Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Erfolgreicher Regenwaldprotest in Glasgow

Eine äußerst kurze Reaktionszeit zeigten am Montag Ratsmitglieder der schottischen Stadt Glasgow: Sie stoppten am frühen Nachmittag alle Renovierungsarbeiten am Fußboden des renommierten Kelvingrove Art Gallery und Museum. Erst am Morgen hatten rund 100 Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten der Forest Crime Unit dagegen protestiert, dass dafür Tropenholz fragwürdiger Herkunft eingesetzt werden sollte.

Wir freuen uns, dass das Museum zugestimmt hat, die Arbeiten erstmal einzustellen, nachdem wir dort Holz aus bedrohten Regenwäldern gefunden haben, sagt Belinda Fletcher, Waldexpertin bei Greenpeace Großbritannien. Wir werden eng mit dem Kelvingrove zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass künftig nur noch Holz aus legalen und nachhaltig betriebenen Quellen verwendet wird.

Dass das möglich ist, haben die Greenpeacer am Morgen demonstriert: Sie haben nicht nur das Tropenholz konfisziert, sondern gleich FSC-zertifiziertes Ersatzholz mitgebracht. Das unabhängige FSC-Siegel steht für ökologische und sozial verträgliche Holzbewirtschaftung.

Herkunft des Holzes liegt im Dunkeln

Das Holz war als Fußbodenbelag vorgesehen. Es handelt sich um Merbau-Holz. Dieses Holz kommt aus Südostasien, hauptsächlich Indonesien, Papua-Neuguinea und Malaysia. In Indonesien steht es auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Doch gerade dort werden neun von zehn Bäumen illegal gefällt.

Angeblich soll eine malaysische Holzfirma das Holz geliefert haben. Bekannt und gut dokumentiert ist jedoch, dass illegal in Indonesien gefällte Bäume in das benachtbarte Malaysia geschmuggelt und von dort aus angeboten werden. Konkret befragt musste die dänische Firma Junckers, einer der größten Holzlieferanten Europas, zugeben, dass Informationen über die Herkunft des Merbau-Holzes nicht existieren.

Öffentliche Lotterie finanziert Urwaldzerstörung

Zugleich machten die Aktivisten auf einen weiteren Missstand aufmerksam: Die Renovierung des besucherstärksten britischen Museums außerhalb Londons wird mit Geldern der Staatslotterie unterstützt.

Die Lotterie, eine öffentliche Anstalt, ist einer Regierungsbehörde beigeordnet, dem Minsterium für Kultur, Medien und Sport. Bereits 2000 hat die Regierung in London für ihre Ministerien eine Beschaffungsrichtlinie für Holz erlassen. Darin wird gefordert, nur Holz von legalen und nachhaltigen Quellen zu verwenden.

Leider gilt die Richtlinie nicht für öffentliche Institutionen, die den Minsterien untergeordnet sind. So wundert es nicht, dass die Staatslotterie über keine Beschaffungspolitik verfügt.

In Deutschland sieht die Situation nicht besser aus. Unser Waldexperte Martin Kaiser weist darauf hin, dass sich die rot-grüne Regierung hier nicht mit Ruhm bekleckert hat. Bereits 2002 wurde im Koalitionsvertrag eine Beschaffungsrichtlinie für die Bundesbehörden angekündigt. Es sollte auf FSC-Holz als Standard umgestellt werden. Doch bis heute ist nichts passiert. Deswegen sei es unklar, was für Holz bei Bauvorhaben der öffentlichen Hand zum Einsatz komme.(mir)

 

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Kontrolle ist besser

Palmöl des Konzerns Wilmar steckt in etlichen Süßigkeiten. In Zukunft will das Unternehmen garantieren können, dass seine Ware nicht aus Regenwaldzerstörung stammt – dank Technik.

Der Weihnachtsmüffel

Oh Tannenbaum, wie stinken deine Blätter: Gewächse aus gängiger Massenbaumhaltung duften meist wenig weihnachtlich. Unsere Autorin lernte, wie Weihnachtszeit mit Tannenaroma geht.

Zehntausende stehen zusammen

Es ist die bislang größte Anti-Kohle-Demo im Rheinischen Revier: Zehntausende protestieren am Hambacher Wald für Klimaschutz – und feiern den vorläufigen Rodungsstopp.