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DR Kongo: Gewalt im Regenwald

Eine Nachricht, die nicht um die Welt ging: Soldaten und Polizei haben in der Demokratischen Republik Kongo eine Urwaldgemeinde überfallen. Zeugen berichten, die Männer seien vom Manager einer Holzfirma bezahlt worden.

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Ich bin zerrissen von Bitterkeit und Empörung, wenn ich von den Gewalttaten im Herzen des Regenwalds höre, schreibt René Ngongo am 15. Juli 2011 in seinem Blog. Ngongo ist Umweltschützer und Menschenrechtler. Er arbeitet im Greenpeace-Büro in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo (DRK).

Der Konflikt zwischen der Gemeinde Yasilika und dem Holzkonzern Siforco, einer Tochter der schweizerischen Danzer-Gruppe, zeichnete sich offenbar schon länger ab. Yasilika liegt im Nordwesten der Provinz Equateur, nahe der Stadt Bumba, wo das Unternehmen eine Konzession hält. Mit der Konzession ist die Auflage verbunden, ein Pflichtenheft zu erfüllen. Es regelt Gegenleistungen an die Gemeinde für die Erlaubnis, auf ihrem Gebiet Holz einzuschlagen.

Die Bewohner von Yasilika beklagen, dass dieses Pflichtenheft seit 2005 nicht erfüllt worden sei. Ende April war ihre Geduld am Ende. Als Arbeiter der Firma in ihrer Gegend erschienen, protestierten sie.

Aus René Ngongos Blog:

Greenpeace wurde erzählt, dass am 2. Mai morgens 60 Polizisten und Soldaten über das Dorf hergefallen seien. Das Ergebnis war entsetzlich. Ein Dorfbewohner starb nach den Schlägen, Frederic Moloma Tuka. Mehrere Frauen, zum Teil minderjährig, wurden von den Sicherheitskräften vergewaltigt, andere Menschen geschlagen. 16 Menschen wurden festgenommen und weggebracht.

Der LKW, in dem die Leute ins Gefängnis von Bumba transportiert wurden, soll von Siforco gestellt worden sein. Mehrere Zeugen berichten unabhängig voneinander, dass der Wagen unterwegs vor dem Sitz des Unternehmens anhielt. Sie sahen, wie der Manager der Niederlassung die Polizisten und Soldaten bezahlte.

Greenpeace Mitarbeiter und Mitglieder des kongolesischen Umweltschutznetzwerks RRN (Réseau Ressources Naturelles) eilten sofort nach Yasilika, um sich selber ein Bild von der Situation zu machen. Sie sammelten Zeugenaussagen von Dorfbewohnern, Sanitätern und lokalen Behörden. Alle bestätigten den geschilderten Hergang. Greenpeace machte den Vorfall auf einer Pressekonferenz in Kinshasa publik.

Existenzgrundlage Regenwald

Yasilika liegt im Kongobecken, wo der zweitgrößte tropische Regenwald der Erde nach Amazonien zu finden ist. Der größte Teil dieses riesigen Urwaldgebietes gehört zur Demokratischen Republik Kongo. Die Wälder sind von unschätzbarem Wert. Sie sind Lebensgrundlage für 40 Millionen Menschen in der DRK, liefern Nahrung, Medikamente und andere wichtige Dinge des täglichen Lebens. Darüber hinaus bergen sie eine Vielfalt an Artenreichtum und spielen eine wichtige Rolle für das Weltklima.

Holzkonzerne als Staat im Staat

Der Holzeinschlag in diesen Wäldern richtet nicht nur erhebliche Umweltschäden an - er führt auch oft zu schweren Konflikten mit der einheimischen Bevölkerung. Der Fall Yasilika ist nicht der erste. Die Gemeinden sind von der Entscheidung über das Schicksal ihres Walds ausgeschlossen. Gewaltanwendung durch Sicherheitskräfte ist typisch für die Situation im Kongo. Die Menschenrechte sind außer Kraft.

2010 veröffentlichte Greenpeace einen Bericht über Auseinandersetzungen zwischen der Holzfirma Sodefor, einer Tochter der Nordsüdtimber in Liechtenstein, und einer Gemeinde in der Provinz Bandundu. Der Konflikt ist bis heute nicht beigelegt. Sodefor ist noch in weitere Konflikte verwickelt. Die Holzkonzerne agieren wie ein Staat im Staate. Von der kongolesischen Regierung ist nichts zu sehen und sie hat auch gar nicht die Mittel, um gegenzusteuern. Echte gesetzliche Regelungen gibt es nicht.

Angeblich nachhaltig

Die Tragödie von Bumba zeigt erneut, wie weit wir von der sogenannten nachhaltigen Waldwirtschaft entfernt sind, die von Förderern wie der Weltbank und der deutschen KfW Bankengruppe gefeiert wird, schreibt Ngongo. Wenn ich daran denke, dass diese Firmen, Sodefor und Siforco, sich auch noch mit FSC-zertifiziertem 'Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft' schmücken wollen, empört mich das noch mehr.

Ngongo fordert Gerechtigkeit für die Menschen in den Waldgemeinden, dies zuerst. Die Gewalttaten müssen bestraft werden. Jegliche finanzielle Unterstützung seitens der Geberländer wie beispielsweise Deutschland für Unternehmen wie Sodefor und Siforco müsse sofort und öffentlich eingestellt werden.

(Autorin: Sigrid Totz)

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