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Minister vermeiden wirksamen Urwaldschutz

Das Abholzen kann weitergehen. In Wien endete am Dienstag die zweitägige Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa - ohne nennenswertes Ergebnis. Die Schlussdeklaration von Wien wird den Verlust der letzten alten Wälder und den dramatischen Artenschwund nicht aufhalten.

Zwar betont sie die Bedeutung nachhaltiger Waldwirtschaft, doch wie nachhaltiges Wirtschaften allein die Wälder retten soll, sagt sie nicht. Dass Ministerin Renate Künast den Erhalt des Waldes noch am Montag als Überlebensfrage bezeichnet hatte, war offenbar nicht weiter von Bedeutung. Die deutsche Regierung hatte den Waldabholzungs-Dokumenten schon im Vorfeld zugestimmt.

Die Forstminister haben sich wieder einmal vor ihrer Verantwortung zum Schutz der Urwaldreste in Finnland und Russland gedrückt. Sie haben nichts dagegen unternommen, dass wertvolle Urwälder zu Zeitschriften und Briefumschlägen verarbeitet werden und Urwaldtiere wie Bär und Wolf ihre Lebensräume verlieren, kommentierte Greenpeace-Waldexperte Oliver Salge die verpasste Chance.

Während der Konferenzeröffnung am Montagmorgen hatten Greenpeace-Aktivisten in großen Baumkostümen die Minister an ihre Verantwortung erinnert: European Governments, save our last ancient forests (Europäische Regierungen, rettet unsere letzten alten Wälder) stand auf dem Banner, das die Umweltschützer vor dem Konferenzgebäude entfalteten.

Greenpeace fordert, die letzten europäischen Urwälder unter Schutz zu stellen. Holzeinschlag und andere zerstörerische Aktivitäten wie die Zerstückelung durch den Bau von Straßen sollten in diesen Regionen gänzlich verboten sein. Nur so können Tier- und Pflanzenwelt effektiv geschützt werden. Zudem müssen die Landrechte indigener Einwohner respektiert werden. Wälder, die der Holzgewinnung dienen, müssen ökologisch und sozial nachhaltig bewirtschaftet werden. Das heißt: kein Kahlschlag, kein Düngen und Spritzen, kein Aufräumen, stattdessen Zurücklassen von Biotopholz als Lebensraum für Tiere. Der bewirtschaftete Wald soll dem natürlichen möglichst ähnlich sein.

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