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Orang-Utans in Gefahr

Der massive Raubbau an den Urwäldern Borneos kann dazu führen, dass der dort lebende Orang-Utan in naher Zukunft ausstirbt. Das offenbart eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Cardiff. Sie hatten Genproben von zweihundert Orang-Utans aus dem malayischen Sabah im Nordosten der Insel untersucht und festgestellt, dass die Erbinformationen der Tiere aus einem wesentlich kleineren Genpool stammen als zu Beginn dieses Jahrhunderts.

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Erstmals konnte so in einer Studie durch die Auswertung genetischer Daten ein Schwinden von Menschenaffenbeständen nachgewiesen und in direkten Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten gebracht werden. Die DNA-Analyse lässt auf einen fünfzig- bis hundertfachen Rückgang der Orang-Utan Population Sabahs innerhalb der letzten hundert bis zweihundert Jahre schließen. Während dieses Zeitraums hatte der Mensch den Lebensraum der Tiere durch Abholzung immer weiter verkleinert.

Die Krise setzte etwa Ende des 19. Jahrhunderts ein. Zur selben Zeit begann der Mensch im großen Stil mit der Abholzung der Wälder Borneos. Gegenwärtig werden große Flächen Urwald abgeholzt, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen und so der weltweit steigenden Nachfrage nach alternativen Treibstoffen, so genanntem Biodiesel, entgegenzukommen.

Es wird geschätzt, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch etwa 315.000 Orang-Utans in Sabah lebten. Mittlerweile sind es nur noch 13.000. Dadurch, dass sich der Genpool aus immer weniger Tieren zusammensetzt, beschleunigt sich die Entwicklung noch. Um die Orang-Utans zu retten, bedarf es neben des Schutzes der noch bestehenden Waldgebiete auch der Rekultivierung zerstörter Urwaldkorridore. Möglicherweise müssen sogar einige Tiere umgesiedelt werden.

Gefährdet sind nicht nur die Orang-Utans der Region Sabah, sondern auch die übrigen Populationen der Insel Borneo. Wird dem rücksichtlosen Raubbau an den tropischen Regenwäldern Borneos nicht Einhalt geboten, so könnte einer unser nähesten Verwandten bald vom Antlitz der Erde verschwunden sein. Eng verknüpft mit dem Fortbestand der Orang-Utans ist der nachhaltige Schutz seiner Heimat.

In Genf tagen gerade die Tropenholz produzierenden Länder mit den größten Abnehmerländern, um über ein Abkommen für den Handel mit Tropenholz zu beraten. Der Vertrag von 1994, der dieses Jahr ausläuft, hat die selbst gesteckten Ziele vollkommen verfehlt. Damals hatte man sich darauf geeinigt, dass importiertes Tropenholz bis zum Jahre 2000 einzig aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung kommen solle.

Ein großer Teil der Abholzung geschieht illegal. Weltweit wird illegal geschlagenes Tropenholz zu Gartenmöbeln, Fenstern und Türen verarbeitet. Auch auf dem deutschen Markt landen Billigimporte aus Raubbaugebieten. Um den Orang-Utan und andere vom Aussterben bedrohte Tierarten zu retten, muss der Handel mit Raubbauholz aus Urwaldgebieten - ob legal oder illegal geschlagen - gesetzlich verboten werden.

(Autor: Benjamin Borgerding)

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