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Gütesiegel für Artenvernichtung?

Für hunderte Arten könnte das neue finnische Forstsiegel das Ende ihrer Existenz besiegeln. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie Certifying Extinction? (Besiegelte Artenvernichtung), die am Montag von Greenpeace, dem finnischen Naturschutzbund (FANC) und der finnischen Naturliga in Helsinki veröffentlicht wurde. Die Studie zeigt, dass selbst die kürzlich neu überarbeiteten Standards des finnischen Zertifizierungssystems die Abholzung von Urwäldern nicht verhindern und die Zerstörung von Lebensräumen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten zulassen.

Über 500 Tier- und Pflanzenarten sind so vom Aussterben bedroht - darunter Lapplandmeise, Flughörnchen und Vielfraß, die es zum Teil nur noch in Estland und Finnland gibt. Unter dem finnischen Zertifizierungssystem werden auch die uralten Wälder abgeholzt, die für die Rentierzucht der Samen überlebenswichtig sind. Diese Ureinwohner Nordskandinaviens kennen angeblich rund 400 Worte für Ren. Entsprechend wichtig sind die Tiere in ihrer Kultur.

Das finnische Zertifizierungssystem FFCS gehört zu dem auch in Deutschland bekannten PEFC. Viele Holz- und Papierprodukte tragen dieses Schein-Gütesiegel und wiegen Verbraucher in falscher Sicherheit: Beim Kauf von Produkten mit PEFC-Siegel ist es durchaus möglich, dass der Verbraucher Holz aus den letzten Urwäldern Finnlands kauft", sagt Sandra Pfotenhauer, Waldexpertin bei Greenpeace. Das PEFC-Siegel ist keine Garantie für Holz aus ökologischer Waldwirtschaft, diese Garantie bietet nur das FSC-Siegel.

FSC ist das Siegel des Weltforstrats (Forest Stewardship Council). Holz mit diesem Gütezeichen stammt aus Betrieben, die sich freiwillig von unabhängigen Gutachtern überprüfen lassen. Die Bewirtschaftung der Wälder findet nach von Greenpeace mitentwickelten Kriterien statt und schützt die biologische Vielfalt, statt sie zu zerstören.

Das internationale Programme for the endorsement of forest certification schemes (PEFC) wurde 1999 von Holz- und Papierindustrieverbänden und Waldbesitzern gegründet. Das PEFC-Siegel können Waldbesitzer ohne eine vorherige Prüfung ihres Forstes per Faxabruf bestellen. Vorgeschrieben sind nur unzureichende ökologische und soziale Kriterien, unabhängige Kontrollen der Betriebe finden nur stichprobenartig statt. Über 95 Prozent der finnischen Wälder sind nach den Kriterien des vom PEFC anerkannten finnischen Zertifizierungssystems gesiegelt.

Die deutsche Post hat aus diesem Grund im Dezember 2003 den Einkauf von Briefumschlägen aus finnischer Urwaldzerstörung gestoppt und stattdessen FSC-Umschläge ins Sortiment aufgenommen. Die britische Baumarktgruppe B&Q hat jüngst beschlossen, zukünftig auf finnische Holzprodukte ganz zu verzichten.(hol)

Die Studie Certifying Extinction (PDF, 28 Seiten, 2 MB!) ist leider nur auf Englisch verfügbar. Sie enthält aber auch viele fantastische Bilder und ist allein deswegen den Download wert!

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