Klimakrise: Waldbrände entstehen weltweit immer schneller und heftiger

Es brennt!

Tödliche Hitze liegt über Teilen Nordamerikas. In Russland brennen Wälder. Der Jetstream, eine der Umwälzpumpen des Klimasystems, kommt ins Holpern: Es ist Zeit zu handeln!

  • /

Seit letzter Woche überschlagen sich erneut die Nachrichten über Brände aus allen Teilen der Welt, ausgelöst durch Hitze und Trockenheit. Im Osten Sibiriens ist bereits eine Waldfläche von rund 3.300 Quadratkilometern abgebrannt, das entspricht mehr als vier Mal der Stadtfläche Hamburgs. Greenpeace schickte freiwillige Helfer in das Gebiet. In Jakutien seien die Feuer in diesem Jahr früher als sonst ausgebrochen, teilte Greenpeace mit. „Sie entwickeln sich schneller und sind gefährlicher als in vorherigen Jahren.“ 

Ausgelöst wurden die Brände durch eine langanhaltende Hitze und einhergehende Dürre in den Wäldern. Die Situation in Russland hat sich wegen der Klimakrise über die letzten Jahre zudem weiter verschärft. Bereits in den letzten beiden Jahren standen große Teile in Flammen. 

Währenddessen hat die Hitzewelle in Nordamerika etwas nachgelassen. Durch die anhaltende Trockenheit ist die Gefahr für weitere Brände jedoch groß. Nach der Rekordhitze waren im westlichen Kanada starke Feuer ausgebrochen. Hunderte Menschen starben eines plötzlichen Todes. Tausende verloren durch die Brände ihr Zuhause. 

Teile der Vereinigten Staaten befinden sich unter der gleichen Hitzekuppel wie Kanada. Die Temperatur am Portland International Airport in Oregon erreichte am 28. Juni 46,1 Grad Celsius. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Höchsttemperatur an diesem Flughafen liegt laut Meteorologen zu dieser Jahreszeit bei etwa 22,8 Grad Celsius. Auch in Kalifornien stellen Waldbrände erneut eine Bedrohung für viele Bewohner:innen der Städte dar. Sie haben mit einer Dürre zu kämpfen, die bereits vor der Hitzewelle begann. 

Die neue Normalität?

Die Klimaforschung spricht von einem “fast biblischem” Ausmaß. Die anhaltenden Hitzerekorde werden zunehmend mitverursacht durch die Veränderungen des mäandernden und stockenden Jetstreams, einem Windsystem, das für das Wetter auf der nördlichen Hemisphäre eine wichtige Rolle spielt. Dieser gilt auch als eines der Kippsysteme des globalen Klimas. Stockt dieser große Wirbel um die Arktis in mäandernder Ausführung, führt dies zu stärkeren Temperatur- und Niederschlagsabweichungen in Nordamerika und Europa und in den nördlichen Regionen Asiens. Sogenanntes Feuerwetter führt dann zu den verheerenden Bränden.   

Noch nie dagewesene Gefahren werden zur neuen Normalität, wenn wir nicht dringend Maßnahmen ergreifen um Emissionen in allen Sektoren zu minimieren, um die Klimakrise zu stoppen. Die rekordverdächtigen Hitzewellen gefährden rund um den Globus Leben und Lebensgrundlagen. Die steigenden Temperaturen sind nicht nur für die Gesundheit des Einzelnen gefährlich, sondern setzen auch ganze Ökosysteme und Gemeinden einem erhöhten Risiko durch Waldbrände und Ausfälle der Stromnetze aus. Wir dürfen nicht länger warten, die Zeit zum Handeln ist längst überfällig. 

Das ist auch für Deutschland relevant und wichtig. “Wir müssen daher alles dafür tun, dass sich Wälder und andere Ökosysteme möglichst naturnah und widerstandsfähig entwickeln können,” sagt Wald-Kampaigner Jannes Stoppel. “Die industrielle Übernutzung muss dafür stark eingeschränkt werden und darf nicht mehr durch Staatsgelder gefördert werden. Nur Maßnahmen, die widerstandsfähige, biodiverse und gesunde Wälder fördern, dürfen auch Förderung zum Schutz unserer Lebensgrundlagen erhalten.” 

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

KONGOBECKEN: INS GRÜNE HERZ

Der Regenwald des Kongobeckens ist nach dem Amazonasgebiet der größte tropische Regenwald der Erde – und einer der Orte, an dem die Deutsche Bank Greenwashing betreibt.

Nachhaltig irreführend

Wie Unternehmen durch vermeintliche Nachhaltigkeitslabel Verbraucher:innen in die Irre führen, zeigt Greenpeace in einer heute veröffentlichten Studie.

Schlimme Waldschäden

Der aktuelle Waldzustandsbericht zeigt: Die Wälder in Deutschland sind massiv geschädigt. Die Ergebnisse gehören zu den schlechtesten seit Beginn der Erhebungen 1984.

Unsere Wälder brauchen deine Stimme