Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Beschaffungsrichtlinien verhindern Urwaldzerstörung

Kontrollierter Rinderwahnsinn

Brasiliens Rinderzucht begünstigt die Zerstörung des Amazonas. Doch einige Schlachtbetriebe des Landes wirken der Entwaldung entgegen, das zeigen aktuelle Berichte.

  • /

Welche Rinder stehen in Verbindung mit Regenwaldzerstörung im Amazonas? Um dies zu kontrollieren, benutzen einige Schlachthäuser in Brasilien Systeme zur Herkunftsverfolgung der Tiere. Die drei größten Betriebe, JBS, Marfrig und Minerva, veröffentlichten heute zum zweiten Mal unabhängige Berichte zu einer solchen Kontrolle ihrer Beschaffungssysteme.

Die Berichte zeigen, dass die Kontrollsysteme funktionieren – der Erfolg einer Greenpeace-Kampagne von 2009. Damals unterzeichneten mehrere Schlachthäuser das Rinder-Abkommen (Cattle Agreement), nachdem Greenpeace gegen Adidas und andere Leder-Abnehmer der Schlachtbetriebe vorgegangen war. Die Veröffentlichungen der Kontrollen sind ein wichtiger Schritt hin zu transparenteren Nachhaltigkeitsstandards in der Viehzucht im brasilianischen Amazonas.

Rinderfarmen auf mehr als 60 Prozent der entwaldeten Flächen

„Die drei Firmen haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, die Entwaldung im Amazonas aus der Beschaffungskette ihrer Rinder zu minimieren“ sagt Jannes Stoppel, Greenpeace-Experte für Wälder. „Dies ist ein klares Zeichen an die Farmer und deren Abnehmer, die weiterhin Regenwald im Amazonas für die Viehzucht roden oder geschützte Gebiete und indigene Territorien missachten.“

Die Viehzucht zerstört noch immer riesige Waldflächen im brasilianischen Amazonas. Rinderfarmen belegen zurzeit mehr als 60 Prozent der entwaldeten Fläche dort; nach Kahlschlag oder Brandrodung treiben die Farmer ihre Tiere auf diese Flächen. Wegen der Dürren im Süden Brasiliens – teilweise durch die Entwaldung verursacht – werden immer mehr der 223 Millionen Rinder des Landes im gerodeten Amazonas gehalten.

Greenpeace-Report brachte Firmen zum Einlenken

Die drei Schlachthäuser, die nun ihre Berichte veröffentlichten, wirken derartiger Regenwaldzerstörung entgegen. Nach Angaben von Wirtschaftsprüfern kaufen sie zu mehr als 99 Prozent keine Rinder von Firmen, die in die Zerstörung involviert sind.

Im Oktober 2009 veröffentlichte Greenpeace einen Report, der die Fleisch- und Lederproduktion sowie die dadurch entstehende Entwaldung im brasilianischen Amazonas mit den Abnehmern verknüpft. Diese Studie fand viel Aufmerksamkeit bei Käufern von brasilianischem Leder wie Adidas, Clarks, Nike oder Timberland. Sie erzeugten Druck auf die Schlachthäuser in Brasilien; das führte dazu, dass sich JBS, Marfrig und Minerva öffentlich gegen die Entwaldung im brasilianischen Amazonas, Sklavenarbeit und die Missachtung von indigenen und geschützten Gebieten verpflichteten.  

Mehr Unternehmen müssen dem Rinder-Abkommen beitreten

Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das Rinder-Abkommen der Schlachthäuser die Entwaldung im Amazonas vermindert hat. Als bestehendes Problem führt sie auf, dass indirekte Handelsbeziehungen nicht genügend kontrolliert werden: die von Farmern, die das Abkommen nicht umsetzen, mit denen die es tun..

„Es kommt darauf an, dass auch andere brasilianische Schlachthäuser und deren Abnehmer dem Abkommen beitreten, um Tropenwaldzerstörung im Amazonas aus ihren Produkten zu verbannen“, sagt Stoppel. Auch die brasilianischen Rinderexportverbände (ABIEC und ABRAFRIFGO) und der Verband der brasilianischen Supermärkte (ABRAS) müssten eine klare Nachricht an ihre Mitglieder senden, um den Amazonas zu schützen.

Denn der Erhalt des Amazons sichert nicht nur einer beeindruckenden Artenvielfalt das Überleben, auch viele Menschen indigener Kulturen sind auf den Wald angewiesen. Die großen Tropenwälder regulieren das Weltklima und auch die regionalen Niederschläge in Brasilien. Die Veränderung dieser Niederschläge führt wiederum zu mehr Dürren und Wasserknappheit. Die Entwaldung im Amazonas zu stoppen ist daher eine der schnellsten und günstigsten Möglichkeiten, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. 

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

„Acht Milliarden Tonnen CO2“

Brennende Wälder sind gefährlich – selbst wenn Menschen und Tiere nicht unmittelbar zu Schaden kommen. Greenpeace-Experte Christoph Thies erklärt den Klimafaktor Waldbrand.

Die Mischung macht‘s

Zu jung, zu eintönig, zu wenig naturnah – der deutsche Wald ist buchstäblich nicht mehr er selbst. Mit Folgen für die biologische Vielfalt und das Klima, so eine aktuelle Studie.

Mängelexemplar Qualitätssiegel

Greenpeace beendet seine Mitgliedschaft im FSC, der mit seinem Siegel nachhaltige Forstwirtschaft kennzeichnen will. Waldexperte Christoph Thies erklärt den Schritt.