Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Operation gegen die Holzmafia

Die brasilianische Regierung hat am Mittwoch eine Kampagne gegen die illegale Abholzung des Regenwalds in Amazonien gestartet. Zum Auftakt der Aktion mit dem Namen Arco de Fogo (Feuerbogen) waren 300 Polizisten, Kräfte der Nationalgarde und Beamte der Umweltbehörde IBAMA im Amazonas-Bundesstaats Pará im Einsatz.

  • /

Die Sicherheitskräfte begannen 250 Kilometer nördlich der Regionalhaupstadt Belem mit der Überprüfung von rund 90 Sägemühlen. Nur 21 dieser Betriebe haben eine offizielle Lizenz, um Holz im Regenwald einzuschlagen. Der Einsatz wird etwa drei Wochen dauern.

Bereits letzte Woche war die Stadt Tailandia im Bundesstaat Pará in die Schlagzeilen geraten. Inspektoren der Umweltbehörde IBAMA und weitere Regierungsbeamte wollten dort ihre Untersuchungen gegen den illegalen Holzeinschlag aufnehmen. Lokale Holzfäller und Mitarbeiter eines Sägewerkes blockierten daraufhin eine Kreuzung und legten Feuer auf Brücken der Stadt. Um ihr Leben zu retten, mussten die Beamten den Einsatz abbrechen und fliehen.

Die Provinz Pará ist berüchtigt für Morde an Urwaldschützern. Meist bleiben diese ungesühnt, da nicht einmal eine Untersuchung eingeleitet wird. Eines der prominentesten Opfer war die als Urwald-Nonne bekannt gewordene Amerikanerin Dorothy Stang.

Schleichende Umweltkatastrophe

Noch nie zuvor ist eine derart hohe Zerstörungsrate in Amazonien festgestellt worden, wie im Jahr 2007. Die zerstörte Fläche hat sich in der zweiten Jahreshälfte 2007 - im Verhältnis zum gleichen Zeitraum des Jahres 2006 - nahezu verdoppelt. Etwa 3235 Quadratkilometer Urwald sind abgeholzt worden. Das ist ein Gebiet größer als das Saarland (2569 Quadratkilometer). Die Konsequenzen für unser Klima sind noch gar nicht absehbar.

Der Regenwald am Amazonas ist der größte noch intakte Regenwald dieser Erde und eines der artenreichsten Gebiete. Doch die weltweite Nachfrage der Industriestaaten und Chinas nach Edelhölzern und Soja als Futtermittel bedroht immer größere Waldflächen. Gleichzeitig heizt die Nachfrage nach billigem Fleisch, vor allem in Europa, die Nachfrage nach Soja und damit die Urwaldzerstörung in Brasilien weiter an.

Auch die nächste Bedrohung des Regenwaldes lässt nicht auf sich warten: Der weltweit wachsende Bedarf nach Agrokraftstoffen. Die Ökonomie kontrolliert die Entwaldung, sagt Paulo Adario, Leiter der Waldkampagne von Greenpeace Brasilien. Immer wenn die Preise steigen, steigt auch die Entwaldungsrate.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Kontrolle ist besser

Palmöl des Konzerns Wilmar steckt in etlichen Süßigkeiten. In Zukunft will das Unternehmen garantieren können, dass seine Ware nicht aus Regenwaldzerstörung stammt – dank Technik.

Der Weihnachtsmüffel

Oh Tannenbaum, wie stinken deine Blätter: Gewächse aus gängiger Massenbaumhaltung duften meist wenig weihnachtlich. Unsere Autorin lernte, wie Weihnachtszeit mit Tannenaroma geht.

Zehntausende stehen zusammen

Es ist die bislang größte Anti-Kohle-Demo im Rheinischen Revier: Zehntausende protestieren am Hambacher Wald für Klimaschutz – und feiern den vorläufigen Rodungsstopp.