Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Greenpeace und JBS nehmen erneut Verhandlungen auf

Greenpeace Brasilien und JBS, der weltweit größte Handelskonzern für Rindfleisch, sind gemeinsam einen wichtigen Schritt zur vollständigen Umsetzung des sogenannten Rindfleisch-Abkommens von 2009 gegangen. Die Wiederaufnahme der Verhandlung spielt eine entscheidende Rolle für den Erhalt des Regenwaldes in Brasilien.

  • /

Kunden und Bürger aus aller Welt akzeptieren keine Produkte wie Leder oder Fleisch, die mit Waldzerstörung in Verbindung gebracht werden. Eine Null-Abholzungspolitik ist möglich! Die Unternehmen, Regierungen und Konsumenten tragen dabei die einschneidende Verantwortung! sagt Marcelo Furtado, Geschäftsführer von Greenpeace Brasilien.

Die Rinderzucht auf illegal gerodeten Waldflächen gilt als eine der Hauptursachen der Regenwaldvernichtung in der Amazonasregion Brasiliens. Vor drei Jahren unterzeichneten JBS und andere Schlachthauskonzerne daher das öffentliche Rindfleisch-Abkommen.

Die Konzerne verpflichteten sich, keine Fleischzulieferer aus Amazonien unter Vertrag zu nehmen, die nach 2009 ihren Grundbesitz abholzten, um Weideland zu gewinnen. Zudem sollen die Lieferverträge mit Rinderfarmen gekündigt werden, auf denen Arbeiter ausgebeutet werden. Ebenso wenn Weideland innerhalb des Landbesitzes der Ureinwohner oder offizieller Schutzgebiete errichtetet wird. Außerdem soll ein Umweltverträglichkeits- und Landkatastersystem eingerichtet werden, das erlaubt die Herkunft des Rindfleisches bis an seinen ursprünglichen Produktionsort zurück zu verfolgen.

JBS nimmt rechtliche Schritte gegen Greenpeace Brasilien zurück

Nachdem Greenpeace Anfang 2012 in einem Report öffentlich machte, dass erhebliche Lücken im Umweltkontrollsystem von JBS vorhanden sind, verklagte der Konzern Greenpeace Brasilien wegen Verleumdung. Er setzte eine einstweilige Verfügung durch, nach der Greenpeace Brasilien nicht mehr über JBS berichten durfte.

Die Verhandlungen wurden nun erneut aufgenommen und JBS hat die rechtlichen Schritte gegen Greenpeace zurückgenommen. Außerdem veröffentlichte der Konzern ein unabhängiges Gutachten zum Zustand seiner Produktionskette in Bezug auf die Umweltverträglichkeit.

Erhalt der Waldbestände

Durch die Stellung von JBS als weltgrößter Fleischproduzent sind seine Verantwortung und Einflussmöglichkeiten auf den Lebensmittelmarkt sehr groß. Daher ist die aktuelle Ankündigung des Konzerns nicht nur für das Fortkommen des Rindfleisch-Abkommens wichtig, sondern auch um das Problem der Waldzerstörung generell zu lösen.

Mit der öffentlichen Verpflichtung durch JBS, bekräftigen wir unser Ziel, Produktion und den Schutz der Wälder in Einklang zu bringen, verkündet José Augusto de Carvalho Junior, Präsident von JBS Mercosul.

Das Unternehmen stellte zusätzlich einen Arbeitsplan auf, welcher die Zielvorgaben, die grundlegende Methodik und den Zeitplan des Abkommens von 2009 aufgreift. Darin wird auch die Veröffentlichung eines jährlichen Gutachtens angekündigt, welches die Einhaltung der Verpflichtungen gegen die Urwaldzerstörung in Amazonien prüft.

Zum Weiterlesen:

Amazonien - die gute und die schlechte Nachricht
Brasilianischer Fleischkonzern jetzt aktiv gegen Urwaldzerstörung

Publikationen

Factsheet: Amazonien - Leder oder Natur

Die Rinderzucht ist mit Abstand der größte Regenwaldvernichter im brasilianischen Teil Amazoniens.Einige riesige Unternehmen sind dabei ausschlaggebend: sie betreiben Schlachthäuser und Gerbereies innmitten des Regenwaldes.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Factsheet: Palmöl aus Indonesien

Palmöl steckt in etwa jedem zweiten Produkt, das man im Supermarkt kaufen kann. Das fettige Gold findet sich in zahlreichen Haushalts- und Pflegemitteln, in Seifen und Kerzen. Doch die Produktion dieses Alleskönners hat einen hohen Preis.

Mehr zum Thema

Indigene in Gefahr

Greenpeace dokumentiert die Rodung im Amazonas in Brasilien. Die Zerstörung in Indigenen-Gebieten hat um 60 Prozent zugenommen. Besonders betroffen ist das Land der Ituna-Itatá.

„Dramatische Lage in Manaus“

In Brasiliens Urwaldstadt Manaus sterben die Menschen wie die Fliegen, der Amazonas wird trotzdem gerodet. Naturschützer Thomas Gernot gibt Einblicke in ein verzweifeltes Land.

Gen-Soja gegen Gürteltier

Der Cerrado ist die artenreichste Savanne der Welt. Noch. Denn riesige Agrarbetriebe zerstören das brasilianische Ökosystem für ihre Profite, zeigt ein neuer Greenpeace-Report.