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Kabila will Holzindustrie reformieren

Keine neuen Einschlagkonzessionen im grünen Herzen Afrikas

Der Präsident der Demokratischen Republik Kongo hat diese Woche beschlossen für 40 Millionen Hektar Regenwald keine neuen Einschlagkonzessionen zu vergeben. Das entspricht einem Waldgebiet, das größer ist als Deutschland. Gleichzeitig sollen alle bestehenden Konzessionen durch eine amtliche Kommission und mit Hilfe unabhängiger, internationaler Experten auf ihre Rechtmäßigkeit überprüft werden. Wenn diese Untersuchungen ernsthaft durchgeführt werden, ist zu erwarten, dass viele der bereits vergebenen Einschlagsrechte zurückgenommen werden müssen.

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Bereits 2002 hatte die Regierung der Demokratischen Republik Kongo mit einem Moratorium beschlossen, keine neuen Konzessionen mehr zu vergeben. Dieses Moratorium wurde seitdem jedoch regelmäßig gebrochen. Trotz des Moratoriums wurden seit 2002 mehr als sechs Millionen Hektar Wald zur Nutzung vergeben.

All diese Konzessionen müssen jetzt überprüft werden. Durch den Erlass von Kabila wird das Moratorium bekräftigt und kein Spielraum mehr für Interpretationen gelassen. Das Moratorium soll so lange aufrecht erhalten werden, bis alle bestehenden Nutzungskonzessionen überprüft und neue Regelungen für die Vergabe neuer Konzessionen beschlossen sind.

Der Regenwald des Kongobeckens ist der zweitgrößte Urwald der Welt. Hier leben viele seltene Tiere, wie das Okapi oder der Kongo Pfau, die nirgendwo anders auf der Welt vorkommen. Die Wälder des Kongos beheimaten ebenfalls unsere nächsten Verwandten: Schimpansen, Bonobos und Gorillas.

Die Regenwälder des Kongos erhalten eine neue Chance, sagt Sandra Pfotenhauer, Greenpeace Waldexpertin. Korrupte und illegal agierende Holzfirmen können nun enttarnt und aus dem Wald verbannt werden. Die in Afrika weitverbreitete illegale Abholzung zerstört nicht nur den Urwald, sondern bringt auch viele soziale Konflikte mit sich. Sie fördert den illegalen Handel mit Wildfleisch und gefährdet so das Überleben von Schimpansen und Gorillas.

Greenpeace hat im Kongo eigene Untersuchungen zur Abholzung durchgeführt und festgestellt, dass diese nicht zu nachhaltiger Entwicklung und Armutsbekämpfung beitragen, wie gerne von der Holzindustrie behauptet wird. Stattdessen führen die Einschläge zu Armut, sozialen Konflikten und Umweltzerstörung.

Bisher hat die Industrie ihre Gesetze selbst gemacht, den Urwald zerstört, um Holz nach Europa, Asien und in die USA zu liefern und sich daran zu bereichern, berichtet Pfotenhauer. Der Erlass ist ein wichtiger Schritt Richtung verantwortungsbewusstem Waldmanagement. Aber dieses kann in einem Land wie der Demokratischen Republik Kongo nur mit internationaler Hilfe erreicht werden.

Pfotenhauer fordert: Auch unsere neue Regierung muss Maßnahmen gegen den Handel von Holz aus illegalen Quellen und Urwaldzerstörung beschließen. Ein wichtiger Schritt zur Rettung der Wälder ist der Beschluss und die Umsetzung eines Urwaldschutzgesetzes.

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