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Indonesien: Urwaldschutz ist Klimaschutz

Verkohlte Baumreste, tristes Ödland durchzogen von einem Netzwerk tiefer Gräben. Es ist kein schöner Anblick, der sich den Aktivisten des Forest Defenders Camp (FDC) bietet - der Urwaldschutzstation in Indonesien, die Greenpeace kürzlich in der Nähe einer Palmölplantage errichtet hat. Ursprünglich war hier tiefster Urwald. Um gegen dessen weitere Zerstörung zu protestieren, haben Aktivisten am Montag ein 10x12 Meter großes Banner mit der Aufschrift Save our forest, save our climate entrollt. Aufgehängt wurde das Banner am Rand der Plantage.

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Sie wollen damit die andauernde Zerstörung der indonesischen Torfmoorwälder in den Mittelpunkt rücken. Denn deren Vernichtung dauert weiter an. Dabei war der indonesiche Agrarminister Anton Apriyantono kürzlich in Großbritannien, um für nachhaltig erzeugtes Palmöl zu werben. Es hieß, der Minister hätte den Umweltschutz als Herzstück der künftigen Palmöl-Produktion angegeben. Das Zerstören geschützter Wälder werde bestraft.

Die Banner-Aktion ist eine von vielen. Im Camp lernen am Montag Einwohner der Dörfer Kuala Cenaku und Kuala Mulia während eines Trainings, wie sie Waldbrände selbst löschen können. Die Aktivisten des FDC dokumentieren Waldbrände sowie die Artenvielfalt in der Provinz Riau. Das FDC ist Teil internationaler Einsätze von Greenpeace zum Schutz der letzten Regenwälder. Urwaldschutz soll bei den im Dezember stattfindenden Klimaverhandlungen auf Bali oberste Priorität haben.

Die Umwandlung von Wäldern in Plantagen zerstört nicht allein wertvolle Ökosysteme. Sie trägt zudem dazu bei, dass Indonesien weltweit der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasen ist. Eine der Hauptursachen dafür ist die Zerstörung der Torfmoor-Wälder in Kalimantan und Sumatra speziell für die Palmölproduktion, sagt Hapsoro, Sprecher von Greenpeace Süd-Ost-Asien.

Mehr als zehntausend Jahre haben die tropischen Torfmoore gebraucht, um unter den Torfmoor-Wäldern zu entstehen. Wenn diese Wälder sterben, werden riesige Mengen Torf und damit enorme Mengen CO2 frei. CO2, das sich im Torf über Generationen von Bäumen angesammelt hat. In Indonesien gibt es 22,5 Millionen Hektar Torfboden. Das macht 12 Prozent seiner gesamten Bodenfläche aus und 83 Prozent von ganz Süd-Ost-Asiens Torfmoor. Schätzungsweise 42 Milliarden Tonnen CO2 werden darin gespeichert.

Susanto Kurniawan, Sprecher der NGO Jikalahari in Riau, erklärt die Situation: Die momentane Palmöl-Produktion ist unhaltbar. Sie zerstört die verbleibenden natürlichen Wälder von Riau und anderen Teilen Sumatras. Damit vernichtet sie die letzten Lebensräume vieler gefährdeter Arten. Menschen werden vertrieben und riesige Mengen von klimaschädlichen Gasen freigesetzt.

Urwaldzerstörung wird ganz oben auf der indonesischen Agenda stehen. Der Regierung ist bewusst, dass Indonesien Mittelpunkt internationalen Interesses sein wird, wenn das Land Gastgeber des weltweit größten Treffens zum Klimawandel ist. Sofern Indonesien international ernst genommen werden will, muss es mehr tun, als nur reden. Es muss jetzt handeln, um seine riesigen CO2-Speicher zu schützen, so Hapsoro. Greenpeace verlangt von der Indonesischen Regierung, dass sie ein Moratorium für die Umwandlung und Zerstörung der Torfmoor-Wälder verabschiedet. Außerdem soll sie die Durchführung eines effektiven Aktionsplans gegen Waldbrände sicher stellen - vor den Klimaschutzverhandlungen auf Bali im Dezember, schließt er ab.

Auch auf längere Sicht muss die indonesische Regierung handeln. Neben einem Moratorium gegen Entwaldung und industriellen Holzeinschlag sind klare Gesetze, Steuerung und Strafverfolgung sowie ein System zur verantwortungsvollen Bodennutzung nötig.

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