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EU-Gesetze gegen illegales Holz zu lasch umgesetzt

Edles Holz, krumme Geschäfte

Illegales Tropenholz in La Rochelle? Greenpeace-Aktivisten fanden dort verdächtige Stämme. Kein Einzelfall: Die EU-Gesetze gegen illegalen Holzhandel werden unzureichend umgesetzt.

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Die Hebevorrichtung des Kranwagens schwankt, senkt sich langsam. Dann liegt der gigantische Baumstamm auf der Straße vorm Pariser Umweltministerium: acht Meter lang, vier Tonnen schwer. Den Koloss aus Tropenholz transportierten die Greenpeace-Aktivisten vors Ministerium.

Denn genau zwei Jahre ist es her, dass die EU-Holzhandelsverordnung EUTR in Kraft trat. Die schreibt vor, dass Holzimporteure die Verantwortung für die Legalität ihrer Produkte tragen. Doch gerade jetzt entdeckten die Greenpeace-Aktivisten im Hafen von La Rochelle wieder eine Ladung verdächtiges Tropenholz. Deshalb stehen sie nun vorm Umweltministerium, mit dem Urwald-Giganten, Plakaten mit der Aufschrift „Illegales Holz – Die Regierung kümmert sich nicht“ – und ihrer Forderung, Holzimporteure in die Pflicht zu nehmen und EUTR konsequent umzusetzen.

Handel mit illegalem Holz bleibt lukratives Geschäft

„Die Aktion in Frankreich erinnert die verantwortlichen Behörden daran, dass illegales Holz weiterhin ungeahndet in Europa gehandelt wird“, sagt Jannes Stoppel, Greenpeace-Experte für Wälder. „Die verantwortlichen Minister müssen sich endlich für eine starke und gleichmäßige Umsetzung der EUTR einsetzen.“

Die EU-Holzhandelsverordnung trat 2013 in Kraft; sie verbietet das Einführen von illegalem Holz und Erzeugnissen daraus nach Europa. In Deutschland untersagt das gleichzeitig aktualisierte Holzhandels-Sicherungsgesetz (HolzSiG) den Handel mit Waren aus illegal geschlagenem Holz. Das Gesetz berücksichtigt ordnungspolitische Probleme der Herkunftsländer wie Korruption, doch in der Praxis haben die Behörden kaum Kontroll-, geschweige denn wirksame Sanktionsmöglichkeiten. Trotz des Verbots ist daher der Handel mit illegelem Holz weiterhin ein lukratives Geschäft.

Die Tropenwälder schwinden

Allein in der Demokratischen Republik Kongo werden schätzungsweise 90 Prozent des Holzes illegal geschlagen. Nach Inkrafttreten des HolzSiG verfolgte Greenpeace Wenge-Stämme der Firma BAM von illegalen Einschlagsflächen im Kongo bis nach Deutschland und Tschechien. Wenge ist eines der edelsten Hölzer der Welt und wird zu Luxusprodukten verarbeitet, beispielsweise zu wertvollen Türen, Treppen und Parkett. Die Stämme liegen noch immer in einem Sägewerk in Tschechien. Bis heute wurden sie weder konfisziert, noch wurden die verantwortlichen Firmen bestraft.

Die verheerenden Folgen der illegalen Rodungen trägt die lokale Bevölkerung. Für ihre traditionelle Lebensweise benötigt sie ökologisch intakte Wälder. Deshalb geraten die lokalen Gemeinden immer wieder mit der Holzindustrie in Konflikt.

Im vergangenen Jahr hat Greenpeace durch weitreichende Recherchen im Amazonasgebiet festgestellt, dass im brasilianischen Staat Pará 78 Prozent der Einschlagsflächen zwischen 2011 und 2012 illegal bewirtschaftet wurden. Weitere Untersuchungen deckten Importe nach Belgien auf. Greenpeace informierte die Behörden, die daraufhin sechs Container mit Holz konfiszierten. Diese wurden anschließend jedoch wieder frei gegeben, da die brasilianischen Behörden die Illegalität des Holzes nicht nachgewiesen haben.

„Gesetze, Rechtsumsetzung und Kontrollen sind zu schwach“, sagt Stoppel. „Nicht alle Holzprodukte fallen unter die EUTR-Verordnung, und exponierte Firmen werden nicht abschreckend bestraft. Deshalb verfehlt EUTR bisher seine gewünschte Wirkung – zu Lasten der großen Tropenwaldregionen.

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