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Indonesische Palmöllobby windet sich heraus

Der Palmöl-Skandal schlägt weiter Wellen. Nestlé betreibt Greenwashing und weist den Palmöllieferanten die Schuld zu; die wiederum fordern unabhängige Gutachter und die indonesische Politik kommt zwischen all den Lobbyisten auf keinen grünen Zweig. Immerhin: Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono bedankte sich für die Unterstützung durch Greenpeace und will zukünftig die illegalen Rodungen vor Ort strikter verfolgen.

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Der größte indonesische Palmölproduzent Sinar Mas kündigte nun in einer Presseerklärung an, die Vorwürfe von Greenpeace durch einen unabhängigen Dritten überprüfen zu lassen. Nicht überraschend, dass die Wahl auf Control Union fiel – einen Zertifizierer, der nach eigener Aussage mit den indonesischen Gesetzen recht pragmatisch umgeht. Greenpeace-Berichte belegen, dass Control Union entgegen den Standards Palmölplantagen zertifiziert, die durch illegale Rodungen in Gebieten mit Landkonflikten entstanden sind.

Auch mit der Glaubwürdigkeit von Sinar Mas ist es nicht weit her, da der Konzern bekannterweise gegen nationales und internationales Recht verstößt. Es gibt also allen Grund, an der Seriösität und der Unabhängigkeit der Überprüfung zu zweifeln – zumal Sinar Mas sie finanziert.

Der Palmöl-Skandal erhitzt mittlerweile immer mehr Gemüter. Umwelt-, Verbraucher- und Menschrenrechtsverbände bilden Netzwerke und erhöhen den Druck auf die Verantwortlichen.

Immer mehr Berichte von sozialen Missständen und Umweltschäden durch die Palmölindustrie machen die Runde. Greenpeace traf sich am 8. April auf Einladung des indonesischen Präsidenten mit anderen NGOS wie Walhi, Sawit Watch, Forest Watch, WWF in Jakarta. Dort übergab Greenpeace einem Berater des indonesischen Präsidenten belastendes Material zu Sinar Mas. In der nächsten Woche werden die Lösungsvorschläge von Greenpeace unter anderem Thema der Kabinettssitzung sein. Unterdessen betreiben das Wald-, das Handels- und das Landwirtschaftsministerium Schadensbegrenzung und treffen sich mit der Palmöllobby.

Greenpeace fordert weiterhin ein Moratorium, um die unverantwortliche Zerstörung des indonesischen Waldes und deren soziale Konsequenzen zu stoppen. Insbesondere große Konzerne wie Nestlé müssen ihren Einfluss geltend machen. Bisher hat der Konzern nur seine direkten Verträge mit Sinar Mas gekündigt. In Europa bezieht Nestlé sein Sinar-Mas-Palmöl jedoch über Zwischenhändler und windet sich aus der Verantwortung. Nestlé benötigt bei seiner Entscheidung offensichtlich die Unterstützung seiner Kunden!

(Autorin: Michelle Bayona)

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