Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Gerechtigkeit auf Brasilianisch

Am 12. Februar 2005 starb in Amazonien die Umweltschützerin und Menschenrechtlerin Dorothy Stang. Ihre Mörder und deren Auftraggeber wurden zu hohen Strafen verurteilt. Das letzte Urteil fiel Anfang Mai 2010: 30 Jahre Zuchthaus für Regivaldo Galvão. Rund zwei Wochen später, am 20. Mai, wurde er freigelassen.

  • /

Die Urwald-Nonne wurde sie genannt: Sister Dorothy, gebürtige Amerikanerin mit brasilianischem Pass, hatte sich jahrzehntelang für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes und für die Rechte der landlosen Bauern eingesetzt. Die unerschrockene Frau wich auch vor der Urwaldmafia nicht zurück. 2005 bezahlte sie dafür mit ihrem Leben.

Einer der Drahtzieher bei diesem Mord war Regivaldo Galvão. Galvão ist Viehzüchter und Großgrundbesitzer im brasilianischen Bundesstaat Parà. Einer Zeugenaussage zufolge soll er damals gesagt haben, auf diesen Ländereien werde es erst Frieden geben, wenn sie der Frau ein Ende gemacht hätten. Derselbe Zeuge erhielt 24.000 US-Dollar von ihm, um die Mörder anzuheuern.

Galvão legte sofort nach dem Urteil Anfang Mai Berufung ein. Der Gerichtshof von Parà ließ ihn jetzt vorerst laufen. Bis zur Berufungsverhandlung bleibt er auf freiem Fuß. Begründung: Der Angeklagte habe während des Prozesses ein gutes Verhalten an den Tag gelegt, habe einen festen Wohnsitz und keine kriminelle Vergangenheit.

Gegen Regivaldo Galvão laufen derzeit vier Verfahren: wegen Umweltverbrechen, Sklaverei, Landraubs und Betrugs. Ein Zeuge im Landraubverfahren steht unter Regierungsschutz - er wurde von Galvãos Mördertruppen angeschossen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Zehntausende stehen zusammen

Es ist die bislang größte Anti-Kohle-Demo im Rheinischen Revier: Zehntausende protestieren am Hambacher Wald für Klimaschutz – und feiern den vorläufigen Rodungsstopp.

Der Wald bleibt – vorerst

RWE darf im Hambacher Wald nicht roden, entschied das Oberverwaltungsgericht Münster in einem Eilbeschluss. Bis zur endgültigen Entscheidung könnte es Jahre dauern.

Gradwanderungen

Die Erderhitzung lässt sich bei 1,5 Grad stoppen, doch auch das wird die Welt verändern, so der Weltklimarat. Über dessen neuen Bericht spricht Greenpeace-Experte Christoph Thies.