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Holzexporte gegen Urwaldschwund?

Mit einem groß angelegten Plan wollen die zentralafrikanischen Staaten den Urwald im Kongobecken schützen. So das Ergebnis des internationalen Gipfeltreffens in der Republik Kongo am Sonnabend. Greenpeace bezweifelt, dass diesem Plan Taten folgen werden.

Zu den Kernproblemen Zentralafrikas gehören Armut, mangelnde Transparenz und Korruption. Der Verkauf von Tropenholz gehört zu den großen Einnahmequellen der Staaten, zu deren Terrain das Kongobecken gehört. Ihre Regierungen berufen sich darauf, nicht auf diese Einnahmen verzichten zu können. Doch das Geld kommt den Gemeinwesen kaum zugute.

Es ist skandalös, wie wenig von dem Geld, das mit dem Holzexport verdient wird, bei der Bevölkerung ankommt. Stattdessen wird eine der wichtigsten Ressourcen und Lebensgrundlage von Millionen Menschen unwiderruflich vernichtet. Legal und - zu großen Teilen - illegal, beklagt Sandra Pfotenhauer, Waldexpertin bei Greenpeace.

Der Urwald im Kongobecken ist mit seinen 2,3 Millionen Quadratkilometern Fläche das weltweit zweitgrößte Regenwaldgebiet nach dem Amazonasurwald. Durch die ungehemmte, vielfach illegale Ausbeutung gehen jährlich Tausende Quadratkilometer dieser grünen Lunge der Erde verloren.

Mitspieler in diesem Spiel sind: die Regierungen der betroffenen Staaten selber, die nicht für den nötigen Druck und für Transparenz sorgen; lokale Beamte, die für Geld sogar illegale Aktivitäten zulassen; die großen internationalen Holzunternehmen, die den Urwald gnadenlos plündern; und die Abnehmerländer beispielsweise in der Europäischen Union.

Fehlende Umsetzung bestehender Gesetze und Mangel an Transparenz müssen nach Ansicht von Greenpeace als erstes angegangen werden, um die Armut im Kongobecken einzudämmen, den Urwald zu schützen und ihn auf nachhaltige Art zu bewirtschaften.

Aber auch die Abnehmerländer müssen aktiv werden. Ihre ungebremste Nachfrage heizt die Vernichtung des Urwalds an. Die Hälfte der afrikanischen Holzprodukte landen in Ländern der Europäischen Union. Greenpeace fordert deshalb die EU auf, längst überfällige Gesetze gegen den Import von Holz aus illegalen Quellen und Raubbau zu erlassen. Nur so kann auch der kriminelle, teils mafiose Sumpf ausgetrocknet werden, der mancherorts mit dem Abholzen der Regenwälder verbunden ist. (sit)

Einer der Hauptakteure in Zentralafrika ist das deutsch-schweizerische Unternehmen Danzer. Wenn Sie mehr über dessen Aktivitäten wissen wollen, lesen Sie bitte unseren Artikel Die Danzer-Gruppe und der Urwald.

Aktuelle Nachrichten zum Fall Danzer finden Sie auf der Internetseite unserer Greenpeace-Kolleg/innen in der Schweiz.

Wer als Verbraucherin oder Verbraucher beim Einkauf von Holzprodukten selber zum Urwaldschutz beitragen möchte, kann sich in unserem Holzratgeber informieren: Gute Hölzer, schlechte Hölzer

 

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