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Ecuador: Ölbohrung im UNESCO-Reservat

Ecuador hat dem brasilianischen Staatskonzern Petrobras die Genehmigung erteilt, im Yasuni-Nationalpark nach Öl zu bohren. Die Zerstörung des Urwalds im Amazonasgebiet wird damit weiter vorangetrieben. Umweltschützer wollen vor Gericht gehen.

Medienberichten zufolge soll die Genehmigung am 19. August erteilt worden sein. Bekannt gegeben wurde sie eine knappe Woche später anlässlich des Staatsbesuchs des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva.

Öl gehört zu den einträglichsten Ressourcen Ecuadors. Über den Ölexport streicht der Staat jährlich Millionen US-Dollar Steuern ein. Die Menschen in den betroffenen Gemeinden und die Umwelt profitieren nicht von diesem Reichtum. Im Gegenteil. Ölförderung ist in Ecuador ein trübes Kapitel. Wo die Ölindustrie das Terrain besetzt, ist das Leben für die Menschen meist unerträglich.

Ölförderung im UNESCO-Biosphärenreservat

Die neue Genehmigung betrifft das Herz des Yasuni-Nationalparks. Er umfasst eine Fläche von knapp einer Million Hektar teils unberührten Urwalds. 1989 erklärte die UNESCO die Region zum Biosphärenreservat. Das Schutzgebiet im Osten Ecuadors gehört zu den artenreichsten Regionen der Erde. Es ist Heimat der Ketchua- und der Huaorani-Indianer.

Die internationale Ölindustrie drängt es seit Jahren in den Yasuni-Nationalpark. Das argentinische Ölunternehmen Perez Companc entdeckte im Frühjahr 2001 nach ausgedehnten seismischen Untersuchungen neue Ölreserven, die es auf rund 300 Millionen Barrel schätzte. Perez Companc ist seit 2003 zu 59 Prozent in der Hand von Petrobras.

Mitten im Schutzgebiet sollen nun Straßen, eine Zentralstation, zwölf Bohrtürme, eine große und mehrere kleine Pipelines entstehen. Petrobras hat sich verpflichtet, rund 150 Millionen US-Dollar in Ecuador zu investieren.

Umweltschützer werfen dem staatseigenen brasilianischen Konzern Doppelzüngigkeit vor. In Brasilien käme das Unternehmen mit einem Vorhaben wie der Ölförderung im Yasuni-Nationalpark nicht durch. Also weicht es in Länder mit geringeren Umweltstandards aus.

Der stellvertretende ecuadorianische Umweltminister hat zwar versichert, durch die Aktivitäten des Konzern entstünden der Umwelt und den Urwaldkommunen keine Schäden. Doch das darf bezweifelt werden. Wenn es nur halb so schlimm wird wie in und um die "Ölhauptstadt" Lago Agrio, wird es eine Katastrophe. (sit)

Lesen Sie auf unseren Urwaldseiten, was die Ölindustrie - teils mit deutschen Geldern - in Ecuador anrichtet. Stichwort Westdeutsche Landesbank (WestLB):

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Interview mit Máximo Abad, Bürgermeister von Lagio Agrio

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