilometer entfernten finnischen Honorarkonsulat in Frankfurt/Main führen. Die Tour informiert über die skandalöse Forstpolitik der finnischen Regierung und lädt die Bevölkerung zu Mitmachaktionen gegen Urwaldzerstörung ein.

Bereits im Vorfeld des Laufs hatten 1.300 Besucher der Urwaldpostämter, eines Projekts der Greenpeace-Gruppen, schriftlich bei den finnischen Vertretungen in Berlin und Frankfurt protestiert.

Zwerge als Helfer

Entlang der gesamten Strecke können sich die Menschen ins Goldene Rentierbuch eintragen. Diese Petition wird dem finnischen Konsul zusammen mit 474 hölzernen Kellerwaldzwergen übergeben. Jeder Kellerwaldzwerg trägt den Namen eines der 474 von Greenpeace kartierten Urwaldgebiete in Finnland.

Die Zwerge selbst wurden während der Greenpeace-Kampagne zur Einrichtung des ersten hessischen Nationalparks von Kindern bemalt. Sie stehen in der Kellerwaldregion als Symbol für den erfolgreichen Schutz eines Teils des Grimmschen Märchenwaldes, des heutigen Nationalparks Kellerwald-Edersee. Nun sollen sie ihre Kräfte für die Rettung der letzten Urwälder Finnlands einsetzen, so Achim Gresser, Sprecher des Greenpeace-Urwaldpostamtes.

Die Regierung leugnet

In Finnland werden keine Urwälder durch Abholzung zerstört, meint Kari Vitie, Vertreter der finnischen Botschaft in Berlin. Zeitgleich schlägt im Norden der staatseigene Forstbetrieb Metsähallitus weiterhin in die Urwälder der Sami, der finnischen Ureinwohner, ein.

Die Sami und die Rentiere bilden seit Jahrtausenden eine Einheit im Urwald, die nun von der staatlichen Forstwirtschaft zerstört wird. Besonders dramatisch ist die Lage in den nordfinnischen Regionen Inari und Sodankylä. Die Sami haben sich bereits an die UN-Kommission für Menschenrechte gewandt, um die weitere Vernichtung von Urwäldern in ihrem traditionellen Lebensraum zu stoppen, so Julian Jaedicke, Sprecher der Greenpeace-Ren-Tour.

Finnlands Urwälder gehören zu den letzten Europas. Sie sind der Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten. Die über hundert Jahre alten Bäume bilden ein perfektes Ökosystem und sind in Europa einzigartig. Doch trotz der immensen Bedeutung sind sie noch immer nicht ausreichend geschützt und werden weiterhin zerstört. Weltweit größter Importeur von finnischem Zellstoff und dadurch mitverantwortlich ist Deutschland.

Sofortiger Einschlagstopp

Greenpeace fordert von der finnischen Regierung den sofortigen Einschlagstopp in den kartierten Urwaldgebieten. Der staatseigene Forstbetrieb Metsähallitus muss die Wälder künftig nach den Standards des Weltforstrates (FSC) bewirtschaften. Damit soll ein weltweit glaubhafter Nachweis für ökologische und sozialverträgliche Waldwirtschaft erbracht werden.

Ebenso ist die finnische Regierung aufgefordert, ihre Verpflichtung aus der UN-Konvention über Biologische Vielfalt (CBD) zu erfüllen und die Urwälder offiziell unter rechtlichen Schutz zu stellen.

Das Greenpeace-Urwaldpostamt wird im Internet unter www.urwaldpostamt.de laufend aktualisiert über die Ren-Tour berichten. (ang)

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