Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Erfolg für den russischen Urwald

Es darf aufgeatmet werden: Am Montag hat Russlands Regierung die Einrichtung des Kalevalski-Nationalparks in der russischen Republik Karelien abgesegnet. Greenpeace hat beim Kampf um einen der letzten intakten Urwälder extrem langen Atem beweisen müssen. Doch elf Jahre Kampf um den Erhalt des Waldes haben sich gelohnt und um die Existenz des Waldes muss nicht mehr gebangt werden. Über den beschwerlichen Weg zum Ziel und neue Perspektiven sprachen wir mit Greenpeace-Waldexperte Oliver Salge.

  • /

Greenpeace Online: Was bedeutet die heute getroffene Entscheidung den Kalevalski-Urwald zum Nationalpark zu machen?

Oliver: Wir arbeiten bereits seit 1995 für den Erhalt des Kalevalski-Urwalds. Der Schutz der 74.400 Hektar Wald war unabdingbar für den Erhalt der besonderen Tier- und Pflanzenwelt der Region.

Die Abholzung konnte zwar schon vor einiger Zeit gestoppt werden, doch bislang war nicht klar, ob das langfristig so bleibt. Was die letzten Jahre immer noch fehlte war das Einverständnis der russischen Regierung, das Gebiet zum Nationalpark zu erklären. Das ist natürlich ein großartiger Erfolg. Besonders schön ist aber, dass die Einrichtung des Nationalparks für Greenpeace zeigt, wie wichtig es war durchzuhalten, obwohl alles nur schleichend voran ging.

Greenpeace Online: Gab es einen wichtigen Wendepunkt im Kampf für den Schutz der Region?

Oliver: Es gab 1996 eine Aktion von Greenpeace in der sich Aktivisten an Holzfällmaschinen der Firma Stora Enso ketteten. Das Unternehmen Stora Enso ist ein bedeutender finnischer Papierhersteller.

Finnland selbst gehört zu den wichtigsten Papierlieferanten weltweit. Auch das von Deutschland importierte Papier stammt zu einem Großteil aus Finnland. Mit der Aktion konnte das Unternehmen dazu bewegt werden, ein ab 1997 gültiges Moratorium zu unterzeichnen. Dieses machte dann wiederrum den Weg für den langfristigen Schutz des Urwaldes frei.

Greenpeace Online: Was macht den Kalevalski-Urwald zu einer besonders schützenswerten Region?

Oliver: Grundsätzlich ist der Kalevalski-Urwald allein aus dem Grund schützenswert, dass er einer der letzten, großen und intakten Urwälder unserer Erde ist. Der Kalevalski-Nationalpark ist für den Erhalt der Artenvielfalt im Norden Europas extrem wichtig. Seltene große Säuger wie Braunbären, Wölfe und Luchse, aber auch kleinere Tiere wie Dreizehenspecht und Uhu sind auf die unberührten Wälder zum Überleben angewiesen. In anderen europäischen Ländern sind deren Lebensräume bereits zerstört.

Greenpeace Online: Welche negativen Folgen könnte die Einrichtung von Nationalparks für die Holzindustrie haben?

Oliver: Man sollte vielmehr die Frage stellen, welche negativen Folgen die Holzindustrie bewältigen müsste, wenn man ihnen die Verantwortung für die Wälder allein überließe. Nach jedem Raubzug an der Umwelt bietet sich ein Bild des Schreckens. Wo einst Bäume wuchsen und kleine Dörfer am Rande des Waldes lagen, gibt es plötzlich nichts als Geisterstädte in Mitten von kahlgeschlagenem Wald. Jedesmal ein Desaster für die Umwelt und die Menschen die von ihr leben. Ein nachhaltiger Umgang mit der Ressource Holz könnte diesen Teufelskreis stoppen. Bisher ist das aber in dieser Region eine echte Seltenheit.

Greenpeace Online: Wie geht es jetzt weiter?

Oliver: Im Kalevalski-Nationalpark wird es jetzt zunächst darum gehen, den Nationalpark gut zu betreuen. Es müssen unter anderem Förster gefunden werden, die über das Wohlergehen des Parks wachen.

Die großen finnischen Holzhändler haben ihre Abholzungsgebiete leider nur verlegt. Diese müssen damit beginnen, ihr Holz aus Wäldern zu kaufen, die ökologisch verantwortlich bewirtschaftet werden. Es wird weiterhin darum gehen, klar zu machen wie wichtig der Schutz der letzten Urwälder ist. Dies ist nicht nur für den Schutz der Artenvielfalt sondern auch zur Milderung des Klimawandels absolut notwendig.

Greenpeace Online: Vielen Dank für das Gespräch.

(Das Gespräch führte Sanja Schlösser)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Kontrolle ist besser

Palmöl des Konzerns Wilmar steckt in etlichen Süßigkeiten. In Zukunft will das Unternehmen garantieren können, dass seine Ware nicht aus Regenwaldzerstörung stammt – dank Technik.

Der Weihnachtsmüffel

Oh Tannenbaum, wie stinken deine Blätter: Gewächse aus gängiger Massenbaumhaltung duften meist wenig weihnachtlich. Unsere Autorin lernte, wie Weihnachtszeit mit Tannenaroma geht.

Zehntausende stehen zusammen

Es ist die bislang größte Anti-Kohle-Demo im Rheinischen Revier: Zehntausende protestieren am Hambacher Wald für Klimaschutz – und feiern den vorläufigen Rodungsstopp.