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Lukautim Bus - Ein Camp der guten Hoffnung mitten im Urwald

Im Westen Papua-Neuguineas, am Ufer des Murraysees, ist am Dienstag das neue Greenpeace-Urwaldcamp eröffnet worden. Die Schutzstation in einer der schönsten Regionen der Erde ist Anlaufstelle und Ausgangspunkt: für die Greenpeacer, die gekommen sind, um die Einheimischen in ihrem Kampf gegen die Holzfäller zu unterstützen; für die Einheimischen, die Greenpeace eingeladen haben zu kommen. Gemeinsam wollen sie das Land vermessen und kennzeichnen.

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Der 52 Quadratkilometer große Murraysee mit seinen vielen mäandernden grünen Inseln und die umliegenden Wälder gehören neun verschiedenen Volksstämmen. Ihre Rechte an dem rund eine Million Hektar großen Gebiet sind unbestritten und gesetzlich verankert.

Tatsächlich hilft das Gesetz den Ureinwohnern Papua-Neuguineas wenig, wenn die Holzkonzerne kommen. Vor Ort hat Recht, wer zahlen kann und keine Skrupel kennt. Politiker, Beamte, Polizisten und Angehörige des Militärs - praktisch alle staatlichen Institutionen sind zersetzt von Korruption. Die Menschen vor Ort sind massiver Gewalt ausgesetzt - bis hin zu Mord und Vergewaltigung.

Von Landrechten und Landkarten

97 Prozent des Grund und Bodens von Papua-Neuguinea gehören den indigenen Gemeinden. Doch im Urwald gibt es keine Grenzzäune und Wachtposten. Wo das Gebiet eines Stammes anfängt und wo es endet, ergibt sich aus Stammbaum und Überlieferung. Darum ist auf keiner Karte verzeichnet, wem welches Land gehört.

Diesen Umstand nutzen die Konzerne und ihre korrupten Helfershelfer in der Politik aus. Gebiete, die nicht markiert und auf keiner Karte verzeichnet sind, werden von der Regierung Papua-Neuguineas als herrenlos behandelt. Sie verkauft die Landrechte an die großen Holzunternehmen, die dann mit ihren Motorsägen und großen Fahrzeugen das Land verwüsten. 60 Prozent der Wälder Papua-Neuguineas sind bereits vernichtet.

Erst kam die Straße, dann kamen die Motorsägen

Im westlichen Teil Papua-Neuguineas, wo jetzt das Urwaldcamp aufgebaut wurde, begann die Zerstörung im Jahre 1995. Damals baute die Firma Concord Pacific, eine Tochter des malaysischen Holzunternehmens Samling, eine Straße durch den Wald, die Kiunga-Aiambak-Straße. Dabei sollte es angeblich bleiben.

Doch die Straße war nur ein Vorwand, um an das wertvolle Holz heranzukommen. Zwar gelang es den Einheimischen mit Hilfe von Greenpeace und lokalen Umweltschutzunternehmen, der Firma Einhalt zu gebieten. Doch 100.000 Hektar Wald waren bereits illegal abgeholzt. Bis heute kämpfen die indigenen Landeigentümer vor Gericht um Entschädigung für den Verlust.

Die Lösung: Vermessen und kartieren

Die Gefahr ist nicht vorüber. Die so genannte Western-Provinz gehört zu den letzten großen zusammenhängenden Waldgebieten Papua-Neuguineas. Längst haben die Konzerne ein Auge auf dieses Profit versprechende Gebiet geworfen. Um ihnen zuvorzukommen, wollen die Indigenen mit Greenpeace zusammen jetzt ihr Land vermessen, kennzeichnen und dann kartieren. Dazu ist das Camp erichtet worden.

Laukatim Bus - Global Forest Rescue Station - Urwaldschutzstation. Das Team, das sich im Urwaldcamp zusammengefunden hat, ist international. Mehrere Wochen lang werden dort Indigene und Ausländer zusammenleben: Einheimische vom Stamm der Kuni, Greenpeacer aus Papua-Neuguinea und anderen Teilen der Welt.

Einer von ihnen ist Florian Asis Schulz, 28 Jahre alt, seit 2001 ehrenamtlich bei Greenpeace aktiv. Florian kann auf Camp-Erfahrungen zurückgreifen. Er war 2003 im Greenpeace-Camp am Baikalsee dabei und 2003/2004 im Baumcamp in Styx Valley auf der australischen Insel Tasmanien. In den nächsten zwei Wochen wird er im Internet über seine Erlebnisse und Erfahrungen in Papua-Neuguinea schreiben - Berichte aus einem Büro unter Palmblättern.

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