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Patagonien: Gletscherschwund und Kahlschlag

Am Ende der Welt hat der Countdown für eine Reise besonderer Art stattgefunden: eine Greenpeace-Tour durch die gefährdete Natur Patagoniens. Am 8. Januar ist es im südchilenischen Punta Arenas losgegangen. Ziele der Expedition werden unter anderem die Nationalparks Torres del Paine in Chile und Los Glaciares in Argentinien sein.

Patagonien, nach Feuerland der südlichste Zipfel des amerikanischen Kontinents, gilt Reisenden als eine Region von atemberaubender Schönheit. Eine wilde und schroffe Landschaft, kaum von Menschen bewohnt. Riesige Eisfelder bedecken die Gipfel der Anden. In Patagonien befinden sich die größten Eismassen der südlichen Erdhalbkugel außerhalb der Antarktis. Im chilenischen Teil Patagoniens stehen auch die letzten Regenwälder der südlichen Hemisphäre mit ihrem unersetzlichen Artenreichtum.

Doch die weitgehend unberührte Natur ist durch Klimawandel und industrielle Projekte bedroht. Atemberaubend ist mittlerweile auch das Tempo, in dem die gewaltigen patagonischen Gletscher schmelzen. Und der ökologisch besonders wichtigen chilenischen Aysen-Region droht der Bau eines Aluminiumwerks. Der immense Energiebedarf des Werks soll mittels sechs gigantischer Staudämme gedeckt werden. 10.000 Hektar Regenwald würden überflutet.

Gefahr droht den letzten Regenwäldern der südlichen Hemisphäre auch von der Holz- und Papierindustrie. Die alten Wälder werden skrupellos abgeholzt, um stattdessen Plantagen anzulegen - Plantagenholz für die Papierherstellung.

Auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die dem patagonischen Ökosystem drohen, ist Zweck der Greenpeace-Tour. Das internationale Team hat sich in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine wird auf dem Landweg in Richtung Torres del Paine und Los Glaciares reisen. Die andere wird später per Schiff, der Arctic Sunrise, folgen und das Landteam aufnehmen, um gemeinsam weiterzureisen.

Torres del Paine in der Aysen-Region - Nationalpark seit 1959. UNESCO-Weltnaturerbe seit 1978. Rund 182.000 Hektar Landschaft, schroffe Berglandschaft und Gletscher, tiefblaue Seen, Steppe und Wälder. Bevor die chilenische Regierung das Gebiet in Staatsbesitz brachte, befand es sich überwiegend im Besitz von Viehzüchtern, die das Land hemmungslos ausbeuteten. Waren die Weiden abgegrast, so brandrodeten sie die Wälder, um neues Weideland zu gewinnen. Noch immer hat die Natur sich nicht vollständig von diesen Eingriffen erholt.

Los Glaciares in Argentinien - rund 6000 Quadratmeter Gletscherlandschaft. 14 riesige Gletscher kriechen von einem riesigen Eisfeld an der Grenze zu Chile ostwärts und enden in Seen am Fuß der argentinischen Anden. Der größte Gletscher ist der Upsala. Mit einer Frontbreite von sechs bis sieben Kilometern, rund 60 Kilometern Länge und 600 Quadratkilometern Fläche ist er fünfmal so groß wie der größte Gletscher der Alpen.

Noch stürzen Stücke von der Größe eines zehnstöckigen Hochhauses ins Wasser, wenn die Gletscher kalben. Doch die riesigen Eiszungen schwinden zusehends. Nirgendwo auf der Erde, haben Wissenschaftler der NASA herausgefunden, schmelzen die Gletscher so schnell wie in Patagonien. (sit)

 

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