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Faith, Umweltaktivistin und Mafiaopfer

Seit mehr als 20 Jahren ist Faith in Südostasien für die Umwelt aktiv. Sie ist in Malaysia geboren, kennt die Region. Faith hat am eigenen Leib erfahren, was es heißt, gegen die Holzmafia vorzugehen. Derzeit befindet sie sich auf der Rainbow Warrior vor der Küste Kalimantans, zusammen mit unserer Urwaldexpertin Sandra Pfotenhauer. Sandra gibt wieder, was Faith erlebt hat:

 

Von der Holzmafia überfallen

Vor vier Jahren recherchierte Faith für die Environmental Investigation Agency (EIA) zusammen mit einem indonesischen Kollegen der Umweltorganisation Telapak im Tanjung Puting-Nationalpark illegalen Holzeinschlag.

Als sie vor einem Sägewerk der Tanjung Lingga-Firmengruppe Holz inspizieren, werden sie entdeckt. Faiths Kollege wird erkannt: Einige Monate zuvor waren EIA-Aktivisten undercover, als Geschäftsleute, bei der Tanjung Lingga-Gruppe, und er war ihr Übersetzer. Faith und ihr Kollege werden bis ins Hotel verfolgt, überfallen und entführt.

Sie haben uns fünf oder sechs Stunden lang verhört, geschlagen und gefoltert, sagt Faith. Auch Sugianto, der 28-jährige Geschäftsführer von Tanjung Lingga, ist dabei. Sugianto ist ein Neffe des Firmengründers und Politikers Abdul Rasyid. Er versucht, Faith die Kamera zu entreißen, verdreht ihr die Hand, bis ein Finger bricht. Sie wird ins Krankenhaus gebracht. Der Arzt scheint ihre Hand röntgen zu wollen und bricht ihr dabei drei weitere Finger.

Als die Entführer schließlich die Polizei rufen, wird Faith und ihrem Kollegen klar, dass auch diese mit der Lingga-Mafia unter einer Decke stecken: Drei Tage werden die beiden Aktivisten auf der Polizeistation gefangen gehalten. Wir wussten beide nicht, ob wir jemals wieder lebend aus dieser Sache rauskommen würden. Vor unserem Fenster standen Männer mit Pistolen und schrien uns an.

Am zweiten Tag in Polizeigefangenschaft stellt sich heraus, was die Entführer wollen. Faith und ihr Kollege sollen öffentlich alles zurücknehmen, was EIA und Telapak jemals über die Firma Tanjung Lingga veröffentlicht haben. Draußen vor der Tür wartet bereits ein Kamerateam, um die beiden zu interviewen. Weder Faith noch ihr Kollege nehmen die Anschuldigungen gegen Tanjung Lingga zurück. Sie versuchen, Zeit zu gewinnen.

Die Rettung

Währenddessen mobilisieren EIA und Telapak alle Kräfte, um die beiden zu befreien. Als der erste demokratisch gewählte Präsident Indonesiens, Wahid, England besucht, trifft er sich dort mit dem Premierminister und dem Staatssekretär des britischen Department for International Development (DFID). Wahid wird aufgefordert, für die Befreiung der beiden Umweltschützer zu sorgen: Das Thema illegaler Holzeinschlag im Tanjung Puting-Nationalpark wird zur Staatsangelegenheit.

Am vierten Tag gelingt es den beiden zu fliehen - mit Unterstützung der Dajak (eine indigene Bevölkerungsgruppe Indonesiens), indonesischen Nichtregierungsorganisationen, der englischen Regierung und Angehörigen des Militärs. In einem Geländewagen werden sie zum Flughafen gefahren.

Faith kämpft noch immer für die Rettung der letzten Urwälder und für die Rechte der Menschen, die mit der Angst vor der Lingga-Mafia leben. Für sie ist die Rainbow Warrior-Tour etwas Besonderes.

Dieses Schiff verkörpert etwas, was sie nicht kontrollieren können. Die Tatsache, dass die Rainbow Warrior nach Zentralkalimantan gekommen ist, um das Verbrechen aufzudecken - legal, friedlich, mit internationaler Mannschaft und indonesischen Aktivisten - ist für Indonesien außerordentlich. Ich glaube, Greenpeace ist die einzige Organisation weltweit, die ein Schiff hierher bringen und den Holzschmuggel zeitweise aufhalten kann, so wie wir es letzte Woche getan haben.

Rasyid bestreitet, dass er irgendetwas mit der Gefangennahme und Folterung der beiden Umweltschützer zu tun hat. Sugianto sagt in einem Interview mit der indonesischen Wochenzeitung Tempo: Die beiden können froh sein, dass wir sie nicht umgebracht haben.

Sugianto ist auch verantwortlich für den versuchten Mord an Abi Kusno, einem Umweltschützer, dem mit der Machete vier Finger abgehackt wurden und der Daumen gebrochen wurde. Er wurde so übel misshandelt, dass er letztes Jahr in einem europäischen Krankenhaus zusammengeflickt werden musste. Heute ziehen sich Narben über seinen ganzen Körper.

Sugianto sagt gegenüber Tempo dazu nur: Er ist mit mir irgendwie verwandt - wie ein Großvater. Aber er ist auch ein Erpresser. Auch er kann froh sein, dass wir ihn nicht umgebracht haben.

Der indonesische Journalist und Umweltschützer Abi Kusno Nachran hielt sich im November 2003 einige Tage in Hamburg auf und besuchte auch Greenpeace. Hier das Interview der Internetredaktion mit Abi Kusno:

Teil 1: Umweltpreis für Abi Kusno Nachran

Teil 2: Abi Kusno Nachran bei Greenpeace

 

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