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Greenpeace dämmt Urwaldzerstörung ein

Der Regenwald auf Sumatra ist in allergrößter Gefahr. Schreitet seine Entwaldung ungebremst voran, wird er bis 2010 nicht mehr existieren. Um das zu verhindern, halten seit Montagmorgen 60 Greenpeace-Aktivisten und indonesische Umweltschützer seine Zerstörung auf. Mit dem Bau eines Dammes stoppen sie die illegale Entwässerung der Torfwälder bei Kuala Cenaku in der Provinz Riau.

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Greenpeace will aktiv auf diese wahnsinnige Zerstörung aufmerksam machen - vor der UN-Klimakonferenz im Dezember auf Bali. Aus diesem Grund haben Aktivisten Anfang Oktober eine Urwaldschutzstation, das Forest Defenders Camp(FDC), auf Sumatra errichtet. Denn: Ob Trockenlegen von Torfwäldern oder Brandroden - um Platz für neue Plantagen zu schaffen, setzen sich Palmölfirmen schamlos über die indonesischen Forstgesetze hinweg.

Ein nicht hinnehmbares Verhalten, wie Greenpeace-Sprecher Björn Jettka findet: Palmölplantagen in indonesischen Torfgebieten sind globale Klimakiller. Wenn die indonesische Regierung als Gastgeberin für die nächste UN-Klimakonferenz ernst genommen werden will, muss sie ein Moratorium für Einschläge in Moorwäldern verhängen und Greenpeace helfen, die Waldzerstörung effektiv zu bekämpfen. Der indonesische Urwald als CO2-Speicher muss geschützt werden.

Die oft mehr als zehntausend Jahre alten indonesischen Torfwälder speichern enorm viel CO2. Ihre feuchten Torfschichten sind bis zu 10 Meter tief. Zur landwirtschaftlichen Nutzung der Torfwälder ziehen Palmölfirmen zunächst Kanäle durch den Wald. So entwässern sie die Moore. Während dieser Zeit wird auch wertvolles Holz eingeschlagen. Sobald der Boden entwässert ist, setzt der trockene Torf CO2 frei - mit oder ohne Brandrodung.

Auf diese Weise gerodeter Wald kann sich nicht mehr erholen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es im Jahr 2010 bei ungebremster Entwaldung auf Sumatra keinen Urwald mehr geben wird. Das Leben in den Urwäldern Indonesiens wird auch für den deutschen Palmölbedarf vernichtet, sagt Jettka. Für Palmöl in Lebensmitteln, Kosmetik und Kraftwerken wird das Klima aufgeheizt, werden Menschen vertrieben und Lebensräume zerstört.

Indonesien verliert derzeit schneller als jedes andere Land gewaltige Waldflächen. Rund 51 Quadratkilometer Urwald werden jeden Tag zerstört, das sind mehr als 300 Fußballfelder pro Stunde. Dadurch setzt das Land jedes Jahr 2,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid frei - mehr als die Emissionen von Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen.

Das macht Indonesien, nach China und den USA, zum weltweit drittgrößten Erzeuger von Treibhausgasen. Insgesamt stammt etwa ein Fünftel der globalen Treibhausgas-Emissionen aus der Zerstörung klimastabilisierender Wälder - mehr als der weltweite Autoverkehr verursacht.

Deswegen muss der Urwald innerhalb eines verbindlichen Kyoto-Nachfolgeabkommens weltweit unter Schutz gestellt werden. Das und einen Finanzierungsplan hierfür fordert Greenpeace von den im Dezember auf Bali versammelten Regierungen.

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