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F&A Palmöl aus Indonesien

1. In welchen Produkten wird Palmöl verwendet? Sind Deutschland und Europa große Abnehmer für Palmöl aus Indonesien?

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Palmöl wird insbesondere von der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Aber auch die Verwendung in Kosmetika und Seifen ist ein wichtiger Absatzmarkt, ebenso die Verwendung von Palmöl in Kraftwerken zur Strom und Wärmeproduktion. Palmöl ist das weltweit am meisten verwendete Pflanzenöl mit 39 Mio Tonnen Jahresproduktion und einem Anteil von 35 Prozent an allen Pflanzenölen. Es ist zu befürchten, dass Palmöl in Zukunft verstärkt auch zur Beimischung in Diesel verwendet wird.

In Lebensmitteln findet es in einer Vielzahl von Produkten, von der Tütensuppe, über Eiscreme bis zum Keks und Schokoriegel Verwendung. Bei der Inhaltsangabe muss es nicht als Palmfett ausgewiesen sein. Oft steht dort nur "Pflanzenfett" oder "Pflanzenöl".

In Kosmetika wird meist kein reines Palmöl sondern ein aus Palmöl oder Palmkernöl gewonnener Stoff verwendet, wie z. B. Hydriertes Palmglycerid oder Sodium Palmate. Indonesien ist extrem auf die Exporte von Palm- und Palmkernöl angewiesen. 72 Prozent der Produktion wurden 2006 exportiert. Die EU ist einer der größten Importeure von Palmöl allgemein und auch von Indonesischem Palmöl. Die EU importierte 2006 4,314 Millionen Tonnen Palm- und Palmkernöl; 46 Prozent oder 1,979 Millionen Tonnen davon aus Indonesien. Damit war die EU 2006 Abnehmer von 16 Prozent der indonesischen Exporte und 11 Prozent der indonesischen Produktion.

2. Gibt es Alternativen zu den Lebensmitteln und Kosmetika zu deren Herstellung Palmöl verwendet wird? Sollte man Palmöl-Produkte meiden?

Palmöl kann durch andere Pflanzenöle prinzipiell ersetzt werden. Allerdings hat Palmöl durch seinen sehr hohen Schmelzpunkt (27 - 45 Grad Celsius) andere Eigenschaften als die meisten anderen Öle. Unter Umständen bedarf es deswegen einer Umstellung der "Rezeptur" bei Nahrungsmitteln und Kosmetika, wenn Palmöl ersetzt werden soll.

Als Brennstoff in Kraftwerken und Fahrzeugen, kann es sehr leicht ersetzt werden. Dort ist das größte Hindernis der höhere Preis der anderen Öle.

Allerdings ist der Ersatz von Palmöl durch andere Öle keine wirkliche Lösung. Die Verlagerung auf z. B. Sojaöl, das zweit wichtigste Pflanzenöl weltweit, verursacht nur Probleme in anderen Ländern. Daher will Greenpeace generell die Verwendung von Agrosprit eindämmen und beim Anbau von Palmöl auf eine nachhaltige Produktion setzen.

3. Gibt es auch gutes Palmöl, gibt es ein Siegel für gutes Palmöl? Wird auch außerhalb Indonesiens Palmöl angebaut?

Bestimmt gibt es auch Plantagen die vertretbar sind, allerdings findet bei Ware aus Malaysien und Indonesien, die exportiert wird keine Trennung der verschiedenen Produktionsweisen statt. D.h. Ein Abnehmer in Europa kann sich nie sicher sein, das "sein" Palmöl tatsächlich nachhaltig angebaut wurde. Kann sein, dass der Export von geringen Mengen aus den kleineren Produktionsländern eher getrennt wird, z.B. kontrolliert biologische Ware. Hier fehlt uns aber noch ein genauer Einblick.

Malaysien und Indonesien sind mit weitem Abstand die beiden größten Produktionsländer. Malaysien produziert 16,6 Mio Tonnen und Indonesien 17,1 Mio Tonnen von 39 Mio Tonnen Weltproduktion. Indonesien hat deutlich höhere Wachstumsraten als Malaysien; aktuell 7,5 Prozent und Verdopplung der Erntefläche seit 2001. Auch in Kolumbien, Thailand, Nigeria und Brasilien wird in zunehmendem Maße Palmöl angebaut.

4. Wird Palmöl (bald) auch in Deutschland als Treibstoff für Automobile eingesetzt? Kann mein Auto auch Palmöl-Sprit tanken? Wie kann ich feststellen, dass dem Sprit an meiner Tankstelle Palmöl beigemischt ist?

Erkennen kann man das nicht an der Tankstelle. Es ist zu bezweifeln, dass der Tankstellenbetreiber einem verlässliche Infos geben kann. Allerdings kann man Biodiesel im Labor analysieren und herausfinden aus welchen Pflanzen es hergestellt ist. Derzeit sagen die Mineralölkonzerne, dass kein Palmöl beigemischt wird. Wie lange das bleibt hängt u.a. vom öffentlichen Druck ab. Lange Zeit gab es technisch und rechtliche Probleme, weil Palmöl einen sehr hohen Schmelzpunkt hat (27 bis 45 Grad Celsius) und sich daher nicht so recht in unseren kühleren Breiten anbietet.

Inzwischen ist es aber technisch möglich die chemische Struktur des Palmöls durch eine Behandlung mit Wasserstoff so zu verändern, dass der Schmelzpunkt gesenkt wird und einer Beimischung Nichts im Wege steht. Eine Firma verfügt über dieses Know-How auf jeden Fall (Neste Oil). Es ist zu vermuten, dass andere schnell den Anschluss finden oder ihn bereits geschafft haben.

5. Welche Alternativen gibt es zu Palmöl als Agro-Treibstoff? Wäre es nicht ohnehin besser heimisch angebautes Pflanzenöl wie Rapsöl zu verwenden?

Bei uns ist das mit Abstand am häufigsten verwendete Pflanzenöl für Treibstoff Rapsöl. Zudem wird Sojaöl aus USA oder Südamerika eingesetzt. Ein Wechsel von einem Öl zum anderen ist technisch unproblematisch und eher durch Preis und Angebot bestimmt. Empfehlen kann man keines der Öle als Treibstoff. Zum einen verlagert man das Palmölproblem damit nur. Wird mehr Rapsöl im Diesel eingesetzt, fehlt er in der Lebensmittelproduktion und wird dort durch Palmöl ersetzt. Vor allem schneidet Rapsöl aber nicht sonderlich gut in der Klima- und Ökobilanz ab. Raps benötigt viel Stickstoffdünger, der nicht nur in der Produktion sehr viel Energie verschlingt und damit CO2 Emissionen verursacht, sondern zum Teil auch als Lachgas (N2O) in die Atmosphäre entweicht, sobald er aufs Feld ausgebracht wird. Lachgas ist 300-mal so klimaschädlich wie CO2 je Gewichtseinheit.

6. Agro-Treibstoffe sind ja CO2-neutral. CO2, welches durch die Verbrennung der Treibstoffe entsteht, wurde der Atmosphäre zuvor durch das Pflanzenwachstum entzogen. Warum ist Palmöl dann klimaschädlich?

Palmöl als Agrosprit eindeutig eine negative Klimabilanz; es werden wesentlich mehr Treibhausgase produziert, als durch die Pflanze während des Wachstums aufgenommen werden. Wie bei allen Treibstoffen, muss man auch bei der Bewertung von Palmöl als Kraftstoff den gesamten Produktionszyklus mit einbeziehen. Da spielt der Transport des Öls von Indonesien nach Europa ebenso eine Bedeutung wie die Produktion und Ernte des Palmöls inclusive Düngung. Der größte Negativposten bei der Klimabilanz von Palmöl rührt aber eindeutig von den oft vorangegangen Urwaldrodungen und Trockenlegungen von Torfmooren her. Indonesiens letzte Urwälder auf Sumatra und Borneo müssen immer neuen Plantagen weichen.

7. Über 27 Prozent der insgesamt 241 Millionen Indonesier leben in Armut. Können die Menschen in Indonesien überhaupt auf den Anbau von Palmöl verzichten? Ist der Palmöl-Anbau nicht gerade für die Menschen in den abgelegenen Wald-Regionen eine unverzichtbare Einnahmequelle?

Greenpeace ist nicht gegen den Anbau von Ölpalmen. Es ist aber entscheidend wie sie angebaut werden und vor allem was dem Ölpalmenanbau weichen musste. Es gäbe riesige Flächen von in den letzten Jahrzehnten gerodetem Urwald. Die Industrie war nur am Holz interessiert. Diese Flächen liegen jetzt meist brach. Es wäre ökologisch wesentlich sinnvoller auf diesen Flächen Ölpalmen anzubauen, als immer wieder neuen Urwald zu roden. Wirtschaftliche Interessen sprechen hier allerdings dagegen. Noch immer rechnet sich der Ölpalmenanbau fast nur, wenn der Plantagenbesitzer zuvor die edlen Tropenhölzer vermarkten kann.

Zudem sind es oft nicht die Menschen vor Ort, die vom Ölpalmenanbau profitieren, sondern große Konzerne, denen die Plantagen gehören. In der Region, in der Greenpeace das Urwaldcamp errichtet hatte, in der Gemeinde Kuala Cenaku, im Distrikt Riau auf der Insel Sumatra, hat sich die Gemeinde vor Ort sogar gegen den Anbau von Ölpalmen gewehrt. Die Firma Duta Palma hat Land für sich beansprucht, welches nach Auffassung der Menschen vor Ort Gemeindeland ist. Seit auf den ehemaligen Urwaldflächen Ölpalmen angebaut werden, klagen die Flussfischer über schlechtere oder gar keine Fänge mehr. Sie machen den massiven Pestizideinsatz auf der Plantage verantwortlich. Noch nicht einmal Arbeitsplätze hat die neue Plantage für die Region gebracht. Duta Palma hat es vorgezogen Billigarbeitskräfte aus dem Norden von Sumatra einzusetzen. Selbst minderjährige Kinder schuften bei 40 Grad Celsius im Schatten zwölf Stunden am Tag.

8. Was unternimmt Greenpeace gegen das Abholzen der Urwälder für Palmöl-Plantagen? Was kann ich tun um Greenpeace beim Einsatz gegen die Urwaldzerstörung in Indonesien zu unterstützen?

Greenpeace setzt sich seit den 1980er Jahren für den Erhalt der letzten sieben Urwälder weltweit ein: Im Amazonas, Nordamerika, den Bergwäldern Chiles, dem Regenwald Zentralafrikas und Südostasiens, den Schneewäldern Sibiriens und den Wäldern im Norden Europas.

In Indonesien deckt Greenpeace den Palmöl-Skandal auf und sorgt so dafür, dass das Problem in der Öffentlichkeit und den Medien diskutiert wird. So kann Greenpeace verantwortliche Industrieunternehmen und Politiker zum Handeln bewegen.

Doch die Zerstörung der Urwälder geht weiter. Greenpeace fordert deshalb ein Moratorium auf weitere Abholzungen von Urwäldern und Trockenlegung von Torfmooren für neue Ölpalmenplantagen. Einen internationalen Finanzierungsmechanismus, der den Entwicklungsländern hilft, die Entwaldung und Degradierung in den letzten intakten Urwäldern zu stoppen und ein Verbot für den Einsatz von Agrosprit, für dessen Herstellung Urwälder vernichtet wurden.

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