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McKinsey und der Klimaschutz

Ein Fünftel aller weltweit freigesetzten Treibhausgase stammt aus der Zerstörung der letzten Urwälder. Um das zu stoppen, sollen Entwicklungsländer für den Schutz ihrer Wälder finanziellen Ausgleich erhalten. Diesen erhalten sie aber nur, wenn sie Konzepte vorlegen - beraten werden sie dabei unter anderem von der Unternehmungsberatung McKinsey. Dass das nicht unbedingt zum Schutz des Klimas und der Wälder beiträgt, zeigt die neue Studie Bad Influence von Greenpeace .

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Die Klimadiskussion dreht sich zunehmend um die Notwendigkeit, die CO2-Emissionen aus Entwaldung und Walddegradierung in Entwicklungsländern zu reduzieren. Daher wurde bei den Klimaverhandlungen in Cancun REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) beschlossen. Eine Grundidee von REDD ist, dass Waldschutz verhältnismäßig günstiger Klimaschutz ist und dass Entwicklungsländer für die Erhaltung ihrer Wälder finanziell entschädigt werden sollten.

Bei der Beratung von Regierungen zur Erstellung dieser Waldschutzprogramme ist McKinsey der weltweite Marktführer. McKinsey erstellt dabei Kostenkurven, die darstellen, welche Maßnahmen wie viel kosten und welche Menge an Kohlenstoff dabei eingespart werden kann. Die Greenpeace-Studie Bad Influence weist allerdings auf erhebliche Mängel hin. McKinsey ist nicht transparent, erklärt Andrea Cederquist, Waldexpertin von Greenpeace. Unklar ist, auf welche Informationen die Berechnungen basieren. Nicht alle Kosten werden dargestellt, was dazu führen kann, dass die vorgeschlagenen Programme eher zu einer Waldzerstörung führen könnten.

Intransparente Berechnungen

Das renommierte Energy Institute des University College London hat für Greenpeace die Kostenkurven von McKinsey analysiert. Das Institut weist darauf hin, dass die Ursachen dieser fehlerhaften Aussagen in den sogenannten McKinsey Marginal Abatement Cost Curves liegen. Diese stellen grafisch dar, wie hoch ein CO2-Einsparungspotential ist und wie hoch die Kosten für diese Maßnahme sind. Jedoch werden die Zahlen und Annahmen für diese Kostenberechnungen von Mckinsey nicht offengelegt.

Außerdem werden nicht alle Arten von Kosten einbezogen - wie zum Beispiel Umsetzungs- und Überwachungskosten. Die tatsächlichen Kosten von Programmen zur Verringerung der tropischen Entwaldung werden daher teilweise weit unterschätzt. Insbesondere gilt dies für Maßnahmen, die Bauern betreffen, die von Subsistenzwirtschaft oder Brandrodung leben. Gleichzeitig wird vorgeschlagen, daß die Demokratische Republik Kongo neue Holzschlagkonzessionen für 10 Millionen Hektar und Palmölkonzessionen für 1,6 Million Hektar erteilt sowie weitere Flächen für Rinderhaltung schafft. Dies würde dazu führen, das jetzige Moratorium für neue Holzeinschlagskonzessionen und das Umweltrecht zu lockern.

So könnten weitere intakte Wälder und andere Ökosysteme durch die industrielle Forst- und Agrarwirtschaft zerstört werden. Kongolesische Umweltschutzorgansiationen und Vertreter der Zivilgesellschaft haben darauf hingewiesen, dass eine Lockerung des Moratoriums verheerende Effekte haben würde und die Glaubwürdigkeit des REDD-Prozesses unterminieren würde. Es bleibt zu hoffen, dass die von McKinsey vorgeschlagenen Maßnahmen nicht umgesetzt werden. Nur Programme, die wirklich greifen, können den Ländern helfen, ihre Wälder zu erhalten und Emissionen zu reduzieren, sagt Cecerquist.

REDD: zum Stand der Dinge in anderen Ländern

Greenpeace fordert seit Jahren, Programme wie REDD umzusetzen, sagt Cederquist. Das Problem ist nur, dass es für den REDD-Mechanismus derzeit noch keine internationalen Finanzierungsinstrumente gibt. Das ist ein wichtiger Auftrag für die Weltgemeinschaft. Die Regierungschefs müssen dringend und schnell einen Weg zur ausreichenden und verlässlichen REDD-Finanzierung finden. Einen Vorschlag dafür hat Greenpeace bereits vorgelegt.

Um ein globales Klimaschutz-Abkommen erfolgreich zu gestalten, muss der Umstieg auf erneuerbare Technologien bereits in den kommenden Jahren gelingen. Das heißt, dass ein effektiver Regenwaldschutz keinesfalls in den internationalen Emissionshandel einbezogen werden darf, sondern vielmehr darauf abzielen muss, die Abholzung der Urwälder und die damit verbundenen CO2-Emissionen bis 2020 gegen Null zu senken, sagt Cederquist.

Indonesien und Norwegen verhandeln zurzeit über eine Milliarde Dollar zum Schutz der indonesischen Wälder und Torfgebiete. Der 2010 erschienene Greenpeace-Bericht Protection Money zeigt auf, wie und warum dieser Deal von der Palmöl-, Papier-und Zellstoffindustrie unterminiert werden könnte, falls nicht rechtzeitig geeignete Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Gerne wird auch vergessen, dass Wälder nicht nur für den Klimaschutz eine bedeutende Rolle spielen, sondern auch für die Erhaltung der Artenvielfalt und als Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung. Die besten Hüter des Waldes sind dessen langjährige Bewohner - deshalb ist es mehr als logisch, dass kein REDD-Plan ohne Beteiligung der Zivilgesellschaft, vor allem der lokalen und indigenen Waldbevölkerung, ausgearbeitet werden darf. Davon handelt der neu erschienene Greenpeace-Bericht Turning REDD into Green.

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