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Mit den Straßen kommt der Tod

Das selektive Fällen von lediglich drei oder vier wertvollen Bäumen auf einen Hektar Regenwald hält die Urwaldzerstörung nicht auf. Im Gegenteil: Ein US-Forscherteam stellte während seiner fünf Jahre dauernden Beobachtung des brasilianischen Regenwalds fest, dass in der Regel dem selektiven Fällen schon bald der totale Kahlschlag folgt.

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Vom Urwaldgebiet, in dem selektiv gefällt wurde, war nach einem Jahr bereits 16 Prozent der Fläche dem Kahlschlag zum Opfer gefallen. Nach vier Jahren sogar 32 Prozent, berichten die Forscher auf ihrer Website beim Carnegie-Institut der Stanford-Universität in Kalifornien. Eine weitere Beobachtung: selektives Fällen und Kahlschlag traten immer nur dort auf, wo Straßen durch den Regenwald gebaut wurden.

Nur glaubwürdige Kontrollen sichern eine ökologisch und sozial vertretbare Waldnutzung, die nicht zur Entwaldung führt. Diese bietet beispielsweise das international anerkannte FSC-Siegel für Holz, sagt der Greenpeace-Waldexperte Martin Kaiser. Ohne verstärkte staatliche Kontrollen vor Ort, im Amazonas oder anderen Urwaldregionen, sind selektive Holznutzungen nicht zu verantworten. Viel mehr zum Erhalt der Urwaldes tragen Schutzgebiete und Indigenen-Reservate ohne Straßen bei.

Vor einer Woche hat Greenpeace ein Moratorium gegen die Urwaldzerstörung durch den Soja-Anbau erwirkt. Auch das kann nur dann wirkungsvoll umgesetzt werden, wenn große neue Schutzgebiete eingerichtet und diese effektiv kontrolliert werden, erklärt Kaiser. Die Regierungen reicher Länder müssen deshalb sofort die Urwaldländer finanziell und technisch unterstützen. Zum Erhalt der globalen Biodiversität müssen die bereits international beschlossenen Netzwerke von Schutzgebieten zügig umgesetzt werden.

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