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Doppelt gegen Palmölwahn

Alle zwei Sekunden wird Urwald von der Größe eines Fussballfeldes zerstört. Ein Großteil davon auf Sumatra, für die Umwandlung von Torfmoor in Palmölplantagen. Dabei werden enorme Mengen CO2 freigesetzt. Gegen diesen Wahnsinn haben Greenpeace-Aktivisten gleich zweimal innerhalb von 24 Stunden protestiert. Donnerstagabend in Hamburg und Freitagmorgen in Rotterdam.

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In Rotterdam hat sich der Protest gegen das Entladen von 10.000 Tonnen Palmöl gerichtet. Die Aktivisten ketterten auf den Tanker Doroussa und entfalteten ein Banner auf dem Save our Forest, Stop Palm Oil zu lesen stand. Sie wollten damit darauf aufmerksam machen, wie die Torfwaldzerstörung den Kimawandel beeinflusst.

In zehn Tagen werden sich Regierungschefs aus aller Welt in Indonesien auf Bali versammeln. Dort werden sie entscheiden, wie zukünftig vorgegangen werden soll, um den Klimawandel zu bekämpfen. Greenpeace fordert ein sofortiges Moratorium auf die Urwalzerstörung.

"Die Palmölproduktion ist außer Kontrolle. Für Palmöl in Margarine, Chips und Waschmitttel werden die indonesischen Torfmoorwälder zerstört und das Klima muss darunter leiden", erklärt Alexander Hissting, Agrarexperte von Greenpeace.

Das Palmöl an Bord der Doroussa wurde in Indonesien, in der Provinz Riau geladen. Hier hatte Greenpeace Anfang der Woche, im Hafen von Dumai, gegen das Verschiffen von 30.000 Tonnen Palmöl protestiert. In Dumais Hafen, wird das meiste Palmöl in Indonesien verladen und in die Welt verschickt. Das Palmöl auf der Doroussa gehört einer indonesischen Firma, die von dem Produzenten Astra Agro beliefert wird, der direkt in die Urwaldabholzung und Torfmoorzerstörung verwickelt ist.

Etwa 25 Prozent der indonesischen Palmöl Plantagen befinden sich in Riau. Viele davon in Torfmooren. Diese speichern eine große Menge CO2. Durch ihre Entwässerung, Holzeinschlag und das Abbrennen der Wälder gelangen Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Ein Grund warum Indonesien der weltweit drittgrößte CO2-Produzent ist.

Die Provinz Riau plant, weitere drei Millionen Hektar für Palmölplantagen frei zu geben. Damit hätten auch gefährdete Tierarten wie der Sumatra Tiger keine Heimat mehr und wären umso stärker von der Ausrottung bedroht. Zudem ist die Regenwaldzerstöung für ein Fünftel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Der Greenpeace Report Cooking the Climate, der vor zwei Wochen veröffentlicht wurde, deckt auf, dass große Firmen wie Unilever, Nestlé und Procter & Gamble in die Zerstörung indonesischer Torfmoore und Regenwälder verstrickt sind. Er kommt zu einem klaren Ergebnis. Ein sofortiges Moratorium auf Waldzerstörung und den Abbau von Torfmooren, ist die einzige Möglichkeit Indonesiens Treibhausgasemissionen effektiv zu vermindern.

Denn sie wissen nicht was sie tun - Aufklärungsarbeit in Hamburg

In Hamburg hat am Donnerstagabend das internationale Treffen des Deutschen Verbands des Großhandels mit Ölen, Fetten und Ölrohstoffen (GROFOR) statt gefunden. Teilnehmer waren etwa 500 Personen. Darunter Palmölhändler und Verarbeiter sowie Agroenergie-Unternehmen.

Zu diesem Anlass haben Greenpeace-Aktivisten vor dem Eingang des Tagungsorts ein Banner mit der Aufschrift Palmöl zerstört Wälder und Klima entrollt. Außerdem wurden an die Teilnehmer der Konferenz Handzettel mit Informationen zur Palmölproblematik verteilt. Ziel war die Kommunikation. Die Aktivisten wollten den Produzenten und Händlern die Augen öffnen. Sie legten ihnen dar, wie durch Palmöl Urwälder und Klima zerstört werden.

Besonders wiesen sie auf jenes Problem hin, dass es bisher keine Sicherheit gibt, wie Palmöl produziert wird. Darum der Aufruf an die Industrie strenge Kriterien zu erlassen. Da die Erstellung und Umsetzung solcher Kriterien ein langwieriger Prozess ist, war auch hier Tenor: Nur ein sofortiges Moratorium auf die Umwandlung von Wald- und Torfflächen in Palmöl-Plantagen kann Klima und Wälder effektiv schützen.

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