Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Kein Einschlag in finnischen Urwäldern!

Kein Einschlag - wichtiger Rentierwald. Dieser Hinweis findet sich auf Schildern, mit denen Greenpeace-Aktivisten seit Montag die bedrohten Urwälder bei Inari in Lappland kennzeichnen. Bei arktischem Winterwetter bringen sie zusammen mit den Ureinwohnern Nordfinnlands, den Sami, die Schilder entlang der Grenze eines 5,5 Quadratkilometer großen Gebietes an.

Kein Einschlag - wichtiger Rentierwald. Dieser Hinweis findet sich auf Schildern, mit denen Greenpeace-Aktivisten seit Montag die bedrohten Urwälder bei Inari in Lappland kennzeichnen. Bei arktischem Winterwetter bringen sie zusammen mit den Ureinwohnern Nordfinnlands, den Sami, die Schilder entlang der Grenze eines 5,5 Quadratkilometer großen Gebietes an.

Der Grund für den Protest nördlich des Polarkreises: Die finnische Regierung lässt erneut Urwälder einschlagen, die wichtige Futterquellen für die Rentierherden der Sami sind. Dadurch sind die Sami in ihrer Existenz und Kultur bedroht.

Das Vorgehen der finnischen Regierung ist skandalös und wird auch vom Menschenrechtskomitee der Vereinten Nationen kritisiert, sagt Oliver Salge, Greenpeace-Waldexperte vor Ort in Finnland.

Mit unserer Urwaldschutzstation unterstützen wir die Sami bei ihrem Protest, damit diese wichtigen Wälder für künftige Generationen erhalten bleiben, erklärt Salge.

Die deutschen und finnischen Aktivisten gehören zu der Urwaldschutzstation von Greenpeace, die seit dem 2. März inmitten eines von Kahlschlag bedrohten Urwaldes steht. Bei Temperaturen bis zu minus 30 Grad dient die Station Greenpeace-Aktivisten aus mehreren europäischen Ländern, darunter Frankreich, Holland, Irland und Deutschland, als Basislager.

Bedürfnisse der Sami werden ignoriert

Greenpeace fordert die finnische Regierung auf, das Abholzen der letzten Urwälder in Finnland sofort zu stoppen und faire Verhandlungen mit den Sami über einen langfristigen Schutz der Wälder aufzunehmen. Bis heute ignoriert die Regierung die Bedürfnisse der Sami-Rentierhalter. Diese nutzen den Urwald in Nordfinnland seit Jahrhunderten für die Rentierhaltung mit frei im Wald umherziehenden Tieren.

Im Winter sind Rentiere auf den Flechtenbewuchs alter Kiefern als Nahrung angewiesen, da sie den Boden im hohen Schnee nicht mehr freischarren können. In polaren Regionen mit kurzen Sommern kann das Aufwachsen neuer Vegetation sehr lange dauern, der ursprüngliche Zustand wird noch seltener erreicht als in anderen Klimazonen.

Kahlschlag mit irreführendem Zertifikat

Dessen ungeachtet riskiert die Forstindustrie mit Kahlschlag die Ausweitung der baumlosen Regionen. Der bedrohte Urwald befindet sich in finnischem Staatsbesitz. Mehr als zwei Drittel des vom staatseigenen Forstbetrieb Metsähallitus geschlagenen Holzes in Lappland wird zur Produktion von Zellstoff und Papier verwendet.

Verschleiert wird die Urwaldzerstörung durch das Industriezertifikat PEFC, mit dem Holz aus Finnland als nachhaltig produzierte Ware bezeichnet wird. Finnischen Medienberichten zufolge erwägt Metsähallitus zur Zeit einen vorübergehenden Einschlagstopp in einem kleinen Teilgebiet. Das ist immerhin ein Anfang.

Wollen Sie mehr darüber erfahren, was im Finnland-Camp geschieht? Dann schauen Sie in unser Weblog. Dort finden Sie Berichte und Fotos aus der Urwaldschutzstation im Norden Finnlands. Das Weblog wird vor Ort täglich aktualisiert.

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Eye On The Taiga

Wie die angeblich "nachhaltige Forstwirtschaft" der Industrie in Russland die großen Wälder des Nordens zerstört. (Englischsprachiger Report.)

Mehr zum Thema

Kontrolle ist besser

Palmöl des Konzerns Wilmar steckt in etlichen Süßigkeiten. In Zukunft will das Unternehmen garantieren können, dass seine Ware nicht aus Regenwaldzerstörung stammt – dank Technik.

Alle Maschinen auf Stopp

Seit Jahren kämpft Greenpeace für den Schutz des Bialowieza-Urwalds in Polen, nun der Erfolg: Der Europäische Gerichtshof entschied, dass die Abholzungen in dem Wald illegal waren.

Macht der Einbildung

Ein Greenpeace-Report aus Brasilien zeigt, wie fiktive Baumbestände, von der Industrie ausgedacht, illegalen Holzhandel verdecken. Ein Systemfehler, der das Amazonasgebiet bedroht.