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Erfolg nach neun Jahren Protest gegen Kahlschlag

Die Regierung des kanadischen Bundesstaates British Columbia hat am Dienstag eine Urwaldfläche fast von der Größe Hessens zum Schutzgebiet erklärt. Dafür hat Greenpeace neun Jahre lang mit friedlichen Mitteln gekämpft. Doch was bedeutet Schutz? Die Online-Redaktion hat den Greenpeace-Waldexperten Oliver Salge gefragt.

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Online-Redaktion: Oliver, an Kanadas Westküste sind jetzt 1,8 Millionen Hektar Wald geschützt. Was beinhaltet dieser Schutz?

Oliver Salge: Der Schutzbeschluss beinhaltet, dass auf 1,8 Millionen Hektar Urwald kein Baum mehr gefällt wird, dass keinerlei Kahlschläge mehr durchgeführt werden. Die Natur bleibt dort wirklich so erhalten wie sie jetzt ist. Damit ist ein riesiges Gebiet des seltenen temperierten Urwalds an Kanadas Westküste für immer vor den Kettensägen geschützt. Ein Gebiet, das fast so groß ist wie Hessen. Damit können wir wirklich zufrieden sein, das ist ein Riesenerfolg für Greenpeace.

Wir können ja zum Vergleich mal eine Krombacher-Rechnung aufmachen: 1,8 Millionen Hektar sind 18 Milliarden Quadratmeter. Das heißt, beim Krombacher-WWF-Projekt müssten die Deutschen für ein solches Schutzgebiet 18 Milliarden Kisten Krombacher-Bier kaufen.

Online-Redaktion: Das wären bei - nehmen wir mal an - 40 Millionen Bier trinkenden Deutschen ... [kurzes gemeinsames Rechnen] 450 Kisten Bier pro Einwohner. Nicht schlecht. Kehren wir zur nüchternen Realität zurück. Das restliche Gebiet des Great Bear-Regenwaldes soll bis 2009 unter nachhaltige Waldbewirtschaftung gestellt werden. Darf bis dahin dort eingeschlagen werden wie bisher?

Oliver Salge: Nein, Die Holz- und Papierunternehmen müssen die Standards für ökologische Waldwirtschaft natürlich sofort umsetzen. Es ist inakzeptabel, jetzt noch Kahlschläge vorzunehmen, die ab 2009 verboten sind. Es gibt eine Übergangszeit von drei Jahren, um auch in den bewirtschafteten Teilen des Waldes eine gute tägliche Forstpraxis umzusetzen. Aber bis 2009 müssen die Unternehmen die Umstellung komplett vollzogen haben.

Ziel ist, dass auch der Wald um die Schutzgebiete herum wirklich Wald bleibt und nicht aussieht wie eine Wüste, wie es in der Vergangenheit der Fall war. Mit unserem Büro in Vancouver sind wir weiterhin vor Ort und werden den Firmen auf die Finger schauen, damit sie ihre Verpflichtung nicht vergessen und etwa glauben, sie könnten den Wald jetzt noch einige Jahre kahlschlagen.

Online-Redaktion: Was bedeutet ökologische Waldnutzung?

Oliver Salge: Ökologische Waldnutzung im Regenwald des Großen Bären bedeutet, dass man nur einzelne oder wenige Bäume pro Quadratkilometer einschlägt, anstatt den Wald über Kilometer hinweg kahlzurasieren, wie es in der Vergangenheit passiert ist. Unter nachhaltiger Nutzung bleibt auch der bewirtschaftete Wald als Lebensraum für seltene Tiere wie den Kermode-Bären erhalten. Große Tiere wie die Bären brauchen auch große Lebensräume.

Online-Redaktion: Greenpeace ist neun Jahre am Ball geblieben, um den Great Bear-Regenwald zu retten...

Oliver Salge: Ja, wir freuen uns natürlich darüber, dass unsere Beharrlichkeit letztendlich zum Erfolg geführt hat. Wir haben uns ja schon 1997 für den Schutz des Great Bear-Regenwalds eingesetzt, haben verschiedene Proteste in Deutschland durchgeführt, haben bei Botschaften und Konsulaten protestiert, bei Firmen, die das Holz und den Zellstoff aus Kanada beziehen.

Es hat sich gezeigt, dass friedlicher Protest sich langfristig auszahlt. Das freut uns natürlich und gibt auch Mut für all die Wälder auf der Erde, die noch nicht geschützt sind, für all die Gebiete, in denen jetzt noch tagtäglich Urwald zerstört wird.

Online-Redaktion: Danke für das Gespräch, Oliver.

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