Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Greenpeace-Aktivisten entdecken Gartenmöbel aus Urwaldzerstörung

Konfisziert: Klimakiller Gartenmöbel

Es ist Sonnabendvormittag. In einem Nürnberger Holzmarkt, einem Vertragshändler der Hagebau-Gruppe, ist heute nicht nur die gewohnte Kundschaft unterwegs. Bei den Gartenmöbeln tut sich etwas: Greenpeace-Aktivist/innen haben dort Möbel aus Teak, Akazie und Shorea (Meranti oder Bangkirai) gefunden – alles Tropenhölzer, die größtenteils aus Raubbau am Urwald stammen. Aus Protest gegen die Urwald- und Klimazerstörung kennzeichnen die Aktivisten die Möbel als konfisziert.

  • /

Mit Gartenmöbeln aus Tropenholz ohne FSC-Siegel täuschen die Baumärkte ihre Kunden. Diese kaufen die Möbel, ohne zu wissen, dass sie damit den Klimawandel und das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten beschleunigen, sagt Corinna Hölzel, Urwaldexpertin von Greenpeace. Die letzten Urwälder sind unsere globale Klimaanlage und beheimaten bedrohte Arten wie den indonesischen Orang-Utan.

Plantagenholz ist leider in der Regel nicht besser als Holz aus direktem Einschlag. Für die Monokulturen – darunter auch Eukalyptuspflanzungen - wird im großen Stil Urwald zerstört. Abholzung und Brandrodung verursachen bereits ein Fünftel der globalen Treibhausgasemissionen. Greenpeace fordert deshalb den deutschen Holzhandel auf, nur noch zertifizierte Produkte aus ökologischer Forstwirtschaft anzubieten.

In Deutschland erhältliche Gartenmöbel aus Holz stammen vor allem aus Vietnam und Indonesien. Im vergangenen Jahr importierte Deutschland Holzmöbel im Wert von 90 Millionen Euro aus Vietnam, im Wert von 65 Millionen Euro aus Indonesien und für 29 Millionen Euro aus Brasilien. Durch die Zerstörung der Urwälder ist Indonesien nach den USA und China bereits der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasen. Brasilien kommt auf Platz vier.

Es gibt Alternativen zu den Möbeln aus Raubbau: Gartenmöbel von gleicher Qualität gibt es auch aus regionalen Hölzern wie Robinie oder aus ökologischer Forstwirtschaft. Die von allen großen Umweltverbänden anerkannte Organisation Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert weltweit ökologisch verträgliche und sozial gerechte Waldwirtschaft. Große Baumärkte wie Hornbach haben nach Auseinandersetzungen mit Greenpeace Produkte aus Urwaldzerstörung aus ihrem Programm genommen und bieten dafür jetzt FSC-Hölzer an.

Im Mai 2008 richtet die deutsche Bundesregierung den Urwaldgipfel der Vereinten Nationen (Convention on Biological Diversity, CBD) in Bonn aus. Greenpeace fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, im Vorfeld ihre Hausaufgaben zu machen. Sie muss sich jetzt für ein Urwaldschutzgesetz auf europäischer Ebene einsetzen und die Finanzierung von weltweiten Urwaldschutzgebieten vorantreiben.

Unser Einkaufsratgeber Holz & Wald hilft Ihnen, wenn Sie beim nächsten Möbelkauf für Balkon oder Garten selber zum Urwald- und Klimaschutz beitragen wollen. Sie können den Ratgeber direkt von unserer Seite herunterladen oder kostenlos bestellen: Telefon 040-306180. Und wir freuen uns, wenn Sie sich bei der Gelegenheit auch an unserer öffentlichen Recherche Urwaldholz am deutschen Markt beteiligen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Kontrolle ist besser

Palmöl des Konzerns Wilmar steckt in etlichen Süßigkeiten. In Zukunft will das Unternehmen garantieren können, dass seine Ware nicht aus Regenwaldzerstörung stammt – dank Technik.

Der Weihnachtsmüffel

Oh Tannenbaum, wie stinken deine Blätter: Gewächse aus gängiger Massenbaumhaltung duften meist wenig weihnachtlich. Unsere Autorin lernte, wie Weihnachtszeit mit Tannenaroma geht.

Zehntausende stehen zusammen

Es ist die bislang größte Anti-Kohle-Demo im Rheinischen Revier: Zehntausende protestieren am Hambacher Wald für Klimaschutz – und feiern den vorläufigen Rodungsstopp.