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Holzhandel: Gigantischer Beitrag zum Klimaschutz?

Der GDHolz (Gesamtverband Deutscher Holzhandel) ist DAS Sprachrohr der Holzhandelsbranche in Deutschland. Eine Stimme, die in Europa Gewicht hat, die viel bewirken könnte, würde sie für ein starkes Urwaldschutzgesetz sprechen. Doch das tut sie nicht. Greenpeace-Aktivisten erinnerten den Verband heute Morgen an seine Verantwortung: mit einer Aktion im Bremer Hilton Hotel, wo bis zum Abend der GDHolz-Außenhandelstag stattfindet.

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Als die Vertreter der deutschen Holzhandelsbranche am Morgen im Hilton eintreffen, werden sie von freundlichen Greenpeace- Aktivistinnen begrüßt. Als kleine Beigabe zur Tagung gibt es Infobroschüren zum Urwald- und Klimaschutz und den neuen Greenpeace- Holzratgeber. Zum Frühstück dann Bananen mit der Aufschrift Urwaldschutz beginnt in Bremen oder Urwaldschutz ist Klimaschutz.

Der GDHolz hat nach eigenen Angaben rund 1.000 Mitglieder an 1.200 Standorten. Sie stehen für ca. 80 Prozent des Gesamtumsatzes im deutschen Holzhandel - mehr als zehn Milliarden Euro.

In anderen Teilen der Welt steht ein großer Teil dieser zehn Milliarden Euro für die Zerstörung von Artenvielfalt und Lebensraum. Und nicht zuletzt steht die gewaltige Summe auch für die Zerstörung der globalen Klimabalance. Denn der GDHolz ist mitverantwortlich für Urwaldzerstörung, legale und illegale. Letztere macht unterschiedlichen Quellen zufolge rund 80 Prozent des gehandelten Holzes aus.

Umso besser, dass auf der Tagungsagenda wichtige Punkte wie illegaler Holzimport und Zertifizierung stehen, außerdem die Auswirkungen der Holznutzung auf das Klima und die CO2-Problematik. Die gesamte Tagung steht unter dem Motto Marktplatz der Ideen und Konzepte.

Mit welcher Ausrichtung die Themen diskutiert werden, ist eine andere Frage. Allen Lippenbekenntnissen zum Trotz hat sich der Verband bislang nicht durch Urwaldschutzgedanken hervorgetan. So leugnet der GDHolz immer noch den überwältigenden Anteil an illegalem Holz im Handel. Geradezu absurd aber wird es, wenn der Verband behauptet, durch Entwaldung werde das Klima geschützt. Aus einem Schreiben an Verbandsmitglieder:

Die Importmenge an tropischen Hölzern und Holzprodukten entspricht einer gebundenen Menge an CO2 von etwa 700.000 t. Diese Menge wird dauerhaft gespeichert, da das Holz verbaut wird. 700.000 t bedeutet, dass 25.000 PKW eine jährliche Fahrstrecke von 15.000 km zurücklegen, also klimaneutral fahren können. ... Ein wahrhaft gigantischer Beitrag des Holzfachhandels zum Klimaschutz! Machen Sie Ihre Kunden darauf aufmerksam!

Der deutsche Holzhandel müsse erkennen, dass es so nicht weitergehen könne, sagt Greenpeace-Expertin Corinna Hölzel. Urwaldschutz und Klimaschutz müssten vor Profitinteressen kommen. Verhinderung des Urwaldschutzgesetzes, Leugnung des Ausmaßes beim illegalen Einschlag, Intransparenz für Verbraucher. Dafür steht der GDHolz als Lobbyorganisation und macht seinen Job nach eigenen Aussagen sehr solide.

Diese Verbandspolitik ist besonders bedauerlich, gerade weil der GDHolz so viel Gewicht für den Urwaldschutz in die Waagschale werfen könnte. Hölzel: Der Verzicht auf Verarbeitung und Handel von nicht zertifiziertem Holz wäre ein Aufatmen für die Urwälder, die Artenvielfalt dort und die Menschen, die im und vom Wald leben.

Greenpeace fordert den GDHolz auf, seiner Verantwortung gerecht zu werden. Dazu gehört: Unternehmen, die an massiver Urwaldzerstörung beteiligt sind, aus dem Verband auszuschließen; die immensen Probleme anzuerkennen, die der Import von Holz aus legalem und illegalem Raubbau verursacht; die Blockadehaltung gegenüber dem FSC-Siegel aufzugeben. Das FSC-Siegel ist bislang das einzige, das eine ökologische, sozial gerechte und wirtschaftlich tragfähige Forstwirtschaft garantiert.

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