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Worum es Greenpeace geht

Nestlé, Kitkat, heiße Diskussionen

Die Greenpeace-Kampagne gegen Palmöl aus Urwaldzerstörung hat in Teilen der Blogosphäre zu regem Blogverkehr geführt. Zum Beispiel auf talkabout.posterous.com. Unsere Waldcampaignerin Corinna Hölzel hat dort noch einmal deutlich gemacht, vor welchem Hintergrund Greenpeace die Kampagne gestartet hat und worum es dabei geht. Hier ihr Kommentar:

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Das Gute an der Diskussion in diesem Blog ist, dass sich alle einig sind, Urwaldzerstörung in Indonesien für Palmölplantagen nicht hinnehmen zu wollen. Wenn man diese Klima- und Umweltkatastrophe aufhalten will, muss man wissen, wer die Hauptverantwortlichen sind und wer in enger Beziehung zu diesen steht. Das hat Greenpeace getan. Gemeinsam mit den internationalen Kollegen, ganz voran den Indonesiern, haben wir die politische und ökonomische Situation analysiert, haben Lieferbeziehungen und Finanzierungen recherchiert und definiert, was notwendig wäre, um die Wälder zu schützen.

Sinar Mas

Die Ergebnisse dieser Analysen sind: Wir fordern einen Stopp der weiteren Umwandlung wertvoller Torfwälder in Plantagen. Die großen Player, die diesen Stopp der Waldzerstörung momentan noch verhindern, sind zum einen die indonesische Regierung, zum anderen die Konzerngruppe Sinar Mas. Sinar Mas hat ein langes Register von Straftaten sowie Konflikten mit lokalen Gemeinschaften um Land, Urwaldzerstörung, Brandrodung und der Konzern hat aggressive Expansionspläne in Kalimantan und Papua.

Sinar Mas ist nach eigenen Aussagen die Nummer Eins im indonesischen Palmölgeschäft, produziert ca. zwei Millionen Tonnen Palmöl pro Jahr und liefert sowohl direkt an Lebensmittelkonzerne als auch über Zwischenhändler wie Cargill. Sinar Mas weigert sich seit Jahren, einem Stopp der weiteren Entwaldung zuzustimmen und hat entsprechende Initiativen im Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) immer wieder blockiert. Damit dieser Konzern seine Blockadehaltung endlich aufgibt, fordern wir Unternehmen auf, ihre Geschäftsbeziehungen mit Sinar Mas zu stoppen und sicherzustellen, dass kein Sinar-Mas-Palmöl in ihren Produkten landet.

Mit gutem Beispiel voran: Unilever und Kraft

Unilever ist mit einem Jahresverbrauch von 1,3 Millionen Tonnen Palmöl der größte Einzelabnehmer. Nach einer Greenpeace-Kampagne 2007 setzte sich Unilever öffentlich für einen Stopp der Entwaldung in Indonesien ein und kündigte schließlich im Dezember 2009 seine Verträge mit Sinar Mas in Höhe von 30 Millionen US-Dollar. Auch die Firma Kraft kündigte Anfang des Jahres ihre Verträge mit Sinar Mas.

Jetzt ist Nestlé als ein weiterer großer Einzelabnehmer von Palmöl am Zug: Nestlé ist der größte Lebensmittelkonzern weltweit und daher sowohl in einer besonderen ökologischen und sozialen Verantwortung als auch in der Machtposition, Veränderungen voranzutreiben. Nestlé verbraucht 320.000 Tonnen Palmöl pro Jahr, und, Mirko Lange [talkabout.posterous.com] hat es offenbar überlesen, die Menge hat sich in den vergangenen drei Jahren verdoppelt.

Nicht nur Nestlé

Palmöl ist das billigste Pflanzenöl der Welt und wird auch für andere Produktgruppen eingesetzt. Insofern hat es der Verbraucher schwer, Palmöl im täglichen Leben zu umgehen. Es landet in Waschmitteln und Kosmetik, wird in Blockheizkraftwerken zu Strom und Wärme verbrannt und ist im Diesel beigemischt.

Über all dies informiert Greenpeace seit Jahren. Seit 2007 testen wir beispielsweise Diesel, um den Anteil von Palmöl aufzuzeigen, und fordern von der Politik die Abschaffung der gesetzlich vorgeschriebenen Beimischungsquote.

Es ist wirklich sehr gewagt zu behaupten, wir würden Nestlé als die einzigen bösen Buben hinstellen. Auch bei den Lebensmitteln haben wir andere Verantwortliche genannt. In der Presseerklärung vom 17.3.2010 ist zu lesen: Auch weitere Firmen sind jetzt zum Handeln aufgefordert, denn Palmöl aus Urwaldzerstörung kann auch in vielen anderen Produkten enthalten sein, zum Beispiel in Bahlsen-Keksen, der Prinzenrolle, Toffifee, in Maggi-Produkten, Kosmetik von Schwarzkopf oder Waschmitteln wie Persil, Spee und Terra Aktiv von Henkel.

Wege des Palmöls

Es gibt keine getrennte Warenerfassung bei Palmöl. Deshalb kann Nestlé nicht ausschließen, dass das für Kitkat verwendete Palmöl von Sinar Mas stammt. Dies ist die Grundlage unserer Argumentation: Sinar Mas liefert an IOI und Cargill. Cargill und IOI liefern an Nestlé. IOI liefert ins Chocoladenwerk Hamburg. Dort wird KitKat produziert. Im KitKat ist Palmöl enthalten. Ein Konzern wie Nestlé, der sich selbst der Nachhaltigkeit verpflichtet sieht, muss diese Kriterien für die gesamte Liefer- und Produktionskette einhalten.

Was übrig bleibt

Und eine letzte ganz persönliche Bemerkung: Es geht uns nicht darum, jemanden bluten zu sehen. Ich war vergangenes Jahr für vier Wochen im Wald- und Klimacamp in Indonesien auf der Insel Sumatra. Was ich dort auf den Konzessionen von Sinar Mas gesehen habe, war schockierend: Frisch gerodeter Urwald, totale Verwüstung, Brandrodung und Vernichtung allen ursprünglichen Lebens.

Wenn wir jetzt nicht den großen Konzernen und Abnehmern von Palmöl hier ganz deutlich machen, dass wir dieses Palmöl nicht wollen und diese Zerstörung nicht akzeptieren, wird die Abholzung so lange weitergehen, bis der Wald in Indonesien komplett vernichtet ist. Und ich hoffe, wir sind uns so weit einig, dass das verhindert werden muss.

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