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Mission Indonesien erfolgreich beendet

In Kalimantan schert sich niemand um das Gesetz. Geld machen lautet die Devise vor allem der Holzmafia - ohne Rücksicht auf die Menschen, die vom Wald leben. Um diesen unhaltbaren Zustand zu dokumentieren und ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen ist vor rund einem Monat das Greenpeace-Flaggschiff Rainbow Warrior in die südostasiatischen Gewässer gefahren. Am Montag ist diese Tour mit einer Pressekonferenz in Jakarta beendet worden.

Greenpeace veröffentlichte alle Rechercheergebnisse. In den vier Wochen Patrouille vor Ort wurden 35 verdächtige Schiffe, 17 Schleppboote und Lastkähne sowie zwei Küstenboote gesichtet. Fotos zeigen Tausende Kubikmeter illegal eingeschlagenen Holzes, Sägewerke ohne Lizenzen, einen Nationalpark, der zum großen Teil bereits geplündert wurde.

Das Holz landet nach wie vor auf dem internationalen Markt, auch in Deutschland, kritisiert Sandra Pfotenhauer, Waldexpertin von Greenpeace an Bord der Rainbow Warrior. Es wird konkurrenzlos billig angeboten und so lange jemand das gestohlene Holz kauft, geht der Schmuggel von Holz und die Zerstörung der letzten Urwälder weiter.

Doch die vergangenen vier Wochen haben etwas bewegt! Das erstmalige Auftauchen eines Greenpeace-Schiffes in den Gewässern um Indonesien hat Spuren hinterlassen. Der vietnamesiche Holzfrachter Ha Tinh 06 muss sich unbeladen auf den Heimweg machen. In der Bucht von Pangkalan Bun traut man sich nicht mehr, die rund 20 wartenden Holzfrachter am hellichten Tage abzufertigen. In der Anwesenheit der Rainbow Warrior wagt niemand auf den Schiffen zu arbeiten!

Dass nach dem Dunkelwerden dann doch Geschäftigkeit losbricht, macht die Greenpeacer an Bord der Rainbow Warrior neugierig. Durchs Fernglas beobachten sie, dass eines der indonesischen Schiffe anfängt zu laden. Warum bei Nacht? Schnell ist ein Schlauchboot ins Wasser gelassen und nähert sich dem Holzfrachter. Das Blitzlicht der Fotografin erhellt das Dunkel. Hunderte von Holzbalken werden von einem Floss auf den Frachter geladen. Wieder illegaler Holzhandel.

Die Behörden werden informiert und versprechen, morgens die Marine vorbeizuschicken - doch den ganzen nächsten Tag über lässt sich niemand blicken. Es ist an der Zeit, sich an die Regierung selbst zu wenden. Zu dicht ist das Geflecht aus korrupten Lokalpolitikern, dem Militär, der Polizei und der Holzmafia. Die Marine kann zwar Schiffe auf See kontrollieren, hat aber keine Handhabe, gegen den illegalen Holzeinschlag und die Sägewerke ohne Lizenzen entlang der Flussläufe vorzugehen.

Sandra Pfotenhauer zieht ein positives Resumee ihres mehrwöchigen Einsatzes in Südostasien: Ich habe in den letzten vier Wochen viel dazu gelernt. Wir haben es geschafft, dass der illegale Holhandel vor der Küste Kalimantans zwei Wochen blockiert wurde. Aber es braucht mehr, als das Engagement einiger Regenbogenkrieger, um den Urwald zu schützen.

Laut Weltbank wird der Wald auf Sumatra 2005, der auf Kalimantan 2010 verloren sein - wenn im gleichen Tempo weiter abgeholzt wird. Es ist deshalb höchste Zeit, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder endlich Maßnahmen durchsetzt, die den Import von Holz aus illegalen Quellen und Urwaldzerstörung stoppen. Die Regierungen der Welt müssen endlich Geld bereit stellen, um die letzten Urwälder zu schützen.

Der Einsatz der Rainbow Warrior mit den Menschen an Bord ist ein logistisch und finanziell aufwändiges Unterfangen. Für den Betrieb des Schiffes entstehen uns pro Jahr Kosten von über einer halben Million Euro. Bitte unterstützen Sie uns in unserer Arbeit. Werden Sie Spender/in.

Lesen Sie unser Tagebuch für den Urwald- und Meeresschutz mit Beiträgen aus Kuala Lumpur, von der "Rainbow Warrior" und anderen Brennpunkten.

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