Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Erfolg in Brasilien: Gericht stoppt Landvergabe in Amazonien

In die Auseinandersetzung zwischen Greenpeace und der brasilianischen Landreformbehörde INCRA kommt Bewegung. Ein Bundesrichter fand das Beweismaterial gegen die Behörde überzeugend: Er setzte 99 Landzuteilungen in Amazonien aus. Greenpeace-Rechercheure hatten herausgefunden, dass die INCRA mit Holzfällerfirmen zusammenarbeitet. Sie vergibt Land bevorzugt dort, wo wertvolles Tropenholz wächst, und überlässt den Firmen das Roden.

  • /

Die Landreform gehört zu den wichtigsten Projekten der Zentralregierung. Auch heute noch besitzt eine verschwindend kleine Gruppe von reichen Familien fast die Hälfte des fruchtbaren Landes in Brasilien. Dem Heer der Landlosen zu einem Stückchen eigenen Grund und Bodens zu verhelfen, gehört zum Programm der Regierung Lula im Kampf gegen die Armut.

In Amazonien ist bereits so viel Urwald abgeholzt, dass der INCRA ausreichend Areale zur Vergabe an Landlose zur Verfügung stehen. Umso auffälliger ist, dass viele der Flächen, die sie im Jahr 2006 im Bundesstaat Pará zuwies, mitten im Urwald liegen und wertvolles Tropenholz enthalten. Fünf Areale befinden sich sogar im streng geschützten Amazonien-Nationalpark.

Greenpeace fand außerdem heraus, dass die Behörde nach der Vergabe Kontakt zwischen den neuen Siedlergemeinden und Holzfällerfirmen vermittelte. Die Holzunternehmen sorgen dann an Stelle der eigentlich zuständigen Behörde für die nötige Infrastruktur: zum Beispiel Straßen und Schulen. Die heiß begehrten wertvollen Tropenbäume fallen ihnen buchstäblich zu. Einige Gebiete wurden sogar von der Holzindustrie selbst ausgewählt.

Verlierer in diesem Spiel sind die Gemeinden, die oft in völlig abgelegenen Urwaldgebieten angesiedelt werden. Sie geraten in Abhängigkeit von der Holzindustrie. Verlierer ist auch der Urwald Amazoniens. Während die brasilianische Umweltbehörde IBAMA sich bemüht, ihn zu schützen, sorgt die INCRA für neuen Kahlschlag.

Damit ist es jetzt hoffentlich vorbei. Laut Gerichtsbeschluss muss die Behörde in Zukunft jede Landzuteilung von der IBAMA genehmigen lassen. Ob sie dieses Urteil akzeptiert oder Widerspruch einlegt, ist noch offen. Wir hoffen inbrünstig, dass die INCRA die Chance ergreift, um ihr Haus in Ordnung zu bringen, sagt Waldexperte André Muggiati von Greenpeace. Wie auch immer, wir werden genau beobachten, was jetzt passiert.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Kontrolle ist besser

Palmöl des Konzerns Wilmar steckt in etlichen Süßigkeiten. In Zukunft will das Unternehmen garantieren können, dass seine Ware nicht aus Regenwaldzerstörung stammt – dank Technik.

Der Weihnachtsmüffel

Oh Tannenbaum, wie stinken deine Blätter: Gewächse aus gängiger Massenbaumhaltung duften meist wenig weihnachtlich. Unsere Autorin lernte, wie Weihnachtszeit mit Tannenaroma geht.

Zehntausende stehen zusammen

Es ist die bislang größte Anti-Kohle-Demo im Rheinischen Revier: Zehntausende protestieren am Hambacher Wald für Klimaschutz – und feiern den vorläufigen Rodungsstopp.