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Kein Urwaldzellstoff aus Kanada für deutsche Zeitschriften!

Gegen den Schiffstransport von Zellstoff nach Deutschland protestieren Greenpeace-Aktivisten seit Freitagmorgen auf dem Saguenay-Fluss in der kanadischen Provinz Quebec. Die Aktivisten haben versucht, von Schlauchbooten auf den Frachter zu klettern. An die Schiffswand haben sie die Forderung: Rettet den borealen Urwald! gemalt. Knapp 400 Kilometer nördlich von Quebec produziert die Firma SFK Pulp Zellstoff, für dessen Herstellung der Urwald in der Region kahl geschlagen wird. Das Schiff Jaeger Arrow soll 8.000 Tonnen Zellstoff im Wert von drei Millionen Dollar nach Europa transportieren. Der Zellstoff ist auch für das deutsche Papierwerk von Stora Enso bei Hagen bestimmt. Führende Magazin-Verlage und Kataloghersteller in Deutschland beziehen einen Teil ihres Papiers von diesem Werk.

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Die Verlage in Deutschland müssen endlich sicher stellen, dass ihr Papierbedarf nicht zur Zerstörung der Urwälder beiträgt, sagt Oliver Salge, Waldexperte von Greenpeace. Sie müssen von ihren Papier-Lieferanten fordern, den Kahlschlag zu beenden. Die einfachste Lösung ist es, Recyclingpapier oder Papier aus ökologischer Waldwirtschaft mit dem Zeichen des FSC zu kaufen. Der FSC ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die das überzeugendste System zur Zertifizierung ökologischer Forstwirtschaft betreibt.

Ein vor drei Wochen veröffentlichter Greenpeace-Report belegt, dass auch deutsche Verlage Papier aus kanadischer Urwaldzerstörung verwenden. Der Greenpeace-Report untersucht die Holzwirtschaft der beiden kanadischen Provinzen Ontario und Quebec, in denen die Firmen Abitibi-Consolidated, Bowater und Kruger seit Jahren große Urwälder kahl schlagen. Zwei Drittel des Urwaldes, den die drei Firmen ausbeuten, sind bereits komplett zerstört oder stark verwüstet. Die betroffene Fläche entspricht zwei Dritteln der Bundesrepublik. In Deutschland zählen beispielsweise der DuMont Verlag und die Holtzbrinck Verlagsgruppe zu den Kunden.

Deutschland importierte im Jahr 2005 über 600.000 Tonnen Papier und Zellstoff aus Kanada. Der Kahlschlag verschärft auch den Klimawandel. Nach dem letzten Bericht des Weltklimarates IPCC gehen bis zu ein Fünftel der Treibhausgas-Emissionen auf die weltweite Zerstörung der Wälder zurück. Kanadas Urwald speichert 47,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Das entspricht der siebenfache Menge an Kohlenstoff, die weltweit jährlich durch die Verbrennung fossiler Energieträger entsteht. Wird der Urwald abgeholzt, entweichen Kohlendioxid und andere Treibhausgase aus dem Boden in die Atmosphäre.

Der boreale Urwald Kanadas formt zusammen mit den Wäldern Skandinaviens, Russlands und Alaskas das größte Waldökosystem der Nordhalbkugel. Zahlreiche Vögel und Säugetiere sind auf intakten Urwald in Kanada angewiesen, wie etwa Bär, Wolf und Karibu. Wissenschaftler befürchten, dass das Karibu, das die 25-Cent-Münze Kanadas prägt, ohne den Schutz des Urwaldes in einigen Jahrzehnten regional ausgestorben sein wird.

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