Europäische Firmen beteiligt an Urwaldzerstörung in Afrika

Kamerun: Ohne Urwälder keine Waldelefanten

Die letzten Urwälder im afrikanischen Kongo-Becken sind in Gefahr. Wenn die Zerstörung unvermindert weiter geht, werden sie in wenigen Jahren das Schicksal der Wälder Westafrikas teilen: In Ghana und an der Elfenbeinküste sind die Urwälder bereits fast vollständig der Säge zum Opfer gefallen.
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Seit mehr als 30 Jahren sind internationale Holzfirmen auch in Kamerun tätig. Die überwiegend europäischen Unternehmen dringen immer weiter in die letzten tropischen Urwälder im Süden und Südosten des Landes vor. Experten schätzen, dass in zehn bis 15 Jahren die ökonomisch wertvollsten Baumarten verschwunden sein werden.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Abholzung in den anderen Tropenwäldern des Kongo-Beckens weiter gehen wird, denn die Holzfirmen sind auch dort schon aktiv. Rund 80 Prozent der unzerschnittenen intakten großen Urwälder Afrikas sind nach einer Schätzung des World Resources Institute (WRI) dadurch in ihrer Existenz gefährdet.

Kameruns schwindende Urwälder

Kamerun, von 1884 bis 1916 deutsche Kolonie, bis 1960 dann britisch und französisch, liegt an der Atlantikküste Zentralafrikas knapp nördlich des Äquators. Seine Urwälder gehören zu den artenreichsten des gesamten Kongo-Beckens: Wissenschaftler fanden hier mehr als 8000 höher entwickelte Pflanzen wie Bäume, Gräser und Gefäßpflanzen und über die Hälfte aller in Afrika lebenden Vogel- und Säugetierarten. 16 Affenarten, darunter Schimpansen und der Westliche Flachlandgorilla, und andere charakteristische Landsäugetiere wie der Afrikanische Waldelefant und der Leopard leben in den Urwäldern Kameruns.

Das Land fasziniert durch eine ganze Palette verschiedener Wälder: Bergwälder, atlantische Küstenwälder und tropische Urwälder. Diese Vielfalt steht jetzt auf dem Spiel. Die meisten großen Urwälder sind bereits verschwunden. Die Pygmäen, Ureinwohner Kameruns, sind von der Urwaldzerstörung besonders betroffen: Sie verlieren mit den Urwäldern ihre Heimat und Lebensgrundlage.

Export nach Europa

Innerhalb Afrikas ist Kamerun der größte Tropenholz-Exporteur. Im Jahr 2000 wurden rund 1,2 Millionen Kubikmeter nach Europa verschifft. In Kameruns größtem Exporthafen Douala wird nicht nur Holz aus Kamerun, sondern auch aus der benachbarten Republik Kongo gesägt und verarbeitet oder die Stämme als Rohholz auf Schiffe verladen. Die meisten Schiffe haben das selbe Ziel: Europa. Das Holz geht vor allem nach Italien, Spanien, Frankreich, Niederlande, Portugal, Deutschland, Belgien und England.

Fest in europäischer Hand

Kameruns Forstsektor wird traditionell von europäischen Firmen über Konzessionen beherrscht, wobei französische Konzerne dominieren. Wenige ausländische Firmen kontrollieren über 60 Prozent der Holzgewinnung und -verarbeitung sowie drei Viertel des Holzexports. Darüber hinaus werden meist einheimischen Firmen unter Vertrag genommen, um den Einfluss der Europäer zu vergrößern und die Verantwortung für illegale Machenschaften auf diese abwälzen zu können. Die Firmen besitzen häufig nur geringen Forst- und Umweltsachverstand. Es gibt noch keine Holzfirma in Kamerun, die den Wald nach ökologischen und sozialen Kriterien bewirtschaftet.

In aller Regel werden die Wälder rücksichtslos geplündert, wobei illegales Vorgehen an der Tagesordnung ist wie zum Beispiel Abholzungen außerhalb der Konzessionsgebiete oder Missachtung behördlicher Auflagen bezüglich frei gegebener Baumarten und -mengen oder Abholzungszeiten innerhalb der Konzessionsgebiete.

Die Forstindustrie behauptet, urwaldschonend vorzugehen, da sie nur selektiv Holz fälle. Dabei wüden nur wenige, wertvolle Bäume pro Hektar Wald abgeholzt. Dennoch werden durch das Fällen, den Abtransport und auch den Bau von Zufahrtsstraßen wesentlich größere Gebiete geschädigt als die selektive Abholzung vorgaukeln möchte. Die Firmen werden für die von ihnen verursachte Verwüstung selten belangt. Selbst wenn der Staat Bußgelder verhängt, stehen diese in keinem Verhältnis zum tatsächlich angerichteten Schaden.

Der Regierung Kameruns sind die Verbrechen der Forstindustrie in den Urwäldern durchaus bewusst. Schließlich gehen ihr durch illegale Holzfäller Steuergelder in Millionenhöhe verloren. Doch Korruption verhindert die Kontrolle und Strafverfolgung der Holzindustrie.

Wie groß der Einfluss aus dem Ausland ist, wurde 1994 deutlich, als die Regierung in Kamerun ein Exportverbot für Holz erlassen wollte. Die französische Regierung drängte erfolgreich auf Ausnahmeregelungen für mehrere Holzarten, da ein Verbot den ökonomischen Interessen der französischen Holzfirmen zuwider lief.

Raubbau am Wald ist auch Raub am Menschen

In dem Bestreben, den größtmöglichen Profit aus der Holzgewinnung zu erzielen, agieren viele Firmen auch außerhalb ihrer Konzessionen illegal in Wäldern lokaler Gemeinden. Sie bestechen die Dorfbewohner, erkaufen sich deren Wälder für einen viel zu geringen Betrag und missachten das Mitbestimmungsrecht der Kommune.

Gravierende soziale Probleme bei der Landbevölkerung sind die Folge: Übertragung von Krankheiten, Alkoholismus und Prostitution, um nur einige zu nennen. Die Firmen plündern die Flächen in möglichst kurzer Zeit und hinterlassen so einen Wald, der für die Dorfbevölkerung nur noch wenig Nutzen hat. Oft werden alle Bäume einer Art abgeholzt, so dass diese Bäume dann auch nicht mehr nachwachsen. Dadurch fallen wichtige Einkommensquellen weg, wie zum Beispiel der Moabi-Baum.

Wilderei

Im Umkreis von Waldgebieten, für die Abholzungslizenzen vergeben wurden, nimmt die Jagd sprunghaft zu, wodurch viele Säugetiere an den Rand der Ausrottung getrieben werden. Der Bau von Straßen durch bis dahin unberührte Gebiete zieht meist auch die unkontrollierte Jagd auf Antilopen, Schimpansen, Gorillas und Waldelefanten nach sich. Es entstehen ganze Siedlungen mit Märkten für Buschfleisch. Holzfäller stellen nicht selten die entsprechende Infrastruktur für die Wilderei, indem sie sowohl das Fleisch transportieren als auch Jäger befördern und ihnen das Fleisch abkaufen.

Die Jäger machen nicht an den Grenzen von Naturparks Halt, wo die Jagd streng verboten ist, sondern sind dort besonders aktiv, weil nicht genug kontrolliert werden kann.

Der Weg nach Deutschland

Deutschland importiert regelmäßig illegales Holz aus Kamerun, für das Urwald vernichtet wurde. Im Jahr 2000 wurden mehr als 91.000 Kubikmeter Holz aus Kamerun im Wert von ca. 31,5 Millionen Euro nach Deutschland verschifft. Das Holz kommt hauptsächlich als Stammholz (rund 23,5 Millionen Euro), gefolgt von Schnittholz und geringen Mengen Furniers. Kamerun ist Deutschlands größter Rundholz-Lieferant in Afrika und nach Ghana zweitgrößter Lieferant für afrikanisches Schnittholz. Deutsche Händler beziehen Holz direkt von Firmen in Kamerun, die Urwälder zerstören, soziale Konflikte und Wilderei verursachen.

Die französische Firma Rougier ist einer der größten Holzkonzerne in Afrika und einer der bekanntesten Tropenholzverarbeiter der Welt. Greenpeace-Recherchen zufolge holzt die Firma auch außerhalb ihrer Konzessionsgebiete illegal Gemeindewälder ab, ist in soziale Konflikte verwickelt, besticht andere Firmen, unterstützt deren illegale Aktivitäten und verarbeitet ihr Holz. Die Firma beliefert regelmäßig deutsche Holzhändler.

Die deutsch-holländische Firma Wijma, mit Niederlassungen in Kamerun, ist für Deutschland einer der größten Importeure von Urwaldholz aus Afrika. Wijma kauft Holz von Firmen, die nachweislich in illegale und zerstörerische Holzgewinnung verwickelt sind. Wijma verarbeitet illegal gefälltes Holz aus einem der artenreichsten und schützenswertesten Wälder im Südwesten Kameruns.

Die deutsche Firma Danzer mit Sitz in Reutlingen kauft durch ihre Schweizer Tochter IHC Holz direkt aus illegaler Produktion von der Firma MMG (Mba Mba Georges) aus dem Westen Kameruns ein. MMG holzt ebenfalls außerhalb seiner Konzessionsgebiete ab, zerstört kommunalen Wald, zahlt Bußgelder nicht und fällte bislang Urwaldholz mit einem Marktwert von mehreren Millionen Euro.

Die libanesische Firma Hazim steht schon seit einigen Jahren wegen illegaler Waldbewirtschaftung, Missachtung von Forstgesetzen, Verursachung sozialer Konflikte und immenser Umweltschäden in Kamerun in der Kritik . In einem Fall fällte Hazim illegal Bäume mit einem Marktwert von mehreren Millionen Euro, das 2001 verhängte Bußgeld hingegen betrug nur wenige Tausend Euro. Greenpeace-Recherchen belegen, dass Hazims Holzlieferungen nach Deutschland unvermindert weiter gehen.

Deutschen Holzhändlern sind die Firmen und deren Vorgehen bekannt. Die deutsche Holzwirtschaft lehnt offiziell Holz ab, für das Urwald zerstört wurde. Dennoch machen sie nach wie vor Geschäfte mit den Urwaldzerstörern.

Heimat der Gorillas geraubt für Brücken und Parkett

Bongossi, auch Azobe genannt, ist eines der afrikanischen Hölzer, das in Deutschland häufig beim Wasserbau für Brücken und Buhnen ein gesetzt wird. Das Holz wird als Stamm- und Schnittholz aus Kamerun importiert.

Afrormosia ist eine Art, die in Kamerun besonders bedroht ist. Sie fällt unter das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) und steht dort in Anhang II. Das bedeutet, dass das Holz nach Deutschland importiert werden darf, allerdings nur mit speziellen Papieren. In Deutschland wird Afrormosia hauptsächlich zu Parkett verarbeitet.

Weitere in Deutschland zur Herstellung von Türen, Fenstern und Möbeln verwendete afrikanische Tropenhölzer sind zum Beispiel Sapelli, Sipo, Iroko, Okoume, Wenge, Limba, Framire und Ayous.

Ngoila Mintom muss unter Schutz gestellt werden

Das Waldgebiet Ngoila Mintom (etwa 8000 Quadratkilometer) im Süden des Landes ist der letzte große intakte Urwald Kameruns, der noch nicht unter Schutz steht. Industrielle Holznutzung und andere industrielle Vorhaben müssen in diesem einmaligen Urwald verboten werden. Ngoila Mintom fällt eine ökologische Schlüsselrolle zu, da es noch stark bedrohte Tiere wie Schimpansen, Westliche Flachlandgorillas, Mandrills und Waldelefanten beherbergt. Es verdient daher einen besonderen Schutzstatus. Hierfür muss die internationale Staatengemeinschaft Mittel zur Verfügung stellen.

Bereits im Juli 2000 protestierte Greenpeace Deutschland mit einer Aktion in Nordenham bei Bremerhaven gegen den Import von Holz aus Urwaldzerstörung in Afrika: Mit dem Holzfrachter MV Aegis wurden 500 Baumstämme aus Kamerun nach Europa verschifft - geliefert von Firmen, die nachweislich in illegale Urwaldzerstörung verwickelt sind. Die Aktivisten schrieben in großen gelben Buchstaben African Crime auf die Stämme und blockierten die Verladekräne.

Die Politik ist gefragt

Seit 1998 berichten offizielle Reports, dass der größte Teil des in Kamerun produzierten Holzes aus illegaler Produktion stammt. Doch die Regierung hat nur wenig Kontrolle. Auch die deutsche Bundesregierung hat bis heute keine Maßnahmen gegen den Import von Holz aus Urwaldzerstörung ergriffen.

Der Schutz der letzten großen intakten Urwälder der Erde und damit das Überleben der Tiere und Menschen im Wald muss für alle Beteiligten in Politik, Handel und Zivilgesellschaft eine vorrangige Aufgabe sein. Das heißt:

  • Motorsägen anhalten: keine industriellen Abholzungen oder andere industrielle Vorhaben in den verbliebenen Urwäldern.
  • Maßnahmen: Für alle Urwälder müssen langfristige Schutzkonzepte entwickelt werden. Das bedeutet, weite Teile aus der Nutzung heraus zu nehmen und andere Gebiete ökologisch zu bewirtschaften.
  • "Moneten": Da dieser Nutzungsverzicht für die betroffenen Länder zunächst zu finanziellen Einbußen führt, müssen die reichen Länder durch einen internationalen Fonds für Ausgleich sorgen.

Das können Sie tun:

  • Verzichten Sie auf Produkte aus Urwaldzerstörung. Wählen Sie möglichst Holzprodukte, die das FSC-Siegel tragen.
  • Gehen Sie sparsam mit Papier um und verwenden Sie Recyclingpapier.
  • Fordern Sie die Bundesregierung auf, keine Produkte aus Urwaldzerstörung zu importieren und ihre Einkaufspolitik ökologisch auszurichten.
  • Fordern Sie Firmen auf, kein Holz aus Urwaldzerstörung zu kaufen und auf Produkte umzusteigen, die nach ökologischen und sozialen Kriterien zertifiziert sind (FSC).

Stand 10/2006

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