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Hannoverscher Stadtwald erhält FSC-Siegel

Mit der Vergabe des Gütesiegels ist am Montagabend die 10. Vollversammlung des Weltforstrates (Forest Stewardship Council, FSC) eröffnet worden. Das FSC-Siegel bekam die Stadt Hannover für ihren Stadtwald auf der gerade stattfindenden Holzmesse "Ligna" vom Bundesumweltminister überreicht. Das FSC-Zertifikat ist derzeit das einzige glaubwürdige Holz- und Bewirtschaftungs-Zertifikat, das von unabhängigen Prüfern vergeben wird. Es wird nach einem Bewertungsverfahren für eine umweltgerechte und sozialverträgliche Waldwirtschaft erteilt. Die Forstinhaber müssen freiwillig um eine Zertifizierung bitten.

Die Vergabe des FSC-Siegels für den hannoverschen Stadtwald sehen wir sehr positiv, sagte der Greenpeace-Waldexperte Martin Kaiser in Hannover. Besonders lobenswert ist, dass die Stadt den Naturland-Verband für die Überprüfung ausgesucht hat. Damit ist sichergestellt, dass die höchsten ökologischen Standards berücksichtigt wurden. Auch andere deutsche Städte haben ein FSC-Siegel für ihren Wald erhalten, darunter München, Wiesbaden, Berlin und Bonn.

Der Vertreter der Stadt Hannover würdigte in seiner Dankesrede besonders die Arbeit der Umweltverbände wie Naturland, Greenpeace und anderer. Sie haben die Übergabe des FSC-Zertifikats erst möglich gemacht.

Umweltminister Jürgen Trittin wies in seiner Rede darauf hin, dass der Schutz der Urwälder bereits beim Besuch eines Baumarktes beginne. Deshalb setze sich die Bundesregierung für FSC ein. Er kündigte an, dass der Bund ab 2006 nur noch FSC-zertifiziertes Holz einsetzen werde. Zugleich sollen die Waldflächen des Bundes in Zukunft nach den Regeln der naturnahen Waldbewirtschaftung unterhalten und nach FSC-Kriterien zertifiziert werden.

Der FSC-Generalsekretär Heiko Liedeke sagte, dass gegenwärtig 37 Millionen Hektar Wald zertifiziert seien, das entspricht rund zehn Prozent der bewirtschafteten Waldfläche weltweit. Er hob besonders die Rolle des deutschen Marktes für FSC-Holz hervor.

Ein weiterer Redner war der Brasilianer Vergilio Viana, der derzeitige Minister für Umwelt in Amazonien. Er forderte, dass der Weltforstrat auch mit kleineren Kommunen zusammenarbeiten solle. Auf dem 3. UN-Waldforum in dieser Woche will er den Vorschlag machen, dass FSC-Holz geringer besteuert werde als anderes Holz. Viana machte klar, dass er sich international für die Bevorzugung von FSC-zertifiziertem Holz gegenüber nicht-zertifiziertem einsetzt.

Der FSC (Weltforstrat) wurde 1993 in Toronto von Vertretern von Umweltinstitutionen, der Holzindustrie, Forstwirten, Organisationen indigener Völker, waldnutzenden Gemeinden und Zertifizierungsorganisationen für Waldprodukte aus 25 Ländern gegründet. Der Hauptgeschäftssitz befand sich zunächst in Oaxaca, Mexiko, wurde später aber nach Bonn verlegt.

Der Weltforstrat ist eine unabhängige, nichtstaatliche Organisation mit über 250 stimmberechtigten Mitgliedern. Das Ziel des FSC besteht in der weltweiten Förderung einer umweltgerechten und sozialverträglichen Bewirtschaftung der Wälder. Dies will er dadurch erreichen, dass sich Waldbetriebe durch unabhängige Prüfer freiwillig zertifizieren lassen. Hierzu hat der FSC ein Gütesiegel geschaffen, das auf zehn international verbindlichen Prinzipien und Kriterien beruht.

Weiere Informationen zum FSC und dem Gütesiegel finden Sie auf unserer Seite: "Der FSC"

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