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Druck auf US-Konzern Cargill nimmt zu

Der Protest gegen den US-Agrarkonzern Cargill geht weiter. Im brasilianischen Santarém haben am Sonntag rund 1000 Menschen gegen den von Cargill forcierten Großanbau von Soja protestiert. Am Montag wurde Greenpeace auch im britischen Surrey und im französischen Orléans vor den Europazentralen des US-Konzerns und seiner Tochterfirma SunValley aktiv.

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Die Proteste richten sich gegen die skrupellose Geschäftspolitik von Cargill. Der Konzern bezieht die Soja von Farmern, die nicht nur den Urwald zerstören sondern oft auch in illegale Landnahme und Sklaverei verwickelt sind. Die nach Europa exportierte Soja dient hier als Futter für Masttiere wie Schweine, Rinder oder Kühe. Am Amazonas bleibt eine Wüste zurück. Der größte und artenreichste Regenwald der Erde wird für die Soja-Monokultur hemmungslos vernichtet.

Soja in Amazonien - wider die Natur

Soja ist das Hauptexportgut Brasiliens. Ursprünglich wurde die Pflanze nur im Süden Brasiliens, vor allem im Bundesstaat Paraná, angebaut. Später weitete der Anbau sich auf den Mato Grosso aus. Im tropisch-feuchten Klima der Amazonasregion gedieh die Soja nicht. Doch um den Sojaanbau nach Amazonien zu tragen, wurde unter anderem auf Betreiben von Cargill eigens eine neue Sorte gezüchtet.

In den ersten Jahres des 21. Jahrhunderts ließ sich das US-Unternehmen in Santarém nieder. Dort baute es am Fluss Tabajos, einem Nebenfluss des Amazonas, illegal eine Soja-Verladestation auf. Mit günstigen Krediten, Abnahmegarantien und dem Versprechen auf drei Ernten im Jahr lockt Cargill seit etwa fünf Jahren Sojabauern nach Amazonien.

Die Bauern im Süden verkaufen ihr Land zu einem guten Preis. Im Amazonasurwald erwerben sie dafür wesentlich größere Flächen Landes oder eignen es sich illegal an. Die einheimischen Bauern werden mit geringen Geldsummen und leeren Versprechungen abgespeist oder mit Gewalt vertrieben. Viele landen in den Armutsvierteln von Santarém.

Die meisten Menschen haben von Cargill noch nie etwas gehört. Aber dieser Konzern spielt eine zentrale Rolle in einem der größten Umweltverbrechen unserer Zeit, sagt Thomas Henningsen, Waldexperte von Greenpeace. Cargill muss endlich einem Einschlagstopp im Regenwald zustimmen. Bis dahin sollten alle europäischen Lebensmittelfirmen den Einkauf von Cargills Amazonas-Produkten stoppen.

Urwaldvernichtung und europäische Fastfood-Ketten

Im britischen Surrey haben Greenpeace-Aktivisten fast vier Tonnen Soja vor den Eingang der Cargill-Europazentrale gekippt und sich dort angekettet. Gleichzeitig haben Aktivisten im französischen Orléans die Europazentrale der Cargill-Tochterfirma SunValley versperrt.

In Orléans produziert Cargill/SunValley Europe 15.000 Tonnen Hühnchen im Jahr für europäische Fastfood-Ketten und Supermärkte. Das entspricht rund einer Million Hühnchen pro Monat. Cargill/SunValley Europe verfüttert Soja von Cargill, für die der Amazonas-Regenwald abgeholzt oder niedergebrannt wurde.

Rechte der Einheimischen wahren

Greenpeace unterstützt die lokale Bevölkerung in ihrem Protest gegen die industriellen Großfarmer. Die Sojabauern sind oft eng verquickt mit der örtlichen politischen Elite und die Bundesregierung ist weit weg. Die einheimische Bevölkerung ist der Entwicklung weitgehend schutzlos ausgeliefert. Viele Menschen werden mit Gewalt von ihrem Land vertrieben, ihre Häuser niedergebrannt. Mord gehört zum täglichen Geschäft.

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