Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Papua-Neuguinea: Protest an der Hotelfassade

Port Moresby, die Hauptstadt Papua-Neuguineas, hat am Montag eine Premiere erlebt: die erste Greenpeace-Banneraktion des Landes. Zwei Kletterer seilten sich vom Dach des Hotels Crowne Plaza in Port Moresby ab und entfalteten an der Fassade ein riesiges Protestbanner gegen Urwaldzerstörung. In Port Moresby findet vom 7. bis 11. Mai die 42. Konferenz der Internationalen Organisation für Tropenholz (ITTO) statt.

  • /

Greenpeace fordert die ITTO auf, mehr gegen die Urwaldzerstörung in Papua-Neuguinea zu unternehmen, erklärte Sam Moko, Waldexperte von Greenpeace Papua-Neuguinea und einer der beiden Kletterer. Unsere Regierung und die Holzindustrie interessieren sich mehr für kurzfristigen Profit als für die Zukunft unserer Kinder.

In Papua-Neuguinea sind bereits 60 Prozent der ursprünglichen alten Wälder zerstört. Nach Greenpeace-Schätzungen finden mehr als 90 Prozent der Abholzungen illegal statt. Oft arbeiten Behörden- und Regierungsvertreter mit den Holzfirmen Hand in Hand. Korruption ist an der Tagesordnung.

Die ITTO wurde 1986 gegründet, um die Balance zwischen der wirtschaftlichen Nutzung der tropischen Wälder und ihrem Schutz sicherzustellen. Die 59 Mitgliedsländer der Organisation repräsentieren 80 Prozent der globalen Tropenwälder und 90 Prozent des Handels mit Tropenholz. Ihr Ziel haben sie bislang verfehlt. In Amazonien, Südostasien und im Kongobecken verschwinden die Wälder in alarmierendem Tempo.

1990 beschloss die ITTO, im Jahr 2000 solle gehandeltes tropisches Holz nur noch aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Im Juni 2006 musste sie eingestehen, dass weniger als fünf Prozent der tropischen Wälder nachhaltig bewirtschaftet wurden. Ein spektakuläres Scheitern, kommentiert Grant Rosoman, Urwaldexperte von Greenpeace Neuseeland. Es weist auf das eigentliche Ziel hin - die fortgesetzte Ausbeutung der tropischen Wälder für den Handel.

Die tropischen Wälder gehören zu den artenreichsten der Welt. Als gewaltige CO2-Speicher sind sie außerdem wichtig für das Klima auf der Erde. Bis zu 25 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen sind der fortgesetzten Urwaldzerstörung geschuldet.

Die Urwälder sind zudem die Heimat von Millionen Menschen, deren Auskommen und Überleben von ihnen abhängt. Papua-Neuguinea ist dafür ein gutes Beispiel. Rund drei Viertel der Bevölkerung leben im und vom Wald. Sie bewirtschaften dort ihre Felder, Gärten genannt, jagen und fischen. Die Menschen sind traditionell und spirituell eng mit dem Wald verbunden.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Greenpeace-Aktion in Port Moresby großen Beifall fand. Vor dem Hotel versammelte sich eine Menschenmenge, die lebhaft am Geschehen Anteil nahm. Sobald das Wachpersonal des Hotels das Banner abzuschneiden versuchte, tönten Rufe hinauf, es dort zu lassen. Die Polizei begrüßte die Greenpeace-Kletterer mit Handschlag, geleitete sie nach unten und verabschiedete sie dort mit der freundlichen Mahnung, dergleichen nicht noch einmal zu tun ...

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Zehntausende stehen zusammen

Es ist die bislang größte Anti-Kohle-Demo im Rheinischen Revier: Zehntausende protestieren am Hambacher Wald für Klimaschutz – und feiern den vorläufigen Rodungsstopp.

Der Wald bleibt – vorerst

RWE darf im Hambacher Wald nicht roden, entschied das Oberverwaltungsgericht Münster in einem Eilbeschluss. Bis zur endgültigen Entscheidung könnte es Jahre dauern.

Gradwanderungen

Die Erderhitzung lässt sich bei 1,5 Grad stoppen, doch auch das wird die Welt verändern, so der Weltklimarat. Über dessen neuen Bericht spricht Greenpeace-Experte Christoph Thies.