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Illegaler Sojaanbau vernichtet brasilianischen Urwald

Update 19.00 Uhr MEZ (14.00 Uhr in Santarém) - Die friedliche Greenpeace-Banneraktion in Brasilien hat die illegalen Sojaanbauer auf den Plan gerufen. Der Präsident der landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaft in Santarém, José Donizetti Pires de Oliveira griff die Aktivisten mit Messern an, zerstörte Transparent und Autos. Die Aktivisten haben sich zurückgezogen und sind auf dem Weg zurück nach Santarém.

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Tief im brasilianischen Urwald, nahe Santarém, haben Greenpeace-Aktivisten am Montag ein großes Protestbanner auf einer kahl geschlagenen Fläche ausgebreitet. Die illegal für den Anbau von Soja gerodete Fläche entspricht 2.303 Fußballfeldern. Brasilianische Soja geht unter anderem nach Deutschland, wo sie eine große Rolle als Futtermittel in der Massentierhaltung spielt.

Das Feld, auf dem die Aktion stattfand, ist 1.645 Hektar groß - der größte Kahlschlag in dieser Region seit sieben Jahren. Es gehört nach Ermittlungen der brasilianischen Umweltbehörde (IBAMA) José Donizetti Pires de Oliveira. Er ist Präsident der landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaft in Santarém.

Die IBAMA hat Oliveira bereits zweimal zu Geldstrafen verurteilt. Dennoch setzt er seine illegalen Aktivitäten fort. Holzfäller und Sojaproduzenten haben sogar illegal eine Straße durch den Regenwald gebaut, um die Stadt Santarém mit der Bundesstraße Transamazonica zu verbinden. Nach Angaben von Paulo Adario, Leiter des Amazonas-Büros von Greenpeace, breitet die Sojafront sich immer stärker auch in entlegene Gebiete aus.

In den letzten drei Jahren sind in Brasilien mehr als sieben Millionen Hektar Regenwald verloren gegangen. Das Holz wird zu Möbeln und Papier verarbeitet, die Flächen werden zu Weide- und Ackerland. Die Zerstörung hat noch zugenommen, seit der US-amerikanische Agrarkonzern Cargill im August 2002 ankündigte, eine Million Tonnen Soja auf 300.000 Hektar Agrarfläche produzieren zu können.

Hauptleidtragende der unheilvollen Entwicklung sind die Menschen, die im und vom Urwald leben. Soziale Konflikte und Landstreitigkeiten machen ihnen das Leben schwer. Sie sind enormem Druck ausgesetzt und oft sogar mit dem Leben bedroht. Trotzdem zeigt die lokale Bevölkerung immer wieder einen bewundernswerten Mut. Die Dorfbewohner haben auch die Greenpeace-Aktion offen unterstützt, indem sie auf der gerodeten Fläche 50 Bäume pflanzten.

Wenn wir die Gesetze zum Schutz des Regenwalds und seiner Menschen nicht rigoros durchsetzen, enden wir in einer biologischen Katastrophe, so Paulo Adario. Der Amazonasurwald ist Heimat von Millionen Menschen und außerdem der meisten Tiere und Pflanzen dieses Planeten. Er stabilisiert außerdem das Klima. Einmal zerstört, ist er für immer verloren.

Die Aktion, an der unter anderem drei deutsche Aktivisten teilnehmen, soll auch auf die bevorstehende UN-Konferenz über Biologische Vielfalt (CBD) aufmerksam machen. Sie findet vom 20. bis 31. März im brasilianischen Curitiba statt. Greenpeace fordert die CBD auf, ein globales Netz von Schutzgebieten einzurichten. Die reicheren Länder, auch Deutschland, müssen dafür das Geld bereitstellen und die Einfuhr von illegal geschlagenem Holz rigoros unterbinden.

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